Der 2. Weltkrieg

"Benolpe - Geschichte einer Schulgemeinde" von Burkhard Lütticke

Der 2. Weltkrieg

Über die Zeit des Nationalsozialismus und des 2. Weltkrieges wurden schon aus berufenerem Munde viele Bücher und historische Abhandlungen geschrieben. Es kann nicht Aufgabe einer heimatkundlichen Schrift sein, den wohl dunkelsten Abschnitt deutscher Geschichte in angemessener Weise zu betrachten. Trotzdem kann dieser Zeitabschnitt nicht einfach ausgeklammert oder übergangen werden. Im Interesse der heutigen und der folgenden Generationen müssen die Auswirkungen auf die Bevölkerung und das Leben in der Schulgemeinde Benolpe festgehalten und erwähnt werden.

Mit der Machtübernahme Adolf Hitlers am 30. Januar 1933 beginnt die Zeit des Nationalsozialismus, die auch über die Schulgemeinde Benolpe viele Sorgen, viele Entbehrungen und viel Leid bringen sollte.

Am 01.09.1939 begann der 2. Weltkrieg. Anders als zu Beginn des 1. Weltkrieges, ging die Mobilmachung ruhig und kaum merklich vonstatten. Anfangs kamen die Gestellungsbefehle noch in großen Abständen ins Haus. Doch mit zunehmender Dauer des Krieges wurden immer mehr Männer eingezogen.

Allmählich wurden die täglichen Dinge des Lebens knapp. Benzin gab es nur noch auf Gutschein. Brot, Fleisch und andere Lebensmittel wurden rationiert und auf Karten abgegeben. Die Schüler und Lehrer der Benolper Schule beteiligten sich wie überall an Altmaterial- und Kräutersammlungen (siehe hierzu auch das Kapitel "Die Schule in Benolpe von 1914 bis zur Auflösung im Jahre 1969").

Zur Mitte des Krieges nach der verlorenen Schlacht bei Stalingrad stieg die Zahl der Gefallenen und Vermissten stetig. Hunderte von Flüchtlingen aus den ausgebombten Großstädten wurden im gesamten Kirchspiel aufgenommen. Zu Beginn des Jahres 1944 waren bereits mehr als 60 Gefallene zu beklagen. Ein Ende des Krieges war aber immer noch nicht abzusehen. Für den Volkssturm wurden die 16- bis 18jährigen von der Schulbank und aus den Lehrstellen geholt und die über 50jährigen von Haus und Hof.

Im September 1944 fielen die ersten Bomben in der Umgebung von Drolshagen. Die Gehöfte Theile-Ochel und Hardenacke in Buchhagen wurden eingeäschert. Die Schulgemeinde Benolpe wurde von Bombentreffern gottlob verschont.

Der Krieg rückte nun auch der Heimat immer näher. Die Schulchronik berichtet, dass das Dorf im Februar/März 1945 zurückflutende Soldaten sah, die in endlosen Scharen die heimischen Wälder durchzogen und die offenen Landstraßen mieden, um der Sicht der feindlichen Flieger zu entgehen.

Die Wehrmacht belegte zunächst einen Schulsaal im Schulgebäude. Am 15.03.1945 beschlagnahmte die Wehrmacht auch den zweiten Saal, so dass die Schule geschlossen werden musste. Ende März 1945 war bereits der Geschützdonner aus südlicher Richtung zu hören. Über die letzten Tage des Krieges für Benolpe berichtet die Schulchronik:

"Die Front war inzwischen so nahe gerückt, daß die kämpfenden Truppen in unseren Bergen lagen. Alle warteten fieberhaft auf das Eintreffen der Amerikaner und bangten auch wieder vor dem Feind. Die Tiefflieger bedrängten unsere Bauern derart, daß niemand ohne Lebensgefahr an die Frühjahrsbestellung der Felder gehen konnte. Die Angst der Leute stieg von Tag zu Tag. Da war es eine Erlösung als die Feinde am 10. April in den Mittagsstunden Drolshagen nach kurzem Kampfe einnahmen. Am nächsten Tag zog der Amerikaner von Gelslingen her in unser Dorf. Beim Einzug gab es keinen Kampf, aber vorher lag das Dorf unter starken Arie(Artillerie)-Beschuß von Drolshagen aus, der viel Schaden machte. Die Scheune des Albert Engels brannte ganz nieder, und sein Wohnhaus wurde schwer beschädigt. Kamps Haus wurde durchlöchert wie ein Sieb. Andere Häuser wurden leichter getroffen. Sehr schwer schlugen die feindlichen Geschosse in Belmicke ein. Hütten und Bergs Haus brannten ganz ab, und nur wenige Habe konnte gerettet werden. Unser Schulhaus blieb unversehrt.

Nach wenigen Tagen voller Unruhe und Angst zogen die fremden Truppen ab, nahmen viele deutsche Soldaten und Gefangene mit, und der Krieg war wie Teufelsspuk verflogen. Zahllose zerstörte Autos und Panzer, schwere und leichte Geschütze mit Munition begrenzten die Straßen, lagen wie Gespenster in den Bergen."


Die Bilanz des Krieges war schrecklich. Blieb das Kirchspiel Drolshagen von Schäden an Wohngebäuden und Wohnungen noch einigermaßen verschont, so waren an Menschenleben 352 Tote und Vermisste zu beklagen. Unter den Toten befanden sich 3 Zivilisten und 163 gefallene Soldaten. Vermisst wurden 21 Zivilpersonen und 165 Wehrmachtsangehörige. Auch die Schulgemeinde Benolpe hatte viele Opfer zu beklagen.

 


Quellenhinweis:
Hesse: Geschichte. S. 410
Hesse: Drolshagen. S. 90
StaD.: Sammlung Schulen 112