Der dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648

"Benolpe - Geschichte einer Schulgemeinde" von Burkhard Lütticke

Der dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648

Die Ursache des dreißigjährigen Krieges lag in den Gegensätzen zwischen Katholiken und Protestanten sowie dem Streben der Reichsstände nach Erweiterung ihrer Macht. Über den Verlauf dieses, wie das Lexikon sagt "europäischen Religions- und Staatenkonflikt auf deutschem Boden", will ich an dieser Stelle nicht weiter ausführen.

Die Folgen dieses Krieges waren eine verheerende soziale und wirtschaftliche Katastrophe. Die Bevölkerungsverluste betrugen etwa 40 % auf dem Land und etwa 33 % in den Städten. In den am ärgsten betroffenen Gebieten betrugen die Verluste gar bis zu 80 %. Es dauerte 100 Jahre bis der Bevölkerungsstand von 1620 mit 16 Mio. wieder erreicht wurde.


Das Drolshagener Land blieb in den ersten Jahren dieses Krieges noch verschont. Im Jahr 1625 fielen dann aber staatische (= niederländische) Reiter in Drolshagen ein, plünderten und brandschatzten. Zunächst blieb es bei Einzelaktionen durch herumstreifende Landsknechtshaufen. Dem Peter Veltmann aus Benolpe schossen sie durch beide Beine.

Einige Jahre später traf aber auch das Drolshagener Land der Krieg mit all seinen Schrecken. Von Einquartierungen, Kontributionen (= Abgaben für den Unterhalt der Truppen), Schatzungen, Erpressungen sowie eingeschleppten Seuchen wurde kein Ort des Reiches verschont, auch das Drolshagener Land nicht. Viele Tote waren zu beklagen. Die Ernährungslage war äußerst schlecht. Überall nagte die Bevölkerung durch die ständigen Plünderungen am Hungertuch. Zu allem Übel brach 1623 bis 1626 und 1631/32 wieder, wie schon bereits 1594 die Pest aus. Kaum war die Pest überstanden, kamen die schwedischen Truppen ins Land.

Am 08.06.1635 erschienen die Schweden auf der Höhe von Belmicke. Der Drolshagener Kämmerer Peter Butz, der mit den Truppen verhandeln wollte, starb durch schwedische Kugeln. Sein Tod war sinnlos, die Truppen zogen in Drolshagen ein und trieben hier ihr schreckliches Unwesen.

Zum Gedenken an den Drolshagener Kämmerer Peter Butz wurde Nahe Belmicke ein Gedenkstein errichtet, das sogenannte "Schwedenkreuz". Den Gedenkstein von 1635 hat ein unbekannter Steinmetz aus feinkörnigem Sandstein gehauen und mit schneckenförmigen Winkelstützen verziert und auf einen 10 cm hohen Sockel gesetzt. Die Rückseite des Kreuzes zeigt als barocke Steinmetzarbeit im Flachrelief einen Engel mit zwei Flügelschwingen. 
Die Vorderseite des Steins trägt die Inschrift:

Ano 1635 den 8. Juni ist der
erbar und fromer fornemer
Peter Butz von DrolLshagen
Camner von d Schweden
alhir erschosen
Desen Sele gott Gnad
Amen

Der Stein stand bis zur kommunalen Neugliederung im Jahr 1969 auf Drolshagener Gebiet.

Das Schwedenkreuz hat bis 1901 mitten in einem Feld gestanden und wurde 1901 an die Nordecke des Ackers gestellt und gleichzeitig auf Veranlassung des Sauerländischen Gebirgsvereins und der Gemeinde Drolshagen Stein und Schrift fachgemäß gereinigt. An diesen Standort kann ich mich noch erinnern. Als Kinder haben wir bei den sonntäglichen Spaziergängen mit den Eltern oftmals vor dem Schwedenkreuz gestanden. Damals stand der Gedenkstein entlang des Weges von Belmicke zum Belmicker Sportplatz und war mit einem niedrigen Eisengitter umsäumt.
1977 wurde das Schwedenkreuz vom Heimatverein "Hohe Belmicke" an seinen jetzigen Standort nahe des Südeingangs des Belmicker Friedhofes versetzt.


Das ganze Ausmaß der Verwüstungen und die traurige Bilanz des 30jährigen Krieges lassen sich anhand einer damals aufgestellten Steuerliste deutlich machen.

Bauernschaft Husten:
Schatz 21½ Goldgulden
Von 31 Häusern/Wohnungen 12 wüst, verfallen und 5 verarmt, verschuldet
Viehbestand: 12 Kühe, 6 Kälber, 7 Schweine, 2 Pferde
Aussaat: 8½ Mudde, 3½ Mudde Hafer oder Heidloff

Bauernschaft Germinghausen:
Schatz 42 Goldgulden
Von 52 Häusern/Wohnungen 19 wüst, verfallen und 8 verarmt, verschuldet
Viehbestand: 43 Kühe, 23 Kälber, 20 Ferkel, 7 Pferde
Aussaat: 55 Mudde Hafer, ½ Mudde Heidloff-Buchweizen

Erst 1641 kehrte wieder Ruhe im Drolshagener Land ein. Mit dem Abschluss des Westfälischen Friedens in Münster (1648) wurde das Ende dieses langen Krieges besiegelt.

 


Quellenhinweis:
Scheele: Die Pest. In: HBO. Jg. 12(1935). S. 61
Hesse: Geschichte. S. 159 ff.
Hesse: Drolshagen. S. 49 ff. 
Website: www.suehnekreuz.de

 

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