Befreiungskrieg 1813 - 1815

"Benolpe - Geschichte einer Schulgemeinde" von Burkhard Lütticke

Die Befreiungskriege 1813 bis 1815 (Freiheitskriege)
Russische Truppen im Kreis Olpe

Nach der verlorenen Völkerschlacht bei Leipzig am 18.10.1813 flohen die napoleonischen Truppen über den Rhein. Die Verfolgung der fliehenden Feinde übernahm neben preußischen Truppen unter anderem das 2. Korps der russischen Hauptarmee als Avantgarde der verbündeten Armeen unter dem russischen General Graf von Wintzigerode und ein Korps der schlesischen Armee unter dem russischen General Graf de Langeron. Diese Truppen befreiten im raschen Siegeszuge Westfalen von den Franzosen.

Ein großer Teil der Armeen führt der Weg durch unsere sauerländischen Berge. Ein Teil der kaiserlich-russischen Armee von 60.000 Mann zog vom General Langeron kommandiert in der Zeit vom 08. bis 20.11.1813 durch das Amt Drolshagen Richtung Rhein und zurück.


Das Kirchspiel wurde hart getroffen und musste große Opfer bringen. Besonders die Ortschaften Wegeringhausen, Gelslingen, Sendschotten und Gipperich traf es dabei arg.

Für die Ortschaft Gelslingen und Gipperich beschreibt die Chronik des auswertigen Kirchspiels, angefertigt 1818 (Anmerkung: Auswe(ä)rtiges Kirchspiel bedeutet außerhalb der Stadtgrenzen Drolshagens.):

Gelslingen, ein armes Dörfchen von 8 Häusern, mußte außer der verpflegten Infantrie einen Kosaken-Schwarm von etwa 6 bis 800 Mann und tausend Pferden vom 11. auf den 12. November verpflegen, wodurch dieses arme Oertlein ein Theil seines Viehes und den größten Theil seiner Fourage verlohren.

Gipperich ein Ort von 6 Häusern, hatte vom 10. auf den 11. November ein Regiment Infantrie in Verpflegung, die außer den Offizieren bivaquieren mußten. Es wurden mehrere Stück Rindvieh abgeschlachtet, und doch war das Nöthige zu ihrer Unterhaltung hier nicht zu haben.


Am 13.11.1813 trafen in Drolshagen 200 Kosaken ein. Nach ihrem Abzug erschienen am folgenden Tage zwei russische Armeekorpse. Das eine davon wurde befehligt von dem General Saint Priest. Das Kommando über das andere Korps führte der russische General Marquis de Langeron. -Beide Korps kamen über Olpe und marschierten dem Rheine zu; wie die Chronik der Stadt Drolshagen berichtet, marschierten sie jedoch kurz darauf wieder über Drolshagen zurück, "weil sie zur Belagerung der Festung Mainz bestimmt waren." Blücher war nämlich mit seinem Heer den Franzosen bis Fulda nachgezogen und hatte sich von dort nach Mühlheim gewandt, wo er den Rhein zu überschreiten gedachte, erhielt aber von den verbündeten Monarchen Befehl, sein Heer auf dem rechten Rheinufer stromaufwärts bis in die Gegend von Mainz zu führen.-

Durch den Rückmarsch der beiden russischen Korps nach Drolshagen soll, wie die Drolshage­ner Chronik mitteilt, die dortige Gegend umso härter mitgenommen worden sein, da es jener Armee an jeglichen Lebensmitteln mangelte und das Amt Drolshagen daher sämtlicher Erzeugnisse des Jahres beraubt wurde.

Hinzu kam, dass das von den Russen mitgeführte Rindvieh mit der Viehseuche befallen war. Hierdurch brach die Viehseuche an manchen Orten des Drolshagener Kirchspiels aus. Glücklicher Weise konnte die Seuche durch die eingetretene kalte Witterung und die von der hessischen Regierung eingeleiteten Vorsichtsmaßregeln; durch töten und vergraben der mit der Seuche befallenen Tiere eingedämmt werden. Gottlob hatte die hessische Regierung einen Ausgleich der Kriegskosten verordnet, wodurch die mitgenommen Gemeinden eine ansehnliche Vergütung erhielten.


Für die Teilnehmer an den Befreiungskriegen 1813 und 1815 hatte König Wilhelm I. von Preußen am 17.03.1863 eine Erinnerungsdenkmünze gestiftet, die an die noch lebenden Teilnehmer der Feldzüge als erneutes Zeichen der Anerkennung verliehen wurde. In der Nachweisungsliste der noch lebenden Teilnehmer an den beiden Kriegen (seit den Kriegen waren 40 Jahre vergangen) befinden sich auch Teilnehmer aus der ehemaligen Schulgemeinde Benolpe. Hierbei handelte es sich um 

  • Heinrich Josef Maiworm, Bauer, Gipperich,
    Regiment Groß- und Erbprinz, Gemeiner, Feldzug 1813/15
  • Franz Nies, Bauer, Wörde,
    Regiment Erbprinz, Gemeiner, Feldzug 1813/1815

Quellenhinweis: 
Wiemers: Russische Truppen. In: HBO. Jg. 5(1928). S. 53 ff.
Scheele: Beteiligung. In: HBO. Jg. 6(1929). S. 129 ff.
Scheele: Chronik. In: HBO. Jg. 9(1932). S. 8

 

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