Die Kapelle St. Theresia vom Kinde Jesu in Benolpe

"Benolpe - Geschichte einer Schulgemeinde" von Burkhard Lütticke

Die Kapelle St. Theresia vom Kinde Jesu in Benolpe

Zu den Beweggründen der Bewohner der Schulgemeinde Benolpe ein eigenes Gotteshaus zu bauen, ist heute nichts Näheres mehr in Erfah­rung zu bringen.

Die Benolper Kapelle im Jahr 2016
Die Benolper Kapelle im Jahr 2016.

Vielleicht lagen die Gründe darin, dass die St.-Clemens-Pfarrkirche in Drolshagen und die St.-Anna-Pfarrkirche zu Belmicke, doch recht weit von der Ortschaft Benolpe entfernt lagen. In der heutigen Zeit, wo jede Familie über min­destens ein Auto verfügt und wo Bus­verbindungen eigentlich jedem Gläubigen den Besuch der heiligen Messe ermöglichen sollte, erscheint einem dieser Grund nicht sehr plausibel. Bedenken muss man dabei aber, dass es zur damaligen Zeit kaum Autos gab und Busverbindungen in ein entlegenes Örtchen wie Benolpe noch nicht bestanden. So mussten die Bewohner der Schulgemeinde den Weg zum Besuch der heiligen Messen bei jeder Witterung zu Fuß zurücklegen. Berücksichtigt man dabei auch noch die schlechten Straßenverhältnisse, ausgebaute und befestigte Straßen kamen erst zu Beginn des 20. Jahrhundert so richtig in Mode, ist der Wunsch der Bewohner der Schulgemeinde durchaus zu verstehen.
Vielleicht lag der Grund auch darin, dass an­dere Orte, die teilweise noch kleiner waren als Benolpe schon eigene Kapellen hatten. Vielleicht war der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus aber auch darin begründet, dass die Ortschaft Benolpe über eine eigene Schule verfügte und man für die Glaubenserziehung der Kinder auch ein eigenes Gotteshaus wünschte.
Es waren sicherlich all diese Gründe und noch einige andere, die letztendlich den jahrzehntealten Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus wahr werden lassen sollte.

Am 10.03.1929 erfolgte die Gründung eines Kapellenbauvereins, der die Aufgabe hatte, einen Baufonds für eine in Benolpe zu bauende Kapelle zu schaffen. Treibende Kraft und Seele des Bau­vorhabens war Lehrer Wilhelm Wibbeke. Ihm gebührte der größte Verdienst am Zustandekommen der Benolper Kapelle.

Die Baupläne für die Kapelle wurden von Kreisbaumeister Josef Stamm aus Gummers­bach, einem Sohn der Gemeinde (aus dem Haus der früheren Gastwirtschaft "Zur Linde", Rheinlandstraße 32), erstellt.

In einem Zeitungsausschnitt zur bevor­stehenden Einweihung (die Tageszeitung ist nicht bekannt) wird das Kapellengebäude wie folgt beschrieben: 

"Der Bau selbst ist in einem neuartigen Stile gehalten. Der Kirchenbaumeister Dominikus Böhm hat ähnliche Kirchen in Frielingdorf, Krs. Wipperfürth, und Bischofsheim b. Mainz ausgeführt. ´Der Himmel senket sich, er kommt und wird zur Erden´, das trifft auch auf das Innere der neuerbauten Kapelle in Benolpe zu. Die Gewölbe reichen unmittelbar bis auf den Fußboden, so daß Wand und Decke ineinander übergehen und eins geworden sind."

Am 29.01.1930 reichte Bürgermeister Dieck­mann die Baupläne beim Regierungspräsidenten in Arnsberg ein.
Bereits am 30.01.1930 sprach Pfarrer Kleeschulte bei Bürgermeister Dieckmann vor. Das vom Drolshagener Bürgermeister verfasste Schreiben an den Landrat in Olpe legt den Grund seiner Vorsprache offen:

"Es erscheint heute der Pfarrer Kleeschulte von hier und erklärt: Die Ortschaften Benolpe, Gipperich und Feldmannshof beabsichtigen in Benolpe eine "Kapelle“ zu bauen und es ist die Baugenehmigung bei der staatlichen Aufsichts­behörde beantragt.
Da die Einwohner der in Frage kommenden Ortschaften zum großen Teil Maurer und Steinbrucharbeiter sind, so ist es ihr Wunsch, warum sie ihre Kapelle jetzt, in der Zeit der Arbeitslosigkeit erbauen können. Unter diesen Umständen bitte ich befürworten zu wollen."

Wie in einem Schreiben vom 14.02.1930 nachzulesen, war der Regierungspräsident in Arnsberg nicht geneigt, dem Bau der Kapelle durch einen Kapellenbauverein zuzustimmen. Vielmehr ersuchte er Bürgermeister Dieckmann festzustellen, ob die Kapelle nicht durch die Filial-Kirchengemeinde Benolpe in der Pfarrei Drolshagen als Rechtsträgerin für den Kapellen­bau auftreten wolle. In diesem Fall wäre keine Genehmigung für den Kapellenbau erforderlich gewesen, auch wenn die Beschaffung der Baukosten durch den Kapellenbauverein erfolgt wäre. Sollte diesbezüglich keine Verständigung erzielt werden, so führte der Regierungspräsident in seinem Schreiben weiter aus, müsse zunächst der rechtliche Charakter des Kapellenbauvereins unter Vorlage seiner Satzung geklärt werden. Ferner müsse der Verein sich verpflichten, die Kapelle nach Fertigstellung in das Eigentum der Kirchengemeinde zu übertragen und diese sich durch Beschluss des Kirchenvorstandes bereit erklären, sie zu übernehmen. Außerdem wären die Kosten des Kapellenbaus und deren Finanzierung durch einen Finanzierungsplan zu belegen.
Warum der Regierungspräsident einen Monat später, nämlich am 15.03.1930 den Kapellen­neubau dann doch genehmigt hat, ist nicht bekannt.
Entgegen dem genehmigten Lageplan wurde die Kapelle um 90 Grad gedreht und entlang der heutigen Rheinlandstraße ausgerichtet. Ursprüng­lich sollte die Kapelle mit dem Chorraum in Berghang hineinragen.

Lageplan zum beabsichtigen Neubau Vorderansicht vom 25.01.1930 Nach dem Lageplan sollte die Kapelle ursprünglich wohl in den Berghang hinein gebaut werden. Vorderansicht zum beabsichtigen Neubau der Kapelle vom 25.01.1930 Nach dem Lageplan sollte die Kapelle ursprünglich wohl in den Berghang hinein gebaut werden.
Lageplan zum beabsichtigen Neubau und Vorderansicht vom 25.01.1930
Nach dem Lageplan sollte die Kapelle ursprünglich wohl in den Berghang hinein gebaut werden.

Die Firma Jungjohann und Siebel, Siegen, die den Steinbruch bei Gipperich betrieb, stellte der Schulgemeinde ihren Steinbruch kostenlos zur Verfügung. In dem milden Winter 1929/30 schaffte man das erforderliche Material herbei und im Frühjahr 1930 wurde trotz Geldknappheit und Arbeitslosigkeit der Grundstein zur Kapelle auf dem von Robert Willmes gestifteten Grundstück am Hang des Windhagens oberhalb des Dorfes gelegt. Das von Robert Willmes gestiftete Grundstück diente nach Aussage von Pfarrer Kleeschulte bereits seit 200 Jahren als zweite Station der St. Anna-Prozession von Belmicke. Der größte Teil des erforderlichen Bauholzes wurde von den Waldbesitzern kostenlos überlassen. Maurer und Fuhrleute arbeiteten ebenfalls für Gotteslohn. Sicherlich waren es aber auch die seinerzeitigen Arbeitslosen der Gemeinde, die durch ihre tatkräftig Mitarbeit zur schnellen Vollendung beigetragen haben. Nur auf diese Art und Weise war es möglich, das angefangene Werk in solch kurzer Zeit ohne große Geldmittel fertig zu stellen.
Bereits am 18.06.1930 konnte die Schul­gemeinde das Richtfest unter großer Anteilnahme der Bevölkerung feiern. In einem Zeitungsartikel (die Tageszeitung ist nicht bekannt) wird über das Richtfest wie folgt berichtet:

" Bei herrlichstem Sommerwetter feierte am Sonntag die Schulgemeinde Benolpe das Richtfest ihres Kapellenbaues. Sehr zahlreich waren die Katholiken aus der Pfarrei der Einladung nach Benolpe gefolgt. Die hochw. Geistlichkeit aus Drolshagen und Belmicke nahm auch an der Feier teil. Rings um die Kapelle, teilweise im Schatten des Waldes, hatte man Sitzgelegenheiten geschaffen. Nachdem die Schreibershofer Musikkapelle einleitend einige Stücke vorgetragen hatte, eröffnete der Lehrer Wibbeke die Feier mit einer Begrüßungsan­sprache. Im Verlauf seiner Ausführungen sprach er über die Vorbereitungen zum Bau und die bis jetzt geleisteten Arbeiten. Allen, die an dem Werke, sei es durch Arbeiten oder Sammeln von Gaben, geholfen haben, sprach er den Dank der Schulgemeinde aus. Besonders lobend erwähnte er den Kreisbaumeister Jos. Stamm Gummers­bach, der als Kind der Schulgemeinde nicht nur den Plan des schmucken Gotteshauses ent­worfen und die Ausführung der bisherigen Arbeiten geleitet habe, sondern auch bis zur Fertigstellung der Kapelle seiner Heimat­gemeinde mit Rat und Tat zur Seite stehen wolle. Hierauf folgten zwei Gedichtsvorträge durch junge Mädchen. Im Anschluß daran hielt Zimmermeister Jos. Wigger aus Wörde vom Turm die Richtfestrede. Am Schluß seiner oft humorvollen Ausführungen befestigte er den Kranz an der Turmspitze. Bei der Festrede des Herrn Pastors Kleeschulte konnte der Redner zunächst feststellen, daß dieser Tag für die ganze Pfarrei ein Freudentag sei. Auch er stattete nochmal allen, die zum Bau des Gottes­hauses in irgendeiner Form mitgeholfen haben, den Dank ab. In besonderer Weise galt sein Dank dem Lehrer Wibbeke, der als Seele des ganzen Bauunternehmens in unermüdlicher Arbeit das größte Verdienst am Zustande­kommen des Werkes habe. Einige Ausschnitte aus der Pfarrchronik von Drolshagen, die der Redner verlas, zeigten, daß der gewählte Platz schon seit rund 200 Jahren in der eucharistischen Prozession am St. Annatage als 2. Station diene. Danach bat der Herr Pastor die Einwohner der Schulgemeinde, den beim Bau gezeigten Gemeinschaftsgeist auch weiterhin zu pflegen und wirken zu lassen. Er stellte die weiteren Arbeiten unter den besonderen Schutz der hl. Theresia vom Kinde Jesu, der die Kapelle geweiht wird. Nachdem er noch einmal alle aufforderte, den Benolpern auch weiterhin zu helfen, schloß er seine Ausführungen mit dem Hinweis darauf, daß dieses Gotteshaus den künftigen Geschlechtern als Beispiel katholischen Opfersinnes in schwerer Zeit dienen möge. Das nun folgende gemütliche Beisammensein wurde durch Vorträge der Musikkapelle und Kindertänze, sowie durch Gesangdarbietungen der Gesangvereine von Benolpe und Belmicke umrahmt. Möge das neue Gotteshaus bald seiner Bestimmung übergeben werden können!“

Im vorstehenden Zeitungsartikel wird auf Gedichtvorträge junger Mädchen hingewiesen. Die Texte sind in der Urschrift vorhanden und werden nachfolgend wiedergegeben. Eine Lehrerin Schneider aus Drolshagen hat sie für das Richtfest verfasst. Vorgetragen haben die Gedichte drei Benolper Mädchen: Änne Stamm, Ursula Wibbeke und Anne Krämer.

Erster Teil des Gedichtes
(Vortrag von Änne Stamm, Benolpe)

"Wir sind am Ziel!
Was unsere Väter schon jahrzehntelang er­strebten,
Ihr sehts am heut‘gen Tag - vollendet fast
Vor Euren Blicken.
Wo sie den Herrn der Welt
Durch Blumenschmuck und Jubelhymnen ehrten,
Wenn er in Brotsgestalt verhüllt,
Alljährlich segend durch die Fluren zog:
Da ist erstanden dieses Gotteshaus,
Das wir geweiht der kleinen Wunderblume,
Die wir Theresia vom Kinde Jesu nennen,
Die von des Gärtners Hand im zarten Alter schon
Verpflanzt ward in den ew‘gen Frühlingsgarten,
Damit sie weiter blühe dort zu seinem Ruhme
Und - unaufhörlich - Gnaden über Gnaden
Erflehe denen, die um ihre Hilfe bitten."

 

Zweiter Teil des Gedichtes
(Vortrag von Ursula Wibbeke, Benolpe)

"Bevor der Lenz um Berg und Halde
Den zarten grünen Schleier wob,
Und bald ein Blümlein nach dem andern
Sein Köpfchen aus der Erde hob:
Begann in unserem Ort ein reges Schaffen.
Ein heißer Wunsch, den lang wir schon gehegt,
Ward uns erfüllt in diesen Frühlingstagen:
Der Grundstein unseres Kirchleins ward gelegt.
Wars Silber oder Gold, wars Holz, wars Stein,
Wars seiner Stirne Schweiß, die Kraft der Hände,
Und im Verzicht auf seine freie Zeit:
Ein jeder bot uns freudig seine Spende
So sehn wir heute schon, nach wen‘gen Wochen,
Das Gotteshaus im Rohbau vor uns stehen.
Und zahlreich seid ihr heute hier erschienen,
Mit uns den Richtakt festlich zu begehn.
Viel Sorgen hat die Opferfreudigkeit
Der treuen Glaubensbrüder fern und nah
Von unsern Schultern uns bisher genommen.
Doch viele, viele Sorgen sind noch da.
Ihr seid hierher geeilt, an unserer Freude teil zunehmen,
So teilt denn auch die Sorge, die uns drückt,
Und spendet heute und auch ferner Eure Gaben,
Damit uns bald der große Tag beglückt,
An dem zum erstenmale - auf des Priesters Wort -
Auf den Altar der Gottmensch niedersteigt.
U
nd dann zum erstenmale, jenes Glöcklein tönt,
Bei dessen Klang anbetend jeder sein Knie beugt,
Sich Kraft erflehend für des Alltags Ringen,
Für alles Schwere, was er zu vollbringen.
Ein Sonntagsleuten wird's uns allen dünken,
Das Wandlungsglöcklein, gar ein Himmelsklang.
In allen Herzen wird es widerhallen,
Auf allen Lippen wird's zum Dankgesang,
Der aufklingt weithin schallend in ein Tedeum,
Dessen Zeugen werden Himmel, Flur und Hain,
Und das all jenen, die begeistert es gesungen,
Ihr Leben lang wird unvergeßlich sein."

 

Die Benolper Kapelle kurz vor oder nach ihrer Fertigstellung 1931. Das kleine Mädchen neben der unbekannten jungen Frau ist Veronika Stamm, verheiratete Quast, die Wirtin der ehemalige Gaststätte "Zur Linde" in Benolpe.

Die Benolper Kapelle kurz vor oder nach ihrer Fertigstellung 1931.
Das kleine Mädchen neben der unbekannten jungen Frau ist Veronika Stamm, verheiratete Quast, die Wirtin der ehemalige Gaststätte "Zur Linde" in Benolpe.
Quelle: Bildarchiv der Stadt Drolshagen

Dritter Teil des Gedichtes
(Vortrag von Anna Krämer, Benolpe)

"So wachse, Kirchlein, der Vollendung nun entgegen,
Und werde uns und allen Nachbarorten,
Die mit uns dein Erstehn froh begrüßen,
In guter und in schlechter Zeit zum Segen.
Das walte Gott und wolle uns erbitten
Du Wunderblume licht und her,
Du blühst im ew'gen Frühlingsgarten
Hoch oben über'm Sternenmeer."

Im Jahr 1931 war der Kapellenbau schließlich vollendet. Die Ausstattung der Kapelle wurde in einem Zeitungsartikel wie folgt beschrieben:

"Die Ausstattung ist von solidester Einfach­heit. Kein Bild ziert die Wände, nur in der lin­ken Ecke des Kapellenschiffes steht die Statue der hl. Theresia vom Kind Jesu."

Am Sonntag, dem 19.07.1931 fand die feierliche Einweihung des Gotteshauses statt. Be­reits am frühen Morgen kündigten Böllerschüsse den bedeutungsvollen Tag an. Viele Besucher aus Drolshagen und den Nachbardörfern fanden ein flaggengeschmücktes Dorf vor. Die Schar der Gläubigen, die der feierlichen Einsegnung bei­wohnen wollten war groß. Die Weihe wurde durch Pfarrer Kleeschulte aus Drolshagen im Rahmen eines Levitenamtes vorgenommen. Den Auftrag hierzu hatte Pastor Kleeschulte vom Hochwürdigen Herrn Erzbischof Klein erhalten. Die neue Kapelle wurde unter den Schutz der "Heiligen Theresia vom Kinde Jesu" gestellt. Die Einweihungsfeierlichkeiten wurden mitgestaltet durch Liedvorträge des Belmicker Kirchenchors.

Postkarte mit Innen- und Außenansicht der Kapelle Benolpe noch ohne Außenputz (möglicherweise kurz nach der Errichtung)
Postkarte mit Innen- und Außenansicht
der Kapelle Benolpe noch ohne Außenputz
(möglicherweise kurz nach der Errichtung)

Die Kapelle stand nach Aussagen der Schulchronik schuldenfrei da.

Für die auf die Einweihung folgenden Jahre finden sich keine weiteren Hinweise zur Kapelle. Erst im Jahre 1952 beginnen wieder Aufzeich­nungen in dem Protokollbuch des am 13.03.1952 auf Vorschlag von Hubert Stamm und Lehrer Siegfried Holke gegründeten Kapellenvereins Benolpe.
Die Unterhaltung der Kapelle durch die Bewohner der Schulgemeinde hatte wohl keine Probleme bereitet. Jedoch stand man nun vor dem Problem, wer offiziell Eigentümer des von Robert Willmes gestifteten Grundstücks, auf dem die Kapelle stand werden sollte. Da Eigentümer von Grundstücken nur Privatpersonen oder juri­stische Personen, niemals aber ein Dorf oder eine Schulgemeinde sein konnte, war die Übertragung des Eigentumsrechtes an dem Kapellengrund­stück der ausschlaggebende Punkt für die Grün­dung des Kapellenvereins. Mit der Grund­stücksübertragung an den Kapellenverein wurde dieser auch automatisch Eigentümer der Benol­per Kapelle. Im Kapellenverein wurden viele Bewohner der zur Schulgemeinde gehörenden Ortschaften Mitglied. Der Mitgliedsbeitrag belief sich 1952 auf 50 Pfennig im Monat, somit also 6 DM im Jahr. Neue Mitglieder mussten zunächst einen Eintrittsbetrag von 1 DM zahlen.

1952 wurden auch gleich neue Kapellenbänke angeschafft, die der Schreinermeister Otto Stamm aus Gelslingen anfertigte. Im Jahr 1953 folgte die Anschaffung eines Harmoniums zur musikalischen Begleitung des Gottesdienstgesan­ges.
Im Winter 1957/58 wurde die Kapelle unter Beteiligung vieler Dorfbewohner trockengelegt. Ein Teil des Ufers oberhalb der Kapelle, beson­ders hinter der Sakristei musste dazu abgetragen werden. Um die Drainage auf der Rückseite (Chor) der Kapelle von der Sakristei bis zur Straße legen zu können, musste sogar gesprengt werden. Der Steinbruchbesitzer Hubert Stamm aus Benolpe nahm die Sprengung vor.
Im Jahr 1961 erhielt die bis dahin nicht beheizte Kapelle einen Ölofen. 1962 wurde auch für die Sakristei ein Ölofen angeschafft. Nach 35 Jahren war 1961 der Einbau einer neuen Kapel­lentür erforderlich.

Im Jahr 1968 wurde die aus Bruchsteinen gemauerte Kapelle von außen verputzt.

1972 schaffte der Kapellenverein eine neue elektrische Orgel an. Im Jahr 1973 wurde der Holzboden der Kapelle durch einen Steinboden ersetzt.
Unter dem neuen Drolshagener Pastor Linke wurde am 01.10.1977 das Allerheiligste feierlich in die Kapelle überführt. Die hierfür erforderli­chen Dinge wie Tabernakel, ein Kelch und litur­gische Gewänder mussten kurzfristig angeschafft werden.

Im Jahr 1981 stand der Verein vor der Ent­scheidung, entweder die Kapelle weiterhin im Eigentum des Vereins zu belassen oder, was wohl das erzbischöfliche Generalvikariat in Paderborn gerne gesehen hätte, sie ins Eigentum der Erzdiözese Paderborn zu überführen. Am 04.05.1981 entschied sich der Kapellenverein dafür, die Kapelle weiterhin im Eigentum des Vereins und damit im Eigentum der Dörfer der ehemaligen Schulgemeinde zu belassen. Damit ist die Benolper Kapelle neben der St.-Engelbert-Kapelle in Germinghausen die einzige Kapelle im Drolshagener Land, die sich nicht in kirchlichem Besitz befindet.
 
Am 7. und 8. Juni 1981 wurde anlässlich des 50jährigen Bestehen der Kapelle zu Benolpe ein großes Kapellenfest gefeiert. Am 03.10.1981 folgte die kirchliche Feier zum 50jährigen Beste­hen. Gleichzeitig wurde der neue Altar geweiht.

Im Jahr 1982 versieht man den Chorraum ebenfalls mit einem Steinboden.
1988 schafft der Verein erneut eine elektrische Orgel an.
Nachdem schon der Kirchenraum mit einer Elektroheizung versehen wurde, wurde 1989 auch die Sakristei mit einer Elektroheizung ausgestattet.
1991 musste das Dach auf der Sakristei erneuert wer­den. Rechtzeitig zum 60jährigen Jubiläum waren die Arbeiten fertig gestellt. Aus diesem Anlass feierte das Dorf am 29.09.1991 ein feierliches Hochamt mit einer anschließenden Sakrament­sprozession durch den Ort.
Das Brüstungsgelän­der des Oberstandes in der Kapelle wurde im Jahr 1994 erneuert.

Die alten Kapellenglocken am Ufer der Kapelle (Standort von 1995 bis 2015).Ebenfalls 1994 läuteten am 12. März zum ersten Mal die drei neuen Bron­zeglocken. Diese Glocken ersetzten die bisheri­gen zwei Stahlglocken. Die neuen Bronzeglocken wurden wie folgt getauft:

  • die große Glocke auf den Namen Hl. Theresia vom Kinde Jesu,
  • die mittlere Glocke auf den Namen Gottesmutter Maria und
  • die kleine Glocke auf den Namen Hl. Clemens und Hl. Anna.  

1995 wurde das Kapellenufer komplett neu gestaltet und bepflanzt. Hier fanden auch die zwei alten Stahlglocken einen dekorativen Standort.

Im Jahr 2011 fand zum 80-jährigen Jubiläum der Kapelle in einem ersten Bauabschnitt eine grundlegende Innenrenovierung statt. Die Kapellenbänke waren inzwischen an vielen Stellen durch den Holzwurm beschädigt und die Innenwände im Laufe der Jahre an vielen Stellen stark geschwärzt.
Bereits im Laufe des Jahres 2010 hatte der Kapellenvorstand sich mit einer grundlegenden Innenrenovierung der Kapelle beschäftigt. Wie es der Zufall wollte, hat die Kapellengemeinde über den aus Olpe stammenden Pater Tarcisius Valpertz vom Orden der Barmherzigen Brüder aus Trier erfahren, dass im Schwarzwald die in einem Stiftsgebäude untergebrachte Kapelle abgerissen werden sollte. Die dort noch sehr gut erhaltenen Bänke sollten entfernt werden. Eine anderweitige Verwendung war nicht vorgesehen.
Da sowohl die Größe als auch Ausführung der Bänke genau in die Kapelle passten, entschloss man sich, die Bänke zu übernehmen. Vor Weihnachten 2010 machten sich mehrere Benolper auf den Weg und holten die Bänke mit einem Lastkraftwagen im Schwarzwald ab. Damit war der erste Schritt zur bevorstehenden Renovierung getan.

In den ersten Wochen des Jahres 2011 standen weitere Überlegungen an, um den Umfang der Renovierungsmaßnahmen abzuschätzen. Dabei stellte man fest, dass das Ausmaß der erforderlichen Arbeiten immer größer wurde. Neben dem geplanten Neuanstrich und dem Einbau der neuen Bänke wurde schnell klar, dass zusätzlich zur Erneuerung des Fußbodens auch die Nachtspeicherheizöfen, die Steuerung der Heizungsanlage, eine neue Innenbeleuchtung und der Einbau einer neuen Außentür in der Sakristei mit in das Bauprogramm aufgenommen werden mussten. Am 15.02.2011 wurde von den Mitgliedern des Kapellenvereins einstimmig beschlossen, mit den geplanten Arbeiten in der Kapelle umgehend zu beginnen. Geplant war, rechtzeitig zum 80-jährigen Bestehen der Kapelle mit den Arbeiten fertig zu sein. Das geplante Jubiläumsfest sollte im Mai stattfinden. Die zusätzlichen Maßnahmen sprengten den Rahmen des ursprünglich Vorgesehenen. Doch der Kapellenvorstand war zuversichtlich, dass die Kapellengemeinde die nun anstehenden zusätzlichen Kosten bewältigen konnte. Mit den Renovierungsarbeiten wurde unverzüglich begonnen. In den folgenden Wochen hatten viele helfende Hände und großzügige Spender dazu beigetragen, dass das gesteckte Ziel erreicht wurde.
Jubilaeumsgottesdienst2011So konnte Pastor Markus Leber zusammen mit Pater Tarcisius Valpertz, der von der Kapellengemeinde zur ersten Messfeier in der neu renovierten Kapelle eingeladen worden war, am 15.05.2011 unter großer Teilnahme der Bevölkerung der ehemaligen Schulgemeinde Benolpe und vielen Gästen das Festhochamt feiern.
Im Anschluss an die Feierlichkeiten in der Kapelle wurde im Benolper Dorfhaus das Jubiläum und der Abschluss der gelungenen Kapellenrenovierung gebührend gefeiert.

Im zweiten Bauabschnitt 2014 stand die Außensanierung des gesamten Kapellengebäudes an. Das noch erste Schieferdach wurde erneuert und Wärmedämmmaterial in die Hohlräume unter dem Dach eingeblasen. Die Dachrinnen und Blitzableiter wurden ebenfalls erneuert.
Neben einem neuen Außenanstrich wurden auch die Kapellenfenster renoviert. Der Kapellenturm erhielt neue Schallluken und das Turmkreuz einschließlich Wetterhahn wurde ersetzt.

Der letzte Bauabschnitt 2015/2016 sah die Schaffung eines barrierefreien Zugangs zur und in die Kapelle vor. Die Herrichtung/Neugestaltung der Außenanlagen war immer wieder Thema. Die Kirchgänger werden immer älter und es war ohne fremde Hilfe schwierig bzw. unmöglich mit Rollatoren und Rollstühlen in die Kapelle zu kommen.
Problem war dabei neben einer im Mittel ca. 25 cm hohen Stufe an der Kapelleneingangstür auch ein Niveauunterschied in der Kapelle selber. Im Turmbereich lag das Bodenniveau rd. 15 cm tiefer als im eigentlichen Gottesraum. Es mussten also rund 45 cm Höhendifferenz ausgeglichen werden.
Da das schon recht steile Kapellenufer unbefestigt war mussten für den barrierefreien Zugang Stützmauern gesetzt, Gehwegstufen entfernt und die Zuwegungen insgesamt erneuert und gepflastert werden. Der Eingangsbereich der Kapelle im Turmbereich wurde auf das Niveau des Hauptraumes angehoben und eine neue Kapelleneingangstür eingebaut. Die zwei alten Stahlglocken erhielten im Zuge der Neugestaltung des Kapellenufers einen neu gestalteten Aufstellort. 

Benolper Kapelle im Jahr 2010      Benolper Kapelle im Jahr 2016 
Die Kapelle mit dem Kapellenufer vor der Neugestaltung im Jahr 2010 und nach der Neugestaltung im Jahr 2016.

Die Dorfgemeinschaft hat in den drei Bauabschnitte (2011, 2014 und 2015/2016) insgesamt etwa 1.000 Arbeitsstunden in die Baumaßnahmen investiert. Die rund 180.000 Euro teure Gesamtbaumaßnahme wurde mit Fördermitteln des Erzbistums Paderborn in Höhe von 120.000 Euro und durch eigene finanzielle Mittel des Kapellenvereins von 60.000 Euro finanziert.
Zum Abschluss der Gesamtbaumaßnahme wurde mit einer heiligen Messe 22.05.2016 und einem anschließenden Kapellenfest gefeiert.


Quellenhinweis: 
StaD: A 849
StaD: Sammlung Schulen 112
KV: Protokollbuch

 

 

Aktuelle Seite: Home Benolpe - Geschichte einer Schulgemeinde Die Benolper Kapelle