Die politische Zugehörigkeit

"Benolpe - Geschichte einer Schulgemeinde" von Burkhard Lütticke

Die politische Zugehörigkeit 

Diesen Abschnitt will ich mit der Entstehung des Herzogtums Westfalen beginnen.

Mit der Einteilung Sachsens in Missions­sprengel und Bistümer im letzten Viertel des 8. Jahrhunderts war das Land südlich der Lippe dem Erzbistum Köln zugewiesen worden. Durch zahllose Güterschenkungen der zum Christentum Bekehrten vermehrte sich der Besitz der Kölner Erzbischöfe. So gehörten die Kölner Erzbischöfe, die jahrhundertelang das Herzogtum Westfalen und damit auch unseren Raum beherrscht haben, um das Jahr 1000 zu den größten Grundbesit­zern im südlichen Westfalen.

Mit der Niederwerfung Heinrichs des Löwen im Jahr 1180 wurde der entscheidende Schritt zum Ausbau der kölnischen Machtstellung in Westfalen getan. In Anerkennung der Hilfe, die ihm der Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg bei der Niederwerfung Heinrichs des Löwen gewährt hatte, verlieh Kaiser Friedrich Barba­rossa dem Erzbischof von Köln das Herzogtum für Westfalen. Mit der Gelnhäuser Urkunde vom 13. April 1180, durch die Köln das Herzogtum Westfalen und Engern übertragen erhielt, beginnt die Geschichte des kölnischen Herzogtums West­falen.

Das "Herzogtum" war zunächst nur ein feudaler Rechtstitel, der in der Folgezeit erst machtpolitisch untermauert werden musste. In den folgenden Jahrzehnten versuchten die Kölner Erzbischöfe daher, ihren Einfluss und Besitz im hiesigen Raum zu erweitern und zu festigen. Zu diesen Maßnahmen gehörte 1248 auch der Kauf vom Amt und Herrschaft Waldenburg, deren Hauptbestandteil Güter in Drolshagen waren. Damalige Besitzerin war die Gräfin Mechthild von Sayn. Bereits 1222 hatte das Erzstift Köln durch die Befestigung der Stadt Attendorn und den Bau der Burg Schnellenberg im Biggeraum Fuß gefasst. 

Durch den Kauf der Grafschaft Arnsberg 1368 und der Herrschaft über Bilstein-Fredeburg 1445 gehörte das ganze heutige Kreisgebiet auch territorial zum kurkölnischen Herzogtum Westfa­len, das von da ab ein geschlossenes Territorium war.

Das Herzogtum Westfalen zerfiel in vier Quartale. Jedes Quartal bestand aus einer wech­selnden Anzahl von Ämtern und Gerichten von unterschiedlicher Größe. Das Bilsteiner Quartal, welches das südliche Sauerland umfasste, setzte sich aus den Ämtern Bilstein, Fredeburg und Waldenburg zusammen. Zu letzterem gehörten eine Reihe selbständiger Gerichte. Dazu zählten auch die drei Kirchspielsgerichte Olpe, Drolsha­gen und Wenden an der oberen Bigge. Seit etwa 1585 unterstanden sie einem einzigen Richter.

Im Jahr 1570 wurde das Amt Waldenburg vom Kölner Erzbischof und Kurfürsten Valentin mit dem Amt Bilstein an Kaspar von Fürstenberg auf Schloß Bilstein übertragen. Bis dahin erfolgte die Verwaltung des Amtes Waldenburg vermut­lich noch vom Burgsitz Waldenburg aus. Ausweislich des Schatzungsregisters von 1536 gehörte im 16. Jahrhundert unter anderem auch die ehemalige Schulgemeinde Benolpe zum Kirchspielsgericht Drolshagen.

Die mehr als 600jährige kurkölnische Herr­schaft über das Herzogtum Westfalen endete endgültig, als am 27.07.1801 nach 17jähriger Regierungszeit Max Franz von Österreich, der letzte Kurfürstbischof von Köln, im Exil auf Schloss Hetzendorf bei Wien starb. Bereits 1794 hatte er seinen Regierungssitz verlassen müssen, als die französischen Revolutionsheere das Rheinland überschwemmten. Nachdem das Her­zogtum Westfalen bereits 1802 von Truppen des Landgrafen und späteren Großherzogs von Hessen-Darmstadt besetzt und provisorisch in Besitz genommen worden war, wurde diese Be­sitzergreifung durch den Reichsdeputations­hauptschluß zu Regensburg vom 25.02.1803 sanktioniert.

Unter der hessischen Herrschaft erhielt West­falen 1807 eine neue Verwaltungsorganisation durch Aufteilung in 18 Justizämter und die Ein­führung der Schultheißenordnung 1808. Im heu­tigen Kreisgebiet entstanden die Justizämter Olpe, Attendorn und Bilstein. Das Gericht in Drolshagen wurde 1810 aufgelöst und dem landeshoheitlichen Gericht in Olpe unterstellt. Innerhalb des Justizamtes Olpe wurden 29 Schultheißenbezirke gebildet.

Im Kirchspiel Drolshagen bestanden die Schultheißenbezirke Germinghausen, Eltge (Brachtpe), Dumicke, Husten, Herpel und Bleche. Zum Schultheißenbezirk Husten gehörten die Ortschaften Husten, Halbhusten, Gelslingen, Benolpe und Wormberg. Der größte Schult­heißenbezirk Germinghausen umfasste die Orte Germinghausen, Wegeringhausen, Hützemert, Sendschotten, Junkernhöh, Köbbinghausen, Feldmannshof, Gipperich, Stupperhof, Belmicke (hiervon allerdings nur ein Haus) und Wörde (hiervon nur 2 Häuser).

Das Herzogtum Westfalen wurde auf dem Wiener Kongress im Jahre 1815 dem Königreich Preußen zugesprochen. 1816 nahm Preußen das Herzogtum in Besitz. 

Im Zuge der Verwaltungsneugliederung von 1817 wurde der Kreis Bilstein bestehend aus den Ämtern Olpe, Bilstein und Attendorn gebildet. Olpe wurde 1818 zum Kreissitz erhoben. Die Schultheißenordnung wurde zunächst beibehal­ten. Doch im Jahr 1826 werden die Schult­heißenbezirke Dumicke, Herpel, Bleche und Eltge (Brachtpe) aufgelöst und dem Stadtgebiet zugeschlagen. Dieser so gebildete Verband wird „Bürgermeisterei Drolshagen“ genannt. Als ein­ziger Schultheißenbezirk besteht Husten noch bis 1841/43 fort. 

Auf der Grundlage der ersten preußischen Landgemeindeordung für die Provinz Westfalen vom 31.10.1841 galt jedes Dorf, Kirchspiel oder jede Bauernschaft mit eigenem Haushalt als selb­ständige Gemeinde, die von einem Gemeindevor­steher verwaltet wurde. Alle 21 politischen Gemeinden des Kreises Olpe wurden in Anleh­nung an alte Kirchspielsbezirke gebildet. So ent­stand das Amt Drolshagen, bestehend aus den zwei Gemeinden Drolshagen-Land und Drolsha­gen-Stadt entsprechend der früheren Einteilung in das "inwendige" und "auswendige" Kirchspiel. Die Grenzen des 1843 provisorisch eingerichte­ten Amtsbezirks wurden im Jahre 1847 definitiv bestätigt. 

Der weiträumige Verwaltungsbezirk Drolsha­gen-Land wurde aufgrund des § 42 der preußi­schen Landgemeindeordnung vom 19.03.1856 zur besseren Verwaltungs- und Leistungskraft im Jahre 1915 bzw. 1930 in Ortsbezirke eingeteilt und einem Bezirksvorsteher (Ortsvorsteher) unterstellt. Der Ortsbezirk Husten umfasste die Dörfer Husten, Halbhusten und Gelslingen. Die Ortschaften Benolpe, Wormberg und Stupperhof bildeten mit der Ortschaft Sendschotten den Ortsbezirk Sendschotten. Die Orte Feldmannshof, Gipperich, Belmicke und Wörde gehörten mit der Ortschaft Hützemert zum Ortsbezirk Hützemert. Diese Einteilung war wohl nicht der Weisheit letzter Schluss und wurde deshalb mehrfach geändert. 

Bis 1946 dauerte die preußische Zugehörig­keit Westfalens. 1947 ging Westfalen im neuge­gründeten Bundesland Nordrhein-Westfalen der Bundesrepublik Deutschland auf. 

Das Amt Drolshagen bestand noch 1969. Im Zuge dieser kommunalen Neugliederung des Landkreises Olpe wurde zum 01.07.1969 das Amt Drolshagen mit den selbständigen Gemein­den Drolshagen-Stadt und Drolshagen-Land zur neuen Stadt Drolshagen zusammengeschlossen.

Das Gebiet der Stadt Drolshagen ist nahezu identisch mit dem alten Kirchspiel und Gerichts­bezirk Drolshagen. Die Orte Dümpel, Wörde und Belmicke (Die Wohn- und Wirtschaftsgebäude Josef Berg und die Gaststätte Josef Bieker gehör­ten seit urdenklichen Zeiten und die rechts der Kreisstraße von Benolpe kommend liegenden neuen Häuser ebenso wie der untere Teil des Nachbarortes Wörde bis zur kommunalen Neu­gliederung 1969 zur früheren Landgemeinde Drolshagen.) wurden dabei der Stadt Bergneu­stadt zugeschlagen. Berlinghausen und Börling­hausen wurden der Stadt Meinerzhagen ange­gliedert.

Die heutige Stadt Drolshagen umfasst 67,12 km² und besteht aus dem Zentralort Drolshagen und weiteren 57 Ortschaften der früheren Gemeinde Drolshagen-Land mit insgesamt rund 12.200 Einwohnern.

 


Quellenhinweis: 
Hesse: Drolshagen. S. 12 ff.
Hömberg: Heimatchronik. S. 38 ff.
Hundt in Heimatchronik. S. 142.
Hundt: Olper Land. S. 6
Schöne: Das Herzogtum Westfalen
Schöne: Südsauerland. In: HSO. 65(1966). S. 150 ff.
Schöne: Kreis Olpe. In: HSO. 66(1967). S. 3 ff.
StaD: Vorbemerkungen zum Findbuch
Wiemers: Geschichtl. Nachrichten. In: HBO. Jg. 18 (1941). S. 8

 

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