Die Schule in Benolpe von 1914 bis zur Auflösung im Jahre 1969

"Benolpe - Geschichte einer Schulgemeinde" von Burkhard Lütticke

Die Schulgemeinde Benolpe

  • Die Schule in Benolpe von 1914 bis zur Auflösung im Jahre 1969

Wie im vorhergehenden Abschnitt ausgeführt trat Lehrer Joseph Hebler die Lehrerstelle in Benolpe offiziell am 20.04.1911 an.

1914 begann der 1. Weltkrieg. Am 01.08.1914 trat Lehrer Hebler als Freiwilliger in das Heer ein. An seiner Stelle kam am 15. 10.1914 die Lehrerin Josepha Hoppe, geboren am 03.05.1894 in Arnsberg. Nachdem sie acht Jahre die Volksschule besucht hatte, nahm sie ein Jahr Privatunterricht und besuchte dann zwei Jahre die Präparandie und drei Jahre das Seminar zu Arnsberg. Sie bestand ihre Abgangsprüfung am 14.02.1914.

Die Lehrerin Hoppe wurde am 01.12.1915 in den Kreis Arnsberg versetzt.

Zur gleichen Zeit trat die Lehrerin Franziska Neuhäuser die Stelle in Benolpe an. Sie war am 04.10.1893 zu Kückelheim bei Eslohe gebo­ren. Sie besuchte dort acht Jahre die Volksschule. Anschließend ein Jahr die Töchterschule in Brede. Daraufhin besuchte Sie eineinhalb Jahre die Präparandie in Dingelstädt und drei Jahre das dortige Seminar. Ihre Abgangsprüfung legte sie im September 1913 ab. Nach Stationen in Dreislar und Medebach kam sie an die Benolper Schule.

Auch die Bewohner der Schulgemeinde wur­den von den Folgen des Krieges nicht verschont. Die Chronik berichtet über zum Kriegsdienst eingezogene Bewohner der Schulgemeinde, aber auch über die ersten Gefallenen. In den Jahren 1916 bis 1918 enthält die Chronik fast aus­schließlich die Auflistung der im Krieg gefallenen Bewohner der Schulgemeinde. Im schulischen Bereich hat sich während des 1. Weltkrieges wohl nichts Besonderes ereignet.

Am 16.04.1919 wurde zur Unterstützung der Lehrerin Neuhäuser dem Schulamtsbewerber Joseph Schmücker aus Olpe der Unterricht in den oberen fünf Jahrgängen der Schule übertragen. Joseph Schmücker war am 21.03.1892 in Berghausen geboren. Am 19. Mai wurde er aber bereits wieder abberufen und ihm die vertre­tungsweise Verwaltung der zweiten Lehrerstelle in Schreibershof übertragen.

Seit dem Lehrer Dornseifer 1904 die Schule verlassen hatte, waren nur unverheiratete bzw. während des 1. Weltkrieges nur Lehrerinnen an der Schule in Benolpe beschäftigt. Diese wohnten bei den "eingesessenen" Bauern des Dorfes, so dass die Lehrerdienstwohnung im Schulgebäude leer stand.

1913/14 war die Wohnung an Josef Maiworm vermietet. 1914 brannte das "Heider Haus" nie­der. Schuhmacher H. Heide erhielt mit seiner Familie die Dienstwohnung vom Amt angewie­sen. Im Jahr 1919 musste die Familie Heide die Wohnung räumen, da der neue Lehrer Wibbeke die Wohnung beanspruchte. Die Familie Heide verließ den Schulort und verzog nach Olpe.

1919 wurde Lehrer Hebler auf eigenen Antrag aus dem Volksschuldienst entlassen um in der Brennerei und Likörfabrik seines Schwieger­vaters in Drolshagen beschäftigt zu werden. Vermutlich war die Anstellung von Hebler wäh­rend seines Militärdienstes lediglich unterbrochen worden.

Neuer Lehrer in Benolpe wurde Wilhelm Wibbeke. Er wurde am 21.02.1888 in Grund­steinheim, Kreis Büren, geboren. Nach dem Besuch des Seminars in Schneidemühl legte er am 14.02.1910 seine 1. Prüfung und am 22.10.1913 seine 2. Prüfung ab. Lehrer Wibbeke trat die Lehrerstelle am 01.05.1919 an. Ab dem 01.01.1920 wurde ihm die Lehrerstelle in Benolpe endgültig übertragen.

Lehrer Wibbeke sollte der Schulgemeinde Be­nolpe annähernd 30 Jahre erhalten bleiben.


Durch Ministererlass wurden die Ortsschulin­spektionen ab dem 1.10.1919 aufgehoben (Ortschulinspektoren waren die örtlichen Pfar­rer). Die Rechte und Pflichten der Ortschulin­spektionen gingen zum Teil auf den Kreisschul­inspektor und zum Teil auf den Leiter der ein­zelnen Schule über.


Im Jahr 1919 plante man den Bau einer neuen Abortanlage. Der Bauschein wurde sogar unter dem Datum vom 22.04.1920 erteilt, doch das Bauvorhaben scheiterte an den hohen Kosten von etwa 12.000 RM. Das alte Gebäude ist stattdes­sen Instand gesetzt worden.

Weil die Schülerzahl auf 81 Schüler angestie­gen war, wurde am 19.04.1920 eine Hilfsklasse errichtet. Die Verwaltung dieser Hilfsklasse wurde der Schulamtsbewerberin Regina Stachel­scheid übertragen, und die Schule in Benolpe erhält ab diesem Zeitpunkt eine zweite Lehrstelle. Die Stelle ist ihr am 01.04.1921 endgültig über­tragen worden. Regina Stachelscheid wurde am 11.11.1882 in Drolshagen geboren, besuchte dort die Volksschule und bereitete sich anschließend in der Präparandie Dortmund und auf dem Semi­nar in Paderborn auf den Lehrberuf vor. Ihre Abschlussprüfung legte sie im Januar 1914 ab. Bevor sie nach Benolpe kam, unterrichtete sie in Obersdorf bei Siegen und anschließend in Berlinghausen.


Vor dem nächsten Abschnitt, der über gravie­rende bauliche Dinge berichtet und der zweck­mäßigerweise deshalb nur zusammenhängend wiedergegeben werden kann, ist aber noch über das Thema Schulverbände zu berichten.

Im Schuljahr 1908/09 wurde der Gesamt­schulverband Drolshagen gegründet, zu dem außer Benolpe noch 10 Schulstellen gehörten. Vor dem Schuljahr 1908/09 hatte jede Schule einen Ortsschulvorstand. Im November 1926 beschloss der Vorstand des Gesamtschulverbandes Drolshagen den Ver­band zu trennen und zwar in Drolshagen Land und Drolshagen Stadt. Hintergrund waren wohl erhebliche finanzielle Probleme.
Dieser Beschluss wurde aber von der Regie­rung in Arnsberg abgelehnt. Da die Schullasten für das Amt Drolshagen aber untragbar gewor­den waren, beschloss man im Jahr 1928 den Gesamtschulverband nunmehr in sechs Einzel­schulverbände aufzuteilen. Zur Klärung dieses Entschlusses kam eigens eine Kommission aus Arnsberg nach Drolshagen. Die Kommission sah die missliche finanzielle Lage des Amtes ein und nachdem das Ministerium sein Einverständnis gegeben hatte, erfolgte die Einteilung in sechs Einzelschulverbände. Die Schule Benolpe gehörte danach zum Schulverband Iseringhausen-Benolpe-Drolshagen, der am 1.10.1929 gegrün­det wurde.


In einem Bericht vom 25.06.1926 wurde die Lehrerwohnung als derart feucht und schlecht beschrieben, dass sie nicht weiter als Lehrerwoh­nung benutzt werden kann. Weiter wurde ausge­führt, dass in der Schule Benolpe zwei Lehrper­sonen beschäftigt sind, aber nur ein Schulsaal zur Verfügung steht, der für die Schülerzahl nicht genügt. Nach dem Bericht wird es daher für zweckmäßig gehalten, die unteren Räume der Dienstwohnung für einen zweiten Schulsaal umzubauen.

Bevor dies Ziel verwirklicht werden konnte, muss jedoch für den Lehrer Wibbeke zunächst eine neue Dienstwohnung beschafft werden. Man entschloss sich auf dem Grundstück Flur 3, Par­zelle 40, rechts neben dem Schulgebäude gele­gen, ein Lehrerwohnhaus zu bauen.

Die Zeichnung und der Kostenvoranschlag wurden von Kreisbaumeister Rinscheid in Bilstein angefertigt.

Für dieses Bauvorhaben wurde dem Gesamt­schulverband Drolshagen am 21.4.1927 eine verzinsliche und tilgbare Beihilfe von 5.000 Goldmark gewährt. Der Gesamtschulverband war aber nicht in der Lage die Differenz von 12.000 RM zu den ermittelten Baukosten von 17.000 RM aufzubringen. Deshalb stellte der Gesamtschulverband einen Antrag auf Gewäh­rung eines Ergänzungszuschusses. Hier war wohl ein Zuschuss in Aussicht gestellt worden, ob die­ser aber tatsächlich gewährt wurde, lässt sich nicht ermitteln, denn am 19.08.1927 beschloss der Gesamtschulvorstand Drolshagen die Regierung aufgrund der schlechten finanziellen Lage noch­mals zu bitten, ihm mit einer finanziellen Beihilfe für das geplante Bauvorhaben unter die Arme zu greifen.

Der Bau des Lehrerwohnhauses war aber mittlerweile so dringlich geworden, dass gleich­zeitig beschlossen wurde, den Bau der Lehrer­wohnung sofort auszuschreiben.

Mit Datum vom 30.9.1927 wurde der Bau­schein für den Bau des Lehrerwohnhauses erteilt und noch im Oktober mit den Bauarbeiten be­gonnen. 

Katasterplan (Ausschnitt) mit dem beabsichtigten Standort des Lehrerwohnhauses vom 22.09.1926 Vorderansicht des Lehrerwohnhauses 1927
Katasterplan (Ausschnitt) mit dem beabsichtigten Standort 
 des Lehrerwohnhauses vom 22.09.1926 (StaD: A 908)
Vorderansicht des Lehrerwohnhauses 1927 (StaD: A 908)

Auch zur damaligen Zeit waren wohl öffent­liche Aufträge begehrt. Für die Maurerarbeiten hatten die Gebrüder Willmes, Feldmannshof, ein Angebot abgegeben, welches später aufgrund eines Rechenfehlers auf 5.793,14 RM nach oben korrigiert wurde. Das Unternehmen Rahrbach, Drolshagen, hatte ebenfalls ein Angebot abge­geben, welches bei einer Summe von 6.183,22 RM lag.

Mit Datum vom 24.9.1927 erhielt Amtmann Diekmann ein Schreiben des Baugewerbeverban­des Siegen-Lahn e.V.. In diesem Schreiben sprach sich der Verband gegen die Vergabe an die Gebrüder Willmes aus, da die Preise von Willmes in keiner Weise den Selbstkosten ent­sprächen. In dem zweiseitigen Schreiben mit einer zweiseitigen Anlage wurde der Amtmann gebeten, zu prüfen, ob das Angebot den Selbst­kosten von Willmes entspräche und ob er (Willmes) mit dem tariflichen Lohn gerechnet habe. Sollte das Ergebnis derartig sein, dass der Auftrag normalerweise zu den Angebotspreisen nicht ausgeführt werden kann, soll der Zuschlag nicht erteilt bzw. der evtl. erteilte Auftrag zu­rückgezogen werden. Der Verband wollte damit gegen so genannte "Preisschleuderei" vorgehen.

Diekmann schaltete sofort den Kreisbaurat Rinscheid in Bilstein ein, der nach Prüfung zu dem Ergebnis kam (Schreiben vom 21.9.1927), dass das Unternehmen wegen der für den Herbst und Winter fehlenden Arbeitsgelegenheit niedrig kalkuliert habe. Seines Erachtens konnte der Auftrag an Willmes erteilt werden.

Scheinbar war die Angelegenheit wohl damit erledigt. Das Stadtarchiv Drolshagen gibt hierzu keine weiteren Hinweise und die Gebrüder Will­mes haben die Maurerarbeiten auch ausgeführt.


Die wesentlichen Arbeiten wurden von folgenden Firmen erledigt:

Maurerarbeiten
Gebrüder Willmes, Feldmannshof
Zimmerarbeiten
Anton Clemens, Drolshagen
Schreinerarbeiten
Josef Hundt, Drolshagen
Außenputzarbeiten
Firma Koch & Eisel, Olpe
Anstreicherarbeiten
Heinrich Stamm, Gelslingen

Das Lehrerwohnhaus wurde im August 1928 fertig gestellt und von Lehrer Wibbeke im Sep­tember bezogen. Die Gesamtbaukosten des Leh­rerwohnhausbaus ermittelte Amtmann Diekmann in seiner Zusammenstellung vom 10.10.1928 mit einer Summe von 18.297,99 RM.

Im Jahr 1929 erfolgte dann der Umbau des Schulgebäudes. Aus der im Schulgebäude be­findlichen und nun nicht mehr bewohnten Leh­rerwohnung wurde ein zweiter Schulsaal gemacht. Gleichzeitig wurde durch eine Stütz­mauer an der Uferböschung der Gebäuderück­seite und die Verlegung von Drainagen das Schulgebäude gegen Feuchtigkeit geschützt, die wohl ein großes Problem darstellte.

Die Kosten des Umbaus und der Trockenle­gungsarbeiten betrugen 4.278,11 RM zzgl. der Einrichtungskosten für den zweiten Schulsaal.

Die anfallenden Arbeiten wurden vorgenom­men durch 

Maurerarbeiten
August Willmes, Feldmannshof
Schreinerarbeiten
Franz Wacker, Drolshagen
Anstreicherarbeiten
Heinrich Stamm, Gelslingen
Dachdeckerarbeiten
Adam Clemens, Eichen

Die Dachgeschossräume blieben unbenutzt. Zunächst hatte man beabsichtigt das Dachge­schoss zu vermieten. Bewerber für diese Woh­nung waren der Maurer Franz Schulte, Benolpe, und Fritz Klein, Drolshagen. 1931 wurde dann aber von einer Vermietung abgesehen.

Im Jahr 1936 wurden erneut Instandsetzungs­arbeiten am Schulgebäude vorgenommen.

1939 wurden das Schulhaus und das Lehrer­wohnhaus renoviert. Hierfür wurde ein Betrag von 500 RM zur Verfügung gestellt.


Im Jahr 1939 wurde Lehrer Wibbeke nach Drolshagen versetzt und die Lehrerstelle am 01.04.1939 durch Joseph Weber, der aus Attendorn kam, besetzt.

Nach Angaben von Frau Christine (Christel) Wibbeke, älteste Tochter des Lehrers Wibbeke sei diese Versetzung einer Strafversetzung gleichge­kommen. Die nationalsozialistischen Machthaber hätten bei ihrem Vater in Briefen immer wieder Auskünfte über die politische Gesinnung von Bewohnern der Schulgemeinde erfragt. Diese Briefe habe ihr Vater immer wieder vernichtet und nie beantwortet.

Joseph Weber war am 04.10.1884 in Olpe geboren. Da Lehrer Weber auf die Benutzung der Dienstwohnung verzich­tete, wird diese an Franz Schulte, dessen Frau die Schulräume besorgte, für einen Jahrespachtzins von 60 RM verpachtet. Bereits am 01.07.1940 wurde Lehrer Wibbeke aber wieder nach Benolpe zurückversetzt.

1939 begann der 2. Weltkrieg. Auch hier be­richtet die Schulchronik wieder über gefallene Bewohner der Schulgemeinde.

1941 wurde ein Dachzimmer des Schulge­bäudes den nationalsozialistischen Jugendver­bänden zur Verfügung gestellt.

Der Krieg selbst hatte wohl weitestgehend keinen Einfluss auf den Schulbetrieb. Jedoch beteiligten sich Schüler und Lehrer in den Kriegsjahren wie überall an Altmaterial- und Kräutersammlungen. Hier wurden beträchtliche Mengen gesammelt, wie die folgende Aufstellung belegt. Bis Ende des Jahres 1942 wurden ge­sammelt

51 kg Edelmetalle
60 kg Knochen
896 kg Lumpen
1.689 kg Eisen
293 kg Papier

Während des 3. Kriegssommers wurden auch Heilkräuter gesammelt und als Trockenware abgeliefert:

171 kg Himbeerblätter
48 kg Fingerhut
66 kg Birkenblätter
28 kg Stiefmütterchen
56 kg Brombeerblätter
13 kg Brennnessel

Im Jahr 1943 sammelte die Schule an Altmaterial und Heilkräutern:

85 kg Lumpen und Stoffreste
60 kg Knüllpapier
20 kg Zink
250 kg Eisen
3 kg Knochen
8½ kg Gänseblümchen
14½ kg Löwenzahn
¼ kg Huflattich
21 kg Brenn-Nessel
109 kg Birkenblätter
70½ kg Fingerhut
118½ kg Himbeerblätter

Zu den weiteren Kriegsereignissen berichtet die Chronik, dass in den Wintermonaten 1944/45 der Schulunterricht weitestgehend normal gehal­ten werden konnte. Einige Mal mussten die Kinder wegen Fliegergefahr nach Hause geschickt wer­den, da der Luftschutzraum der Schule unzurei­chend war.

Im März 1945 konnte der Unterricht nur in einem Klassenzimmer (morgens und nachmit­tags) gehalten werden, da die Wehrmacht einen Schulraum beschlagnahmt hatte. Am 15.03.1945 wurde dann auch das zweite Klassenzim­mer beschlagnahmt. Die Schule musste daraufhin geschlossen werden.

Nachdem am 10.04.1945 Drolshagen von den Amerikanern eingenommen wurde, war am 11.04.1945 auch für Benolpe der Krieg vor­bei. Die Amerikaner zogen an diesem Tag von Gelslingen her nach Benolpe.

Von 1943 bis 1945 wurden die beiden Dach­zimmer des Schulgebäudes vom Schulvorstand an die bombengeschädigte Familie Kösters (Verwandtschaft der Familie Wibbeke) aus Essen für eine monatliche Miete von 10 RM vermietet. Die Familie Kösters kehrte 1945 wie­der nach Essen zurück.

Am 01.12.1945 wurden die Dachräume von dem kriegsbeschädigten Willi Kühr und seiner Familie bezogen. Bereits 1946 verließ die Familie die Schulwohnung und zog nach "Krämers" (heutige Wohnhaus Walter Krämer). Die Witwe Linder bezog daraufhin mit ihren Kindern die Schulwohnung. Witwe Linder übernahm gleichzeitig die Schulreinigung von Erika Har­denacke aus Benolpe.

Das kleine Lehrmittelzimmer zwischen den beiden Klassenräumen diente der Flüchtlings­familie Groth aus dem Osten von 1945 bis Okto­ber 1949 als Wohnküche. Nach Angaben von Frau Christine (Christel) Wibbeke handelte es sich hierbei ebenfalls um Verwandtschaft aus Schneidemühl, Westpreußen. Die Familie Groth, insgesamt fünf Personen schliefen in der Lehrerwohnung der Familie Wibbeke und im Hause Krämer (heute Walter Krämer).

Im Mai 1945 wurden sämtliche Lehrer, auch die Lehrer Wibbeke und Stachelscheid auf Wei­sung der Militärregierung mit sofortiger Wirkung von ihren Ämtern suspendiert.

Die Schule war deshalb bis zum 30.08.1945 geschlossen. Dann begann die Lehrerin Stachelscheid wieder mit dem Unterricht in der Grundschule. Schulbücher standen den Schülern aber bis Dezember nicht zur Verfügung. Erst zu diesem Zeitpunkt kamen die ersten Rechen- und Lesebücher als Neuauflagen von alten Lernbü­chern, die vor 1933 im Gebrauch waren. Auch die Schüler- und Lehrerbibliothek wurde vom nationalsozialistischen Schriftgut gereinigt. In der Oberstufe hatte der Unterricht noch nicht wieder begonnen.

Am 06.12.1945 hatte die Schule zu einer Nikolausfeier ins Schulgebäude eingeladen. Nach den harten und entbehrungsreichen Kriegsjahren waren viele Eltern der Einladung gefolgt und konnten einer schönen Feier beiwoh­nen. Selbst Dechant Kleeschulte war der Einla­dung gefolgt.

Die Bitte der Lehrerin Stachelscheid um Brennholz für die Schule fand überall Gehör. Kein Bauer schloss sich aus und so wurden 11 Fuhren Holz angeliefert. In dem Winter 1945/46 brauchten die Kinder in der Schule nicht zu frie­ren. Andere Schulen mussten wegen Mangel an Brennholz die Tore schließen.

Nach den Weihnachtsferien am 06.01.1946 durfte auch Lehrer Wibbeke seinen Dienst wieder aufnehmen. Unterrichtet wurden aber nur die ersten vier Jahrgänge. Die Oberstufe hatte immer noch keinen Unterricht. Nachdem die Militärregierung die Erlaubnis erteilt hatte, konnte ab Februar 1946 auch der Unterricht in der Oberstufe der Schule wieder aufgenommen werden. Da genügend Brennmate­rial vorhanden war, wurde wieder in beiden Klassenzimmern unterrichtet.

Nach Ende des 2. Weltkrieges wurden die Schulvorstände der Gesamtschulverbände nicht wieder gebildet. Ihre Aufgaben übernahm die Gemeindevertretung.

Lehrer Wibbeke erkrankte am 01.09.1946 und wurde daraufhin beurlaubt. Die Lehrerin Stachelscheid übernahm den Unterricht in beiden Klassen. Die oberen Jahrgänge hatten von 8 - 11 Uhr und die unteren von 11 - 13 Uhr Unterricht.

Ostern 1947 wurde Lehrer Josef Gummers­bach aus Lütringhausen als Vertreter für den immer noch erkrankten Lehrer Wibbeke an die Schule in Benolpe versetzt. Der Unterricht konnte nun wieder in gewohnter Weise stattfin­den.

In diesem Jahr wurden diverse Instandset­zungs- und Unterhaltungsarbeiten am Schulge­bäude und den Nebengebäuden vorgenommen.

Am 01.10.1947 wurde Lehrer Gum­mersbach nach Olpe versetzt. Seine Stelle nahm nun der Lehrer Siegfried Holke ein. Lehrer Holke wurde am 01.02.1924 in Altenhundem geboren. Er besuchte die Volksschule in Alten­hundem, Danzig und Herne. In Herne absolvierte er auch das Realgymnasium bzw. die später dar­aus entstandene Oberschule für Jungen. Ab Juni 1942 wurde er zur Kriegsmarine einberufen und nach Ende des Krieges im August 1945 aus der englischen Kriegsgefangenschaft entlassen. Er besuchte ab 1946 den Lehrerausbildungskurs in Olpe und bestand am 28.03.1947 die erste Leh­rerprüfung. Seine erste Anstellung erhielt er an der Katholischen Volksschule Attendorn.

Seit dem 17.11.1947 fand an der Schule die Schulspeisung statt. An der Schulspeisung durf­ten nur die Kinder teilnehmen, deren Eltern nicht Selbstversorger waren, also keine Bauernkinder. Die Teilnehmerzahl an der Schulspeisung betrug 42 Kinder. Die Zuteilung der Lebensmittel für die Speisung erfolgte durch das Kreisernäh­rungsamt über die Firma Kaiser und Kellermann aus Welschen-Ennest.
Die Zubereitung der Speisen übernahm die in der Schule wohnende Frau Groth (Flücht­lingsfrau aus dem Osten). Sie erhielt dafür eine monatliche Entschädigung von 25 RM.
Jedes an der Speisung teilnehmende Kind be­kam für einen Betrag von 0,20 RM eine Portion von ½ Liter Suppe. An verschiedenen Tagen erhielten die Kinder auch eine Süßstange und 50 g Schokolade.

Ab 11.12.1948 erfolgte die Lieferung der Lebensmittel durch die Firma Alfons Lütticke in Germinghausen.

1949 hatte sich die Zahl der an der Schulspei­sung teilnehmenden Kinder auf 65 erhöht. Der von den Kindern zu zahlende Betrag betrug nun 0,04 DM (am 20.06.1948 erfolgte die Wäh­rungsreform) da die Amerikaner die Schulspei­sung unentgeltlich lieferten.
Ab September 1950 hatte die Ehefrau des Lehrers Holke das Kochen übernommen. Wegen Erkrankung von Frau Holke übernahm ab 01.01.1951 Frau Maria Schulte das Kochen.
Im Juli wurden die amerikanischen Lieferun­gen für die Schulspeisung eingestellt.

Lehrer Wibbeke wurde zum 1. Juli 1948 in den Ruhestand versetzt. Er zog am 10.08.1949 in sein Wohnhaus in der Finkestraße in Drolshagen. Er bewohnte bis dahin die oberen 3 Räume des Lehrerwohnhauses, wäh­rende Lehrer Holke die unteren Räume bewohnte.

Nachdem Lehrer Wibbeke die oberen Räume verlassen hatte, bezog am 11.08.1949 die Familie Winkler aus Drolshagen die oberen drei Räume des Lehrerwohnhauses. Sie blieb dort bis 17.12.1953 wohnen.

Auch die Familie Groth bezog am 10.08.1949 ihre neue Wohnung im Hause Krämer, am heutigen Lußnacken. Dadurch wurde das kleine Lehrmittelzimmer zwischen den beiden Klassen­räumen wieder frei und stand nun wieder für Schulzwecke zur Verfügung.

Am 05.09.1951 wurde der Klassen­raum der Oberstufe mit neuen Möbeln ausgestat­tet. Im Einzelnen wurden 11 Vierergruppentische (1 m x 1 m), 44 Schülerstühle, ein Lehrer­schreibtisch, ein dreiteiliger Klassenschrank und eine grüne Schiebetafel angeschafft und aufge­stellt. Das Lehrmittelzimmer erhielt einen Lehr­mittelschrank.

Im März 1953 erhielt das Schulgebäude ein neues Schieferdach. An der Rückseite wurden zwei Dachfenster eingebaut. In diesem Jahr wurde das Schulgebäude noch in verschiedenen Bereichen renoviert und Instand gesetzt.

Im Jahr 1953 beschloss die Gemeindevertre­tung auf Antrag von Lehrer Holke den Schulwald am "Benolper Köpfchen" abzuholzen. Der Erlös aus dem Holzverkauf sollte in erster Linie der Schule wieder zufließen. Unter anderem waren der Abbruch des Stallgebäudes und die Herrichtung eines ordentlichen Schulhofes geplant. Das Stallge­bäude an der Westseite der Schule wurde im April 1954 abgebrochen. Im Juli wurde die Bö­schung auf der Nordseite des Schulhofes durch eine Bruchsteinmauer abgestützt. Im Oktober 1954 erfolgten die Ausschach­tungsarbeiten für eine Stützmauer hin zur Straße. Sie wurde 1955 fertig gestellt.

Zum 08.11.1954 wurde Lehrer Holke an die Katholische Volksschule in Ottfingen versetzt. Zum 15. November wurde der apl. Lehrer Karl Hose an die Schule Benolpe abgeordnet. Lehrer Hose wurde am 08.08.1923 in Marmecke (Gemeinde Oberhundem) geboren. Dort besuchte er die Volksschule. Anschließend besuchte er in Ober­hundem eine Privatschule und später die Ober­schule für Jungen in Attendorn. Im Jahr 1943 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Nach dem Krieg machte er zunächst eine landwirtschaft­liche Ausbildung. Von November 1951 bis Ok­tober 1953 besuchte er die Pädagogische Aka­demie in Dortmund. Seine erste Anstellung als apl. Lehrer erhielt er an der Katholischen Volksschule zu Hofolpe am 6.11.1953 bis zum 14.11.1954. Am 04.11.1955 wird der apl. Lehrer Hose zum Leh­rer ernannt und erhält seine erste planmäßige Anstellung am 01.09.1955.

Von Pfingsten bis zu den Sommerferien 1955 durfte die Lehrerin Stachelscheid an der Schule in Benolpe auf Geheiß des Kreisgesundheitsam­tes wegen der Typhusepidemie in Drolshagen keinen Unterricht erteilen, da sie in Drolshagen ihre Wohnung hatte.

Im Mai 1955 wurde auch der Klassenraum der Unterstufe mit neuen Schulmöbeln ausgestat­tet. Im Einzelnen wurden 9 Vierergruppentische (1 m x 1 m), 36 Drehstühle, ein Klassenschrank (zweiteilig), ein Lehrerschreibtisch mit Stuhl, eine grüne Schiebetafel angeschafft.

Der Schulwald wurde aber wohl erst im Jahr 1956 abgeholzt (siehe weiter oben) und im glei­chen Jahr wieder mit Fichten aufgeforstet.

Im Oktober des Jahres 1956 begann die Firma Halbfas aus Hützemert mit dem Toiletten­anbau an die Schule. Die alte Anlage war in einem unerträglichen Zustand und entsprach in keiner Weise den hygienischen Anforderungen.

Die Witwe Linder verließ 1956 mit ihren Kindern aus der Schulwohnung im Dachgeschoss aus und verzog nach Drolshagen. Damit war die Schule nach langen Jahren nicht mehr mit schul­fremden Personen belegt. Witwe Linder hatte bis 09.11.1948 die Schulreinigung durchgeführt. Die Schulreinigung wurde nun von Frau Anna Schmidt aus Benolpe besorgt.

Im Sommer 1957 war der Toilettenanbau fertig gestellt. Die Schule hatte endlich Toiletten, die den hygienischen Forderungen entsprachen.
Nun wurde der Schulhof in Angriff genom­men. Das alte Abortgebäude wurde abgerissen, der Schulhof neu planiert und erhielt an der Grundstücksgrenze zur Gastwirtschaft Stamm eine Auffahrt.

1957 wurde die Lehrerin Regina Stachel­scheid aus dem Schuldienst entlassen. Die Schulchronik schreibt:

"Nach 37jährigem segensreichem Wirken an der hiesigen Volksschule trat am 1. April unsere allseits beliebte Lehrerin Fräulein Stachelscheid in den wohlverdienten Ruhestand. In rastlosem Arbeiten und Streben für die Kinder hat sie ihre Kräfte verbraucht".

Wegen ihres damalig angegriffenen Gesund­heitszustandes fand die offizielle Verabschiedung nur im kleinen Kreis statt, was der bescheidenen Lehrerin sicherlich durchaus recht war. Die Schulpflegschaft hatte zu einer freiwilligen Spende aufgerufen und so kam ein Betrag von 470,00 DM zusammen. Von diesem Betrag wurde der Lehrerin am Entlassungstag ein Ruhe­sessel im Wert von 430,00 DM übergeben. Über den Restbetrag bestimmte die Lehrerin folgen­dermaßen: "1 'Heidenkind' 21 DM und heilige Messen für die Schulgemeinde".

Aber weder die Kinder noch die Erwachsenen aus Benolpe und der ganzen Schulgemeinde woll­ten auf eine Abschiedsfeier für die beliebte Leh­rerin verzichten. Und so wurde die Lehrerin am 7. Juli auf dem Turnplatz von der gesamten Schulgemeinde unter Mitwirkung des Männerge­sangvereins "Sangeslust" Benolpe verabschiedet. Auch die ehemaligen Lehrer und langjährigen Kollegen Wibbeke und Holke waren ebenso wie Vikar Schäfer und Pater Kruse als Vertreter der Kirche zur Verabschiedung gekommen.
Zum Schluss der Veranstaltung überreichte ein Kind der Lehrerin das Schulkreuz, unter dem sie 37 Jahre unterrichtet hatte.

Das Programm der damaligen Verabschie­dungsfeier ist ebenfalls noch in der Chronik er­halten. Es lautete:

Programm:

Pressebericht in der Heimatpost des Kreises Olpe vom 12.07.1957Beginn: 15.30 Uhr
Begrüßung
2 Reigen (Mädchen unserer Schule)
O Jugend ... (MGV Benolpe)
Ansprache
An die Heimat. (MGV Benolpe)
Gedicht (Fräulein Engel)
Heimat, liebe Heimat. (MGV Benolpe)
Reigen (Schulkinder)
Wahre Freundschaft ... (Unsere Schulkinder)
2 Volkstänze (Schulkinder)
Der Lindenbaum. (MGV Benolpe)
Gedicht (H. Schneider)
Ausklang. (MGV Benolpe)
       Danach:
             Gemütliches Beisammensein.

In der Einladung hieß es zum gemütlichen Bei­sammensein:

"Unsere Mütter: Kaffeetrinken in der Schule
Männer und Jugend: Gastwirtschaft Stamm"

Diese Regelung muss den Männern sicherlich zu­gesagt haben.

Nachfolgerin der Lehrerin Stachelscheid wurde Hildegard Kaul, die vorher an der Volks­schule Drolshagen beschäftigt war.

1958 wurde von August bis Dezember vor­übergehend eine Familie Traut aus Hützemert vom Wohnungsamt in Drolshagen in die alte Schulwohnung eingewiesen. Die Familie Traut war durch einen Brand, verursacht durch einen Blitzeinschlag obdachlos geworden. Im Dezem­ber erhielt sie eine Wohnung in Drolshagen.

Im November 1960 erhalten die beiden Schul­räume zentralgesteuerte Ölofen. Ein Heizöltank (1500 Liter Fassungsvermögen) wird im Schulkeller aufgestellt.

1964 wurde die alte Treppe zum Schulge­bäude abgerissen und durch eine neue ersetzt. Auch die Treppe neben dem Schulgebäude, die als Aufgang zum Spielplatz dient wurde neu gesetzt. Der Heizöltank im Schulkeller reicht nicht aus, so dass zwei weitere Heizöltanks mit je 1500 Liter Fassungsvermögen zusätzlich aufgestellt werden.

1966/67 wurde die Durchgangsstraße von Drolshagen nach Belmicke bis zum Haus Günter Engels vollständig ausgebaut und auf eine Breite von etwa 9 m erweitert. Die Schule und das Leh­rerwohnhaus erhielt dadurch bedingt eine durch­gehende Stützmauer zur Straße hin, die teilweise bis zu 2,70 m hoch ist. Der Schulplatz erhielt eine neue Auffahrt und wurde komplett geteert. Das Lehrerwohnhaus erhielt ebenfalls eine Auffahrt von der Hauptstraße her.

Die Lehrerin Kaul blieb bis 1961 und schied am 31. August auf eigenen Wunsch aus dem Volksschuldienst aus.

Am 01.04.1962 wurde die Lehrerin Margret Deimel an die Schule in Benolpe versetzt. Ab dem 05.12.1966 erfolgte ihre Versetzung an die Katholische Volksschule in Drolshagen.

Da ein Ersatz für die Lehrerin der Schule nicht sofort wieder zugewiesen wurde, wurde auf dringende Vorstellung der Schulpflegschaft beim Schulamt in Olpe die Lehrerin van Bömmel von der Katholischen Volksschule Iseringhausen für 2 bis 3 Unterrichtsstunden täglich an die Schule Benolpe abgeordnet.

Am 03.04.1967 wurde dann die Lehrerin Monika Müller aus Drolshagen an die Volks­schule Benolpe versetzt.

Danach enthält die Schulchronik nur noch wenige Eintragungen. Die Schulchronik schließt mit den Sätzen:

"Im Zuge der Neuordnung des Schulwesens wird auch die Schule Benolpe zum 1.8.1969 aufgelöst. Die Kinder werden in die Grund- und Hauptschule Drolshagen übernommen. In der Hauptschule Drolshagen werden alle Kinder des gesamten Amtes Drolshagen unterrichtet. (5 - 9. Jg.)
Die Lehrpersonen der hiesigen Schule Benolpe Hptl. Hose und Fräulein Müller unterrichten ebenfalls an der Hauptschule Drolshagen.
Da in Drolshagen die Schulgebäude für die große Zahl der Kinder (ca. 620 Schüler in der Hauptschule) nicht ausreichen, muß ein neues Hauptschulgebäude errichtet werden. Bis zu seiner Fertigstellung wird das hiesige Gebäude noch zur Auslagerung von Klassen benutzt.
Eine mehrhundertjährige Tradition und Ein­richtung hat damit ihr Ende gefunden. Sie mußte den Anforderungen der neuen Zeit wei­chen."

Das Schulgebäude wurde im Juni 1974 von der Stadt Drolshagen zum Preis von 27.000 DM verkauft. Käufer war der Verein zur Förderungen der Katholischen Jugendpflege der Pfarre St. Paulus in Neuß-Weckhoven.

Das Lehrwohnhaus wurde ebenfalls verkauft. Anmerkung: Das Datum bzw. Jahr konnte ich bislang nicht ermitteln.

 


Quellenhinweis: 
StaD: Sammlung Schulen 113

 

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