Von den Anfängen des Schullebens bis zum Jahr 1914

"Benolpe - Geschichte einer Schulgemeinde" von Burkhard Lütticke

Die Schulgemeinde Benolpe

  • Von den Anfängen des Schullebens bis zum Jahr 1914

Bevor die Unter- und Mittelschicht im 17. und 18. Jahrhundert die Möglichkeit zum Schulbesuch bekamen, fand Schule nur in den kirchlichen Klöstern und Stiften statt. Unterrichtet wurde zunächst nur der klerikale Nachwuchs, später aber auch die Kinder des Adels. Im 13. Jahrhundert entstanden die Universitäten, Fakultäten und später die ersten Stadtschulen. Diese Einrichtungen wurden nur vom hohen Bürgertum besucht.

Die Volksschule, als allgemeine Schule, setzte sich in den ländlichen Gebieten hauptsächlich im 19. Jahrhundert durch.


Ein "Markstein in der Entwicklung des Schulwesens" ist im Amt Drolshagen um die Wende des 17. Jahrhunderts zu finden.

Um einen geregelten Schulbesuch durchzusetzen, verfügte der Dechant des Dekanats Attendorn, Johannes Matthäus Höyngh, bei seiner Visitation in Drolshagen 1678, dass "in allen Städten und Flecken Schule gehalten werden soll" und dass Eltern, die ihre Kinder nicht zur Schule schicken, mit einer Geldbuße bestraft werden sollen. Allerdings wurde diese Verfügung wohl nicht allzu ernstgenommen, denn seit 1715 wurde der Unterricht im Amt Drolshagen durch die Schulordnung des kurfürstlichen Richters Johann Dietrich von Stockhausen geregelt, für deren Nichtbeachtung beträchtliche Strafen drohten.

Diese straffe Schulordnung, die allerdings nur das äußere Schulleben betraf, war für diese Zeit von großer Bedeutung. Bis zum Erscheinen der kurkölnischen Landschulordnung im Jahre 1799 blieb diese Verordnung, die allerdings nur für die Gerichte Olpe und Drolshagen galt, bestehen.

1789/90 gab es im Kirchspiel Drolshagen sieben Schulen, deren baulicher Zustand durchweg zufrieden war.

Das Gründungsjahr der Schule in Benolpe ist leider ebenso wie die Lehrer, die zu dieser Zeit in der Benolper Schule unterrichteten nicht dokumentiert.

Die ersten Hinweise über die Schule in Benolpe sind der Schulchronik zu entnehmen.

Im Jahr 1750 setzte der "unverehelichte" Wilhelm Stamm der Schule zu Benolpe ein Legat von 10 Thalern. Nach Meinung des Chronisten Dornseifer (später Lehrer in Benolpe), muss diese Schenkung wohl der Anstoß für die Gründung einer Schule in Benolpe gewesen sein, denn kurz darauf wurde ein Schulhaus am "Gelslinger Weg" errichtet (Anmerkung des Verfassers: Bei dem Gelslinger Weg dürfte es sich um die heutige Straße "Am Hofgarten" handeln.). Es wird weiter berichtet, dass der Schöffe Josias Wintersohl im Jahre 1756 bei zwei Dorfbewohnern pfänden musste, da diese mit ihren Beiträgen zum Schulbau im Rückstand waren. Hieraus lässt sich folgern, dass man in Benolpe schon sehr früh um ein ordentliches Schulwesen bemüht war. Allerdings handelt es sich auch in Benolpe, wie in den meisten Dorfschulen, um eine Winterschule, in der von Allerheiligen bis Ostern unterrichtet wurde.

In den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts unterrichteten in dem Schulhaus am Gelslinger Weg der Lehrer Hupertz und der Lehrer Schürholz. In den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts (ein genaues Datum ist in der Schulchronik nicht angegeben) wurde das Schulhaus abgerissen, da es sehr verfallen war. Nach Angaben des Chronisten gab es nach Abbruch des Schulhauses mehrere Jahre weder ein Schulhaus noch einen Lehrer in Benolpe.

Erst im Jahre 1815 wurde wieder ein Lehrer von den Dorfeinsassen eingestellt. Neuer Lehrer war Franz Neuhaus aus Kram. In einem von dem Notar Hartung aufgesetzten Dokument verbürgen sich die Einsassen Jakob Engel und Caspar Quiter sowie Johann Hupertz für die richtige Auszahlung des jährlichen Lehrergehaltes von 67 Thalern. Zudem übernahm der erwähnte Johann Hupertz die Beköstigung des Lehrers mit "ordentliche(r) Hausmannskost nebst aller Bequemlichkeit" gegen Bezahlung von 30 Thalern jährlich.

Die Brüder des Lehrers, Joh. Peter und Heinrich Neuhaus, mussten sich dagegen "für die gute Aufführung" desselben verbürgen.

Nach Angaben der Chronik wurde der Lehrer Neuhaus im Jahre 1818 nach Öhringhausen versetzt. Die Versetzung wurde jedoch schon im Jahre 1816 durchgeführt, denn in den Akten des Kirchen- und Staatsarchivs kann man nachlesen, dass sich die Gemeinde bereits im Jahre 1816 um einen neuen Lehrer für ihre Schule bemüht hat.

Der Schriftwechsel der königlichen Regierung mit dem Pfarrer Mambau dokumentiert, dass die freigewordene Stelle mit dem Kandidaten Johann Anton Lang besetzt werden sollte. Doch dieser schnitt bei der vorgenommenen Prüfung so schlecht ab, dass er als Lehrer nicht in Frage kam. In dem Schreiben der königlichen Regierung an den Pfarrer, der über das Prüfungsergebnis berichtet, heißt es unter anderem:

"Ihm (dem Lehrer) stehe auch ohnehin entgegen, daß er als ein 60jähriger Mann nicht mehr bildungsfähig sey."

Die Gemeinde musste nun einen neuen Kandidaten für die freie Lehrerstelle finden. Dieser war Adam Hupertz aus Brüchen.
Auch dieser wurde zunächst geprüft. Doch im Gegensatz zu Johann Lang zeigte er "hinlängliche Fähigkeiten, einer kleinen Schule vorzustehen." Und so wurde ihm die einstweilige Verwaltung der Schulstelle in Benolpe im Oktober 1816 von der königlichen Regierung übertragen.

Am 20. Januar 1817 wurde der Schulinspektor Mambau von der königlichen Regierung aufgefordert, für die Fortbildung und Amtsführung des Adam Hupertz Sorge zu tragen und einen Bericht innerhalb von 14 Tagen zu übersenden. Dieser Bericht des Pfarrers muss sehr positiv gewesen sein, denn schon am 28. Februar des Jahres 1817 gewährte die preußische Regierung dem Lehrer Hupertz weiterhin die provisorische Verwaltung der Lehrerstelle, mit der Begründung, dass der Lehrer den Unterricht und die Disziplin in der Klasse gut handhabe. Der Pfarrer wurde aufgefordert, den Lehrer auch weiterhin in seinem Amt kräftig zu unterstützen. Der Lehrer sollte ferner dem nächsten Normalkurs beiwohnen, "auf den er sich fleißig vorbereiten" sollte.

Bereits im April des Jahres 1819 war der Lehrer Hupertz zum Normalkurs angemeldet. Wie der Lehrer ihn abgeschlossen hat, ist leider in keiner Quelle dokumentiert.

Wie die Schulverhältnisse während der Amtszeit des Adam Hupertz aussahen, verdeutlicht ein Schreiben des Lehrers an den Pastor Mambau aus dem Jahre 1827:

"Die Schulgemeinde Benolpe hat kein eigenes Schulgebäude, sondern nur ein gemietetes Zimmer, welches 16 Fuß lang und 11 ½ Fuß breit ist. Der Industriegarten kann ungefair 23 Ruthen (cölnisch) halten, welcher aber in einem schlechten Bestande ist; denn die Lage ist gegen Norden und der Boden von schlechter Beschaffenheit. Die Schullehrer Besoldung beträgt jährlich 43 Thaler, 22 Silbergroschen (seit dem 18.03.1840 betrug das Gehalt 43 Thaler, 25 Silbergroschen), welche theils auf die schul­pflichtigen Kinder, theils auf die Einsassen repartiert sind."

Aus diesem Schreiben lässt sich schließen, dass der Eifer der Schulgemeinde deutlich nachgelassen hatte. Wurde im Jahre 1815 noch ein Lehrergehalt von 67 Thalern gezahlt, so war es im Jahre 1827 nur noch 43 Thaler und 22 Silbergroschen. Auch ein ordentliches Schulhaus gab es seit 1815 nicht mehr. Der Unterricht wurde vielmehr in gemieteten Räumen in Privathäusern abgehalten.

Nach Angaben der Chronik wurde der Unterricht von 1815 bis 1818 bei einem gewissen Hardenacke, von 1818 bis 1836 bei Engel und von da ab in einem Nebengebäude des Caspar Quiter erteilt.

Diese Angaben sind jedoch nicht ganz richtig. Die Quellen in den Akten des Kreisarchivs bele­gen das:

Im Jahre 1833 sollte zunächst das Haus des Adam Bonzel in Benolpe als Schulhaus umgebaut werden, doch nach Angaben des Wegebaumeisters Stüler erwies sich das Gebäude als untauglich. Da die Schulgemeinde mit ihren 45 Einsassen nicht in der Lage war, ein neues Schulhaus zu bauen, musste eine andere Lösung gefunden werden. Aus dem Schreiben des Schulvorstandes Benolpe im September 1833 geht hervor, dass sich Joseph Quiter daraufhin bereit erklärte, seinen Nebenbau als Schullokal zu vermieten. Das hier zitierte Schreiben des Schulvorstandes an die königliche Regierung gibt einen Eindruck von diesem Schulzimmer:

"...Damit aber dennoch der Schulunterricht seinen Fortgang behalten, und so viele wie von der Hand nur möglich ist, die Gesundheit der Lehrer und Kinder zu erhalten, (die in dem früheren gepachteten Bonzelschen Zimmer gefährdet wurde), hat der Joh. Joseph Quiter zu Benolpe sich bereit erklärt, daß auf seinem Nebenbau befindlichen 18’ langen, 12’ breiten, 9’ hohen Zimmer zum Schulzimmer auf 10 Jahre in Pacht abzutreten. Die Heizung derselben auf seine Kosten zu leisten, auch alle während der Zeit an demselben vorkommenden Reperaturen zu tragen, wogegen ihm der Schulbezirk jährlich 14 (Thaler), 15 (Silbergroschen) Miete zahlen soll. Wir halten dieses Anerbieten für sehr billig."

Nach einem Gutachten des Wegebaumeisters Stüler, welches noch im selben Monat gemacht wurde, genehmigte man den Raum, der die erforderliche Größe für 40 Schulkinder notdürftig enthielt.

Wie notwendig jedoch das Schulzimmer war, wird aus dem Schreiben des Amtmanns Stachelscheid an den Landrat Freusburg im Dezember 1845 ersichtlich. Stachelscheid schreibt hierin, dass das Schullokal sehr ärmlich war. Es handelte sich um einen kleinen Speicher in einem Backhaus: Ein Schullokal, dem es an allem, "sogar an einem Haupterfordernis, dem Lichte fehlte."

Es scheint, dass die Schulgemeinde viel Ärger mit diesem Schulzimmer hatte.

Aus einem Bericht des Schulvorstandes vom Juni 1837 geht hervor, dass der Vermieter das Schulzimmer sehr schlecht heizte und Reparaturen am Schulzimmer nicht durchführte. Das größte Ärgernis war jedoch, dass sich das Schulzimmer, welches ja in einem Backhaus eingerichtet war, über dem Backofen befand. Da der Fußboden des Schulzimmers undicht war, drang der Qualm des Backofens in die Schulstube. Die Schulgemeinde verweigerte daraufhin die Zah­lung der Miete. Obwohl die königliche Regierung die Ausbesserung des Fußbodens forderte, scheint es, dass sich Quiter nur sehr wenig Mühe damit gegeben hat, denn im Jahre 1838 richtete der Lehrer Hupertz folgendes Protestschreiben an die Regierung:

"Der Joh. Joseph Quiter zu Benolpe hat heute Morgen in dem unter dem verpachteten Schulzimmer befindlichen Backofen zum Brotbacken ein geheizt, der dadurch entstandene Rauch hat in das Schulzimmer eingedrungen, so daß auf Demselben nicht nur Rauch, sondern auch Stickluft vorhanden war. Aus dieser Ursache konnte der Schulunterricht nicht fortgesetzt werden, sondern mußte zur Gesundheit der Kinder sowohl als des Lehrers unterbleiben. Hätte der p.Quiter die durch Vertrag übernommenen (Renovierungen) des Schulzimmers, so wie die Überziehung desselben mit Lehm und Kalk gehörig gemacht, so würde dieses für den Unterricht so nachteilige Übel nicht eingetreten sein."

Ob dieses Übel nun abgeschafft wurde, konnte leider nicht festgestellt werden, doch man kann in vielen Schriftwechseln des Schulvorstandes mit der königlichen Regierung in Arnsberg nachlesen, dass der Vermieter Joseph Quiter die Schulstube schlecht heizte und die Kälte den Unterricht stark behinderte.

Das kärgliche Gehalt des Lehrers hatte sich auch im Jahre 1839 noch nicht wesentlich verbessert. Hupertz erhielt jährlich nur 43 Thaler, 25 Silbergroschen und 5 Pfennige, welche halbjährlich von den schulpflichtigen Kindern mit 9 Silbergroschen und 7 Pfennigen bezahlt wurde. Der Rest des Betrages wurde von den Einsassen der Schulgemeinde bezahlt.

Zur Schulgemeinde gehörten damals die Ortschaften Benolpe, Gelslingen, Feldmannshof, Gipperich, Stupperhof, Wormberg, Belmicke (rechtsseitig der ehemaligen Kreisstraße nach Hützemert - heute Peter-Butz-Straße-) und der untere Teil der Ortschaft Wörde.

In der Chronik Benolpe ist zu lesen, dass der Lehrer Hupertz die Schulstelle in Benolpe bis zum Jahre 1836 verwaltete. Daraufhin unterrichteten die Aspiranten Waimar und Mönich für zwei Jahre in Benolpe. Diese Angabe kann allerdings nicht korrekt sein, denn aus dem Schreiben der königlichen Regierung an den Pfarrer Mambau geht hervor, dass der Lehrer Hupertz erst am 3. Dezember 1839 nach Belmicke versetzt wurde. In diesem Schreiben der königlichen Regierung heißt es weiter, dass aufgrund des Mangels an Schulamtskandidaten, die Lehrerstelle in Benolpe einem Seminaraspiranten übertragen werden sollte. Man empfahl den Johann Winkelhaus aus Iserlohn. Die Regierung forderte ebenfalls eine Erhöhung des kärglichen Lehrergehaltes, das bisher nur 55 Thaler betrug, und erwartete "ein entsprechendes Resultat". Dieses Resultat ließ nicht lange auf sich warten. Bereits im März 1840 hatte die Schulgemeinde das Lehrergehalt auf 70 Thaler erhöht. Jedes Kind musste nun 19 Silbergroschen und 2 Pfennig Schulgeld bezahlen. Der verbleibende Betrag wurde von den Einsassen durch eine erhöhte Grund- und Klassensteuer erhoben. Doch es war schwierig einen geeigneten Kandidaten zu bekommen, und so geriet der Unterricht in Benolpe ins Stocken. In den Wintermonaten wurden die Kinder nur 34 Tage von dem Lehrer Neuhaus aus Wegeringhausen unterrichtet.

Im Mai 1840 richtete die Regierung ein weiteres Schreiben an den Pfarrer Mambau und drängte auf eine baldige Wiederbesetzung der Schulstelle in Benolpe. Die Regierung forderte den Pfarrer auf, sich an den Seminardirektor in Büren zu wenden, "welcher Seminariasten zur Annahme dieser Stelle willig machen soll(te)".

Die zuvor erwähnten Schulamtsaspiranten Waimar und Mönich haben wahrscheinlich in der folgenden Zeit die unbesetzte Schulstelle in Benolpe verwaltet.


Im Oktober 1840 ergriff die Regierung die Initiative und besetzte die Schulstelle in Benolpe mit dem Seminariasten Feldmann. Dieser sollte nur so lange die Stelle besetzen, bis der Pfarrer Mambau einen geprüften Kandidaten gefunden hätte, der dann die 52 Kinder dieser Schule unterrichten sollte.

Neuer Lehrer in Benolpe wurde schließlich Serverin Böhler. -Fußnote: In der Schulchronik ist das Anstellungsjahr 1838 angegeben, welches jedoch nicht richtig ist.-

Der Schulbesuch war in Benolpe sehr schlecht. Wurde er in anderen Schulen des Kirchspiels gelobt, so war der Schulbesuch in Benolpe, nach Angaben des Landrates, der unregelmäßigste. Der Schulinspektor forderte deshalb zu erhöhten Strafen auf. Der Schulvorstand verwies jedoch darauf, dass die Eltern der Schulkinder sehr arm seien und dies der Grund dafür sei, dass die Hälfte der Kinder zum Viehhüten eingesetzt wurde. Aus diesem Grunde, so der Schulvorstand, sei der regelmäßige Schulbesuch fast unmöglich, und eine Besserung dieses Übels könne auch nicht "durch Strenge" herbeigeführt werden.

Doch nicht nur die Armut der Gemeinde, sondern auch die Arbeit des Lehrers war ein Grund für den unregelmäßigen Besuch des Unterrichts. Bereits im April 1846 beschwerte man sich über Böhler. Der praeses in internis, Pastor Gördes, erklärte im Namen des Schulvorstandes, dass der Lehrer zwar einen christlichen Lebenswandel führe und die ihm anvertrauten Schüler in sittlicher und intellektueller Hinsicht weiter führe als dessen Vorgänger, dass jedoch die Klagen hinsichtlich seines Schule Haltens im Lauf des Winters erhoben worden wären. Aus diesem Grund wurde Böhler die definitive Anstellung verweigert.

Noch im September 1847 beklagte sich die Schulgemeinde über den unregelmäßigen Unterricht des Lehrers. Böhler wurde beschuldigt, den Unterricht öfters ausfallen zu lassen oder zu spät begonnen zu haben. Der Lehrer bestritt diese Anschuldigungen und beteuerte, dass ihm sehr an der Pünkt­lichkeit des Unterrichts gelegen wäre. In seinem Rechtfertigungsschreiben an den Pfarrer weißt Böhler darauf hin, dass er die Kinder im Winter sogar in seiner Wohnung unterrichtet habe, da das Schullokal zu kalt war, und dass er des öfteren auch privates Brennholz in der Schule verfeuert habe, damit die Kinder nicht frieren müssten. Die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen wies er ab, indem er die Dorfbewohner der Missgunst gegenüber dem Lehrer beschuldigte. Er räumte jedoch ein, die versäumten Stunden nachholen zu wollen.

Trotz aller Beteuerungen wurde der Lehrer bis zu seiner Entlassung im Jahre 1857 -Fußnote: In der Schulchronik ist zu lesen, dass der Lehrer bis zu seinem Tod, im Jahre 1856, sein Amt treu und gewissenhaft verwaltete. Nach Angaben der Quelle ist diese Aussage allerdings sehr zweifelhaft ...- nicht definitiv angestellt und musste deshalb mit einem sehr kärglichen Gehalt von 90 Thalern seine Familie ernähren. Er lebte so ärmlich, dass er mit seiner Familie "mit bitteren Nahrungssorgen zu kämpfen" hatte.

1857 wurde Böhler in den Ruhestand versetzt, da er wegen Krankheit seinen Dienst nicht mehr ausführen konnte. Da Böhler nur kommissarisch eingestellt war, erhielt er keine Pension.


Bis die Schulstelle wieder neu besetzt wurde, unterrichtete Lehrer Neuhaus aus Schreibershof (früher Wegeringhausen) für eine Renumeration von 25 Thalern die Kinder in Benolpe.

Nach den Herbstferien trat Lehrer Johannes Dornseifer aus Rothenborn bei Römershagen die Schulstelle in Benolpe an.

Bevor Dornseifer in Benolpe eingestellt wurde, unterrichtete er an den Schulen in Heid und Elben. Damit der alte Lehrer Böhler nicht noch mehr verarmte, forderte die königliche Regierung Johannes Dornseifer auf, ihm die Lehrerwohnung unentgeltlich zu überlassen. Ob Dornseifer dieser Forderung nachgekommen ist, konnte nicht ermittelt werden.

Im April 1864 richtete sich Pfarrer Gördes mit einem Schreiben an den Landrat Freusberg, indem er "die Fuselwirtschaft der Gebrüder Scheele zu Husten" beschuldigte, unerlaubt Branntwein ausgeschenkt zu haben. Der Lehrer Dornseifer, der an dem angeblichen "Gelage" in dieser Wirtschaft teilgenommen hatte, sollte als Zeuge hierzu auftreten. Ein Gerichtsverfahren wurde eingeleitet, und der Lehrer musste mehrere Aussageberichte hierzu abgeben. Es stellte sich schließlich heraus, dass das angebliche Trinkgelage nur ein harmloser Abend bei Kartenspiel und Branntwein war. Der Pfarrer hatte wohl viel Wind um Nichts gemacht, um den Lehrer für seinen Aufenthalt im Gasthaus zu strafen. Am Ende wurde das Verfahren eingestellt. Der Pfarrer Gördes nahm folgende Stellung zum Vorgang:

"... mit dem Bemerken, daß nach meinem Dafürhalten in der fraglichen Angelegenheit zu keinem besseren Resultate führen wird, denn wenn Zeugen, wie Lehrer Dornseifer, so rücksichtsvoll für Scheele in ihren Vernehmungen sich aussprechen, so läßt sich Huster Gästen, die ohne Zweifel sehr interessant sind, über die Dinge, die da kommen können, noch weniger Gravierendes für ihren Fuselwirt erwarten. Ich werde gegen Dornseifer in der Folge keine Rücksicht nehmen und auf sein Benehmen ein wachsames Auge halten."

Die Kontrolle des Privatlebens der Lehrer durch die Pfarrer wird hier besonders deutlich. Doch es gab auch andere Geistliche, die Verständnis zeigten und sich für die Lehrer einsetzten. Zu diesen Pfarrern zählte auch Dechant Fischer. Als Johannes Dornseifer am 27. Juni 1868 definitiv in Benolpe angestellt wurde, schrieb dieser über Lehrer Dornseifer folgenden Brief (ohne Adresse):

"Herr Johannes Dornseifer, Pfarrei Drolsha­gen, ist seit 1838 im Schulamte tätig. Von diesen 30 Jahren war er 20 Jahre Lehrer in Heid, Pfarrei Wenden und von 1857 bis jetzt Lehrer zu Benolpe. Schon im Jahre 1846, (...) wurde derselbe definitiv angestellt. Bei dessen Versetzung nach Benolpe im Jahre 1857 sagte der Schulinspektor Schmidt zu Wenden in einer vertraulichen Eingabe an den königl. Landrath, Herrn Regierungsrath Freusberg zu Olpe, von im wörtlich: 'Dornseifer ist ein ehrenwerter Lehrer, und würde Benolpe sich (be)glückwünschen können, wenn er ihr Lehrer würde.' Daß bei dieser Versetzung die definitive Anstellung in eine provisorische überging, hat lediglich seinen Grund darin, daß ihm bei Lebzeiten des erkrankten Lehrers Böhler zu Benolpe die Stelle nicht definitiv übertragen werden konnte. (...) Was die sittliche Führung des Dornseifers betrifft, so ist dessen Friedlieben in Gemeinde und Familie, seine Sparsamkeit, Geduld in der Armuth, Folgsamkeit gegen die Vorgesetzten, sein Eifer in der Schule und seine ganze religiöse Haltung und echt patriotische Gesinnung, sehr lobenswert. Wenn es vorgekommen, daß er bei mehreren patriotischen Festlichkeiten in den letzten Jahren sich etwas berauscht hat, so dürfte das um so mehr zu vergessen und zu vergeben sein, da solches bei besonders freudigen Ereignissen vorkam und sich nicht wiederholt hat. Seine Leistungen in der Schule sind zwar befriedigend, werden aber gesteigert werden, sobald den durchgehend armen Kindern die Handbücher beschafft sein werden."

Ein Jahr später wurde der Lehrer Dornseifer von einem Gemeindemitglied beschuldigt, dem Trunke verfallen zu sein. Diese Beschuldigung wurde von der königlichen Regierung nach einer Untersuchung mit folgender Begründung wider­legt:

"Ihre Beschwerde gegen den Lehrer Dornseifer zu Benolpe hat zu einer genauen Untersuchung Veranlassung gegeben und sich dabei als durchaus unbegründet herausgestellt. Der Lehrer Dornseifer ist nach dem übereinstimmenden Urteil des Ortsschulvorstandes und der vorgesetzten Behörde, dem Trunke nicht ergeben und verwaltet sein Amt als Lehrer gewissenhaft und mit Innehaltung der vorschriftsmäßigen Schul­stunden, zur Zufriedenheit und mit Erfolg. Ihre Beschwerde muß daher zurückgewiesen und die falsche Anschuldigung des Lehrers ernst mißbilligt werden."

Auch das Gemeindemitglied Josef Quiter beschuldigte den Lehrer unberechtigt. -Fußnote: Welche Beschuldigung hier vorlag, ist nicht dokumentiert.- Da dieser seine Beschuldigung jedoch nicht zurücknahm, erhielt Dornseifer das Recht, Quiter wegen Verleumdung zu verklagen. Ob er das tat, konnte jedoch nicht ermittelt werden.

Johannes Dornseifer bekam, wie schon erwähnt, ein sehr geringes Gehalt. Sein Einkommen bestand aus einem jährlichen Bareinkommen von 145 Thaler und der Bareinnahme eines kleinen Gütchens, womit er weitere 25 Thaler jährlich erwirtschaften konnte. Er lebte mit seiner großen Familie in bitterer Armut. Im August 1872 richtete er ein Bittschreiben an die königliche Regierung, indem er seine finanzielle Lage beschreibt. Um sich eine Vorstellung über die bedrückenden Verhältnisse der Lehrerfamilie machen zu können, wird dieses Schreiben hier zitiert:

"... Bleiben mir nach Abzug der Wiesenpacht 150 Th(aler) bare Einnahmen, macht täglich 12 S(ilber)gr(oschen) 3 69/73 Pf(ennige), wovon ich eine Familie von 6 Personen, mit noch 4 unerwachsenen Kindern, daß älteste 10 Jahre alt, ernähren muß. Es kommen also auf die Person ca. täglich 2 Sgr., wofür man kaum einmal des Tages das Abendessen besorgen kann, zumal wenn man bei den jetzt so hohen Preisen, wie voriges Jahr, das ganze Jahr hindurch für ca. 90 Thl. Brot und für 30 Thl. Kartoffeln kaufen muß. Auch sind mir solange ich in Benolpe bin, schon 2 mal die Früchte vom Hagel zerstört worden und in einem Jahre kam ich durch plötzlich eintretende Krankheit um meine einzige Kuh und ein Schwein. Bei solchen Verhältnissen ist es dann gekommen, daß ich in der Zeit meines Lehrerwirkens nicht nur mein elterliches Vermögen mit eingesessen (sondern) auch noch circa 200 Thl. Schulden bekommen habe. Da heißt es nun kaum: Die Lehrer Gehälter sollen erhöht werden, so stürmen alle Kreditoren mit Mahnzetteln und Klagen auf einen loß(!) und fordern ihr Guthaben. In voriger Woche wurde ich mit einer Masse solcher Gedenkzettel beehrt, nämlich der Bäcker fordert 35 Thl., der Gerber 23 Thl., der Kaufmann 67 Thl. an Wiesenpacht 20 Thl. und eine Klage von 7 Thl. für noch rückständige Auktionsgelder. Sollte man nun dadurch in Verzweifelung geraten und seinen Stand und Beruf verwünschen und denken: Wahrlich, ein Eisenbahnjunge, ja, der kaum aus der Schule entlassen und vielleicht noch nie eine Hacke oder Schüppe in der Hand gehabt, ist jetzt bei einem täglichen Verdienste von 1 Thl. gegen einen Lehrer mit Familie und Vater zu beneiden. Wenn ich doch einmal alle meine Schulden getilgt hätte, dann wollte ich mich schon hüten, wieder neue zu machen, so denkt man, aber - bei solch bewandten(?) Umständen kommt man nie wieder heraus. In so verzweifelten Verhältnissen wagt es nun der Unterzeichnete ganz untertänigst, die Bitte vorzutragen. (...)"

Lehrer Dornseifer


Da die mittellose Schulgemeinde nicht in der Lage war, das Lehrergehalt zu erhöhen, besserte die Regierung das kärgliche Gehalt durch einen Staatszuschuss auf 190 Thaler jährlich auf. Damit blieb es aber immer noch unter dem Minimalgehalt von 230 Thaler. Aus diesem Grund bat der Schulvorstand um einen weiteren Zuschuss von 30 Thaler. Dieser wurde von der königlichen Regierung in Aussicht gestellt. Wann dieser Zuschuss ausgezahlt wurde, konnte nicht festgestellt werden.

Im Jahre 1852 erwarben die Söhne der Dorfeinsassen Jakob Engel und Caspar Quiter  (Anmerkung: In der Schulchronik Benolpe wird gesagt, dass sich diese beiden Dorfbewohner besonders um die Schule in Benolpe verdient gemacht und mit Eifer an der Verbesserung des Schulsystems gearbeitet hätten. Aus den Akten erfährt man jedoch, dass diese Aussage nicht immer ganz der Wahrheit entsprach. Caspar Quiter wahrscheinlich der Quiter, der den Lehrer ungerechtfertigt beschuldigte.) - Anmerkung des Verfassers: Der Lehrer Dornseifer wurde von Josef Quiter beschuldigt. Möglicherweise war Caspar Quiter der Vater von Josef Quiter. 1831 wird als Eigentümer vieler Grundstücke u. a. auch eines Wohnhauses eine Johann Joseph Quiter genannt.-   durch eine Kollekte (in den Kreisen Arnsberg, Brilon, Meschede, Lippstadt, Olpe und Soest) ein Haus mit einem Gut, welches zu Schulzwecken verwendet werden sollte. Das Haus war ein einstöckiges Fachwerkhaus, das in der Mitte des Dorfes stand. Ein Schulsaal und eine Lehrerwohnung wurden darin eingerichtet. Genügte der Schulsaal den Ansprüchen und der durchschnittlichen Schülerzahl von 50 Kindern, so war die Lehrerwohnung sehr dürftig. Sie war sehr klein und feucht, und man versuchte, die Wohnung durch einen Umbau zu vergrößern.

Im Jahresbericht des Kreisschulinspektors Dechant Fischer im Oktober 1871, wurde der Zustand der Lehrerwohnung bemängelt und eine baldige Reparatur gefordert.

Um sich eine Vorstellung über die räumlichen Verhältnisse innerhalb der Klasse und den Zu­stand der Schule machen zu können, soll an die­ser Stelle folgendes Erläuterungsschreiben zitiert werden:

"Das Alte, von Lehmfachwerk erbaute Schulhaus, befindet sich in einem Zustande, der jeder Beschreibung spottet. Die Schulstube ist so klein, daß es unmöglich ist, die Kinder alle darin unterzubringen; der Raum ist nur für ca. 30 Kinder ausreichend, es sind aber z(ur) Z(eit) 57 Kinder unterzubringen. Da ein passendes Schulzimmer in Benolpe anderweit nicht zu bekommen ist, so erscheint ein Neubau hier als dringend nothwendig, ebenfalls nothwendig erscheint eine Lehrerwohnung, da für den Lehrer ein standesgemäßes Unterkommen anderweit nicht zu beschaffen ist, derselben aber in der jetzigen Wohnung weder bleiben will noch (...) kann, da der Aufenthalt in dieser feuchten und schlechten Wohnung in kurzer Zeit auch die beste Gesundheit untergraben muß. (...)" -Fußnote: Die Unterschrift des Beamten ist nicht lesbar.-

Die königliche Regierung in Arnsberg ordnete die baldige Reparatur des Gebäudes an. Andernfalls könne das Schulhaus in Benolpe nicht weiter zugelassen werden. Eine Schließung der Schule, so die Regierung, wäre jedoch, mit Rücksicht auf die Schulkinder und die Entfernung der zum Schulverband Benolpe gehörigen Ortschaften zu anderen Schulen, abzulehnen. Aus diesem Grund gewährte die Regierung der Schulgemeinde ein Darlehn von 110 Thalern zu den Reparaturkosten, welcher innerhalb von 12 Jahren amortisiert werden musste.

Grundriss des Schulhauses, welches 1852 gekauft wurde.
Grundriss des Schulhauses, welches 1852 gekauft wurde (StaD: A 900/1).

Im August 1873 waren diese Reparaturen immer noch nicht durchgeführt worden. Der Lehrer Dornseifer weigerte sich nämlich, diese Arbeiten ausführen zu lassen, da diese sich in seinen Augen nicht lohnten. Der Lehrer begrün­dete seine Ansicht, indem er erklärte, dass durch die vorliegenden Reparaturen weder an Raum in der Lehrerwohnung gewonnen, noch die Kälte und Feuchtigkeit im Schulsaal beseitigt wäre. Nach Ansicht des Lehrers Dornseifer kam nur ein Schulneubau in Frage. Aber die Gemeinde war nicht in der Lage, die Baukosten für ein neues Gebäude zu tragen. Sie konnte nur den Erlös für das alte Schulhaus und einen Bauplatz zur Verfügung stellen. Dies deckte jedoch bei weitem nicht die Kosten für ein neues Schulhaus. Seit 1875 bemühte sich die Gemeinde, unter Darlegung der Notwendigkeit eines Neubaus und der Mittellosigkeit der Gemeinde, um Verhand­lungen mit dem Ministerium bezüglich eines Staatszuschusses. Doch alle Bemühungen blieben vergebens.

Um aus der "engen, niedrigen, dumpfen Schulstube" -Fußnote: Erinnerungen des Lehrers Wilhelm Dornseifer (Sohn des Johannes Dornseifer) in der Chronik- zu kommen, ging Lehrer Dornseifer an heißen Sommertagen mit seinen Schulkindern hinaus und unterrichtete diese in einer Art Waldschule unter schattigen Buchen, auf einem Platz von etwa 8 bis 10 m Durchmesser. Dies geschah zur besonderen Freude der Schüler, denn dieser Platz war "ein Lieblingsplatz der Dorfjugend."

Im Mai 1880 stellte die königliche Regierung eine Summe von 8810 Mark zum Bau eines Schulhauses in Aussicht. Die Schulgemeinde begann sofort mit den Bauarbeiten. Kurze Zeit später wurde die in Aussicht gestellte Summe endgültig bewilligt. Schon im Dezember 1880 wurde das neue Gebäude fertiggestellt und im gleichen Monat bezogen.

Das neue 1½ stöckige Schulhaus war 16 m lang und 10 m breit. Der Schulsaal hatte eine Länge 8,60 m, eine Breite von 6 m und eine Höhe von 3,50 m. 

 

Situations-Plan zum Bau eines Schulgebäudes in Benolpe vom April 1880 

 Situations-Plan zum Bau eines Schulgebäudes in Benolpe vom April 1880 (StaD: A 900/1).

Die Einrichtung des Schulsaales wurde genauestens erwogen und ausdiskutiert. Nach welchen Kriterien dies geschah, soll durch das folgende Erläuterungsschreiben verdeutlicht wer­den. Die Einrichtung dieser Schule ist deshalb von Bedeutung, da man sie wahrscheinlich in allen Schulen so vorfand. Darum kann man die­ses Beispiel verallgemeinernd für alle Schule des Kirchspiels Drolshagen im 19. Jahrhundert neh­men:

Skizze: Schuleinrichtung Benolpe
Skizze: Schuleinrichtung Benolpe vom 11.12.1879 (StaD: A 900/1)
"Für den gegenwärtigen Bestand der Kinder von 57 bis 62 genügt die Beschaffung von 64 Plätzen. Dazu sind erforderlich 8 Bankreihen à 2 (mal) 4 Plätze oder 16 Subsellien von 2,25 m Länge (jedes Kind 0,56 m). Dieselben werden wie in der Skizze dargestellt, in 2 Reihen neben­einander (für Knaben und Mädchen getrennt) angeordnet, mit einem Seitengang von 1 m und 1 Mittelgang von 0,50 m Breite. (Für den Gang am Fenster fehlt der Platz.) Die Subsellien werden nach Alter der Kinder in 3 Größen an­gefertigt, 6 kleine, 4 mittlere und 6 größer nach Zeichnung. (...) Die Ausführung erfolgt ganz aus Eichenholz, was verhältnismäßig sehr wenig kostspieliger ist, als wenn einzelne Theile aus Tannenholz ausgeführt würden. Jede Schulbank erhält 2 versenkte gläserne Dientenfässer (! gemeint sind hier Tintenfässer) mit Blechkappe und (...?) und 4 Mulden im oberen Theile zwi­schen den Dientenfässern für Griffel und Feder. Außerdem wird ein Pult für den Lehrer, dane­ben ein Podium, einen Kartenschrank und 2 Wandtafeln beschafft."

Die Lehrerwohnung konnte erst im Mai 1881 bezogen werden. Sie bestand aus zwei Zimmern und einer Küche, sowie zwei größeren und einer kleineren Dachkammer.
Im Jahre 1882 wurde der Bau eines sogenann­ten Ökonomiegebäudes in Angriff genommen. Dieses Gebäude diente der Unterbringung des Viehs, der Gartengeräte und des Brennholzes der Schule. Im Jahre 1883 wurde der Bau beendet. Da dieser jedoch zu klein war, musste er wenige Jahre später (1895) durch einen Anbau erweitert werden.
Situation zum Bau eines Ökonomiegebäudes der Schule Benolpe 1882 
Skizze: Ökonomiegebäude der Schule Benolpe 1882 Skizze: Ökonomiegebäude der Schule Benolpe 1882
Skizze: Ökonomiegebäude der Schule Benolpe 1882 (StaD: A 900/1) 

 

 Repro-Ausschnitt aus einer alten Benolper Ansichtskarte aus dem Jahre ca. 1925. Die Abbildung zeigt die ehemalige Benolper Schule mit dem heute nicht mehr vorhandenen Ökonomiegebäude (Stallgebäude) -1954 abgebrochen- und dem alten Abortgebäude (Toilettengebäude) -1957 abgebrochen-. Quelle: Bildarchiv der Stadt Drolshagen
Repro-Ausschnitt aus einer alten Benolper Ansichtskarte aus dem Jahre ca. 1925.
Die Abbildung zeigt die ehemalige Benolper Schule mit dem heute nicht mehr vorhandenen Ökonomiegebäude (Stallgebäude) 
-1954 abgebrochen- und dem alten Abortgebäude (Toilettengebäude) -1957 abgebrochen-.
Quelle: Bildarchiv der Stadt Drolshagen

Die erste Revision, die noch dokumentiert ist, fand im Jahre 1884 statt. Zunächst hielt der Leh­rer Dornseifer eine zweistündige Lehrprobe. Mit der Ober- und Mittelklasse hielt er eine halbe Stunde ein Examen über die Jugendjahre Jesu. Anschließend wurde mit der Mittelklasse das Lesestück "Die Milch" gelesen und fachlich behandelt, während die Oberklasse einen Aufsatz über den Frühling schrieb. Daraufhin wurde, ebenfalls eine halbe Stunde, das Lesestück "Der Edelknabe des Königs" mit der Oberklasse gele­sen und fachlich behandelt. Nach einer Viertel­stunde Geographie des Kreises Olpe, wurde die Lehrprobe mit einer Viertelstunde Gesang und Deklamation beendet.

Wie die Lehrprobe bewertet wurde, ist in der Chronik Benolpe leider nicht erwähnt.

Im November 1884 trat das Scharlachfieber unter den Schülern auf. Dies hatte zur Folge, dass der Unterricht in den folgenden 6 Wochen sehr unregelmäßig war. Als die Krankheit auch auf die Lehrerfamilie übergriff, wurde die Schule vom 9. Dezember 1884 bis zum 4. Januar 1885 geschlossen. Das Scharlachfieber grassierte noch bis Anfang Mai, und 12 Schüler starben daran. Der Lehrer Rüsche schrieb in der Schulchronik, dass "im Lernen der Schüler nur Stillstand und Rückgang" war. Aus diesem Grund fiel die Prü­fung der Schule durch den Schulrat Schräder im Schuljahr 1885 weniger gut aus. Der unregel­mäßige Schulbesuch setzte sich im Winter 1885 weiter fort, da die Kinder wegen des hohen Schnees häufig nicht zur Schule kommen konn­ten. Bis Mitte März kamen nur die 15 - 23 Kin­der aus Benolpe regelmäßig zum Unterricht. Die in den ¾ Stunde entfernten Ortschaften Gelslin­gen, Feldmannshof und Gipperich wohnenden Kinder konnten den Schulweg, der zum Teil 1 m hoch verschneit war, so gut wie gar nicht gehen.

Trotz dieses unregelmäßigen Schulbesuchs zu Beginn des Jahres waren die Schulräte Rohs aus Arnsberg und Schräder aus Attendorn mit den Leistungen der Kinder im Mai 1886 zufrieden.

Die Schulprüfung durch den Schulvorstand, im August 1887, soll hier noch einmal genauer beschrieben werden, da sie Einblick in die päd­agogische Arbeit des Lehrers und den Schulalltag der Kinder gibt. Geprüft wurden an diesem Tag nur die Mittel- und Unterklasse. Zunächst wurde der erste Glaubensartikel mit beiden Klassen vorgenommen. Wie dies genau aussah, wird in der Chronik Benolpe nicht näher erläutert. An­schließend schrieb die Mittelklasse einen Auf­satz. Die Unterklasse hatte währenddessen Lesen und Rechnen. Darauf las die Mittelklasse das Stück vom "Fuchs und Hasen" aus der Sprach­lehre. In dieser Zeit schrieb die Unterklasse ein Lesestück und von der Wandtafel eine Vorschrift ab. (Um welche Vorschrift es sich hierbei han­delt, wird nicht gesagt.) Abschließend hatte die Mittelklasse Kopfrechnen. Daraufhin folgten wieder Gesang und Deklamation. Nach der Lehr­probe fand, wie es üblich war, eine kleine Konfe­renz statt. Lehrer Dornseifer schrieb hierzu in der Chronik:

"Nachdem nun eine Tasse Kaffee eingenommen, wurde die Lehrprobe rezensiert. Darauf hielt Lehrer Tigges einen Vortrag über den 'Stufengang des Rechtschreibunterrichts'. Zum Schlusse wurde bei einem Glas Bier sich noch bis zum Abschiede ganz gemütlich, mit aller­hand Anektoden und Erlebnissen unterhalten."

Am 1. April 1889 wurde der Lehrer Johannes Dornseifer, auf eigenen Wunsch, mit einer Pen­sion von 1013 Mark in den Ruhestand versetzt. Von seinen 10 Kindern lebten noch sieben. Drei der noch lebenden Söhne gingen alle dem Lehrer­beruf nach. Dornseifers Sohn Wilhelm wurde auch sein Nachfolger in der Schule Benolpe.

Wilhelm Dornseifer wurde am 28. Mai 1868 geboren und besuchte die einklassige Volks­schule, in der sein Vater unterrichtete. Durch Privatunterricht wurde er von seinem Vater auf das Lehrerseminar vorbereitet. Nachdem er von Pfingsten 1888 bis Februar 1889 am Lehrer­seminar in Büren war, machte er seine erste Leh­rerprüfung im Februar 1889. Am 1. April über­nahm er die Verwaltung der Volksschule in Benolpe, welche ihm am 11. Mai 1889 proviso­risch übertragen wurde. Als Gehalt erhielt er 810 Mark. Eine Wohnung und Brennmaterial wurden ihm mit 90 Mark vergütet. Damit betrug sein Gesamteinkommen 900 Mark.

Seine Lehrertätigkeit an der Volksschule in Benolpe musste Wilhelm Dornseifer im selben Jahr, vom 19. August bis zum 30. Oktober unterbrechen, da er eine 10wöchige Militär­übung ableisten musste. Da für ihn keine Vertre­tung gefunden wurde, fiel der Unterricht in dieser Zeit aus.

Im Januar des folgenden Jahres traten die Masern unter den Schülern auf. Als die Krank­heit sich immer heftiger ausbreitete, musste die Schule für vier Wochen geschlossen werden.

Der nächste Unterrichtsausfall war im Spät­sommer desselben Jahres: Lehrer Dornseifer wurde abermals zu einer 6wöchigen Militär­übung eingezogen. Da wieder keine Vertretung für den Lehrer besorgt wurde, mussten die Herbstferien bis zu seiner Rückkehr verlängert werden.

Trotz der häufigen Unterrichtsausfälle war der Schulbesuch der 71 Kinder gut. Nur im Win­ter wurde der Unterricht unregelmäßig besucht, da die auswärtigen Kinder, wegen des hohen Schnees, ihren Schulweg häufig nicht passieren konnten.

Im Mai 1892 bestand Wilhelm Dornseifer seine 2. Lehrerprüfung in Büren. Im August 1892 wurde er in Benolpe definitiv angestellt. Lehrer Dornseifer erhielt nun ein Gehalt von 960 Mark incl. 90 Mark für Wohnung und Brennbe­darf.

Die Schülerzahl hatte in diesem Jahr ihren höchsten Stand erreicht. Lehrer Dornseifer un­terrichtete 82 Schüler.

Noch im selben Jahr musste der Unterricht wieder wegen einer Militärübung des Lehrers, vom 12. Juli bis zum 8. August, ausfallen. Aus diesem Grund wurden die Hauptferien auf drei Wochen gekürzt.


Infolge des Gesetzes vom 11. Juni 1894, wel­ches das Pensionsgehalt der Lehrer an öffentli­chen Volksschulen betraf, wurde die Schulge­meinde Benolpe von der Zahlung des Betrages von 413 Mark zur Pension des Johann Dornseifer entbunden. Aus diesem Grund richtete Wilhelm Dornseifer ein Schreiben an den Schulvorstand mit der Bitte um eine Gehaltserhöhung auf 1200 Mark ohne Miet- und Brandentschädigung. (Die übrigen Lehrer der Landgemeinde Drolshagen erhielten ebenfalls diese Summe.) Der Schulvor­stand erhöhte das Lehrergehalt, doch Dornseifer erhielt nur ein Bareinkommen von 1110 Mark. Die Wohnung wurde mit 100 und das Brennma­terial mit 40 Mark angerechnet. Das Gesamtein­kommen des Lehrers betrug demnach 1250 Mark.


Im März 1897 wurde die Schule durch den Kreisschulinspektor Schräder inspiziert. In sei­nem Revisionsbericht schrieb er über das Ergeb­nis der Prüfung:

"Der Lehrer ist stets fleißig und pflichttreu. Seine und der Kinder Haltung war sehr gut, das Gesamtergebnis der Prüfung war mehr als gut."

Ein halbes Jahr später fiel das Prüfungser­gebnis genauso gut aus. Schräder schreibt hierzu:

"Der Lehrer ist stehts gleich fleißig. Die Kinder waren lebendig und aufmerksam. Das Gesamt­ergebnis der Prüfung war im ganzen sehr gut.“

Im gleichen Jahr wurde die Erteilung des Industrieunterrichts in der Schule Benolpe der Ehefrau des Lehrers übertragen.


Im November 1902 wurde der neue Pfarrer Müermann zum Ortsschulinspektor für die Schulen des Amtes Drolshagen ernannt. Dieser besuchte die Schule in Benolpe am 2. Dezember 1902 zum ersten Mal. Wilhelm Dornseifer beschrieb den Besuch des Pfarrers in der Schulchronik:

"Nachdem der genannte Herr den Kindern durch den Lehrer vorgestellt war und die Kin­der durch den Lehrer aufgefordert waren, ihrem neuen Pfarrer und Ortsschulinspektor durch Fleiß und Frömmigkeit und gutes Benehmen stehts Freude zu machen, erkundigte sich Herr Müermann nach dem bisherigen Fleiße und Betragen der Kinder und ermahnte dieselben fortan, durch gewissenhafte Benutzung der Schulzeit, den Grund zur späteren zeitlichen und ewigen Wohlfahrt zu legen."

Der Pfarrer Müermann und der Lehrer Dorn­seifer müssen ein recht gutes Verhältnis zuein­ander gehabt haben, denn der Lehrer wurde auf den Vorschlag des Ortsschulinspektors zum Mitglied des Schulvorstandes gewählt.

Im Dezember 1903 prüfte der Kreisschulin­spektor die Schule Benolpe. Die Arbeit des Leh­rers beurteilte er wie folgt:

"Der Lehrer Dornseifer ist einer der tüchtigsten Lehrer meines Bezirks. Er ist beim Unterricht äußerlich ruhig, aber mit voller innerer Teil­nahme bei der Sache, fragt korrekt, nimmt die Selbständigkeit der Kinder gut in Anspruch und handhabt deshalb eine vorzügliche Schulzucht. Ich bedauere sehr, daß er in Rücksicht auf seine Mutter sich nach Fröndenberg gemeldet hat und nicht die erste Schulstelle in der neuen Schule in Weidenau annehmen will."

Am 1. Juni 1904 wurde Wilhelm Dornseifer nach Fröndenberg a.d. Ruhr versetzt, wo er spä­ter zum Rektor ernannt wurde.

Sein Nachfolger wurde Wilhelm Harre. Er wurde am 25. Juli 1884 in Menden geboren. Nach 6-jährigem Besuch der Volksschule und dreijährigem Besuch der Rektoratsschule in Menden ging er zur Präparandenanstalt in Paderborn und besuchte anschließend das Semi­nar in Werl.

Seine Abgangsprüfung leistete er dort vom 3. bis zum 11. Mai 1904 ab. Am 1. Juni 1904 wurde Wilhelm Harre in Benolpe zunächst auf­tragsweise und am 5. Oktober schließlich defini­tiv angestellt. Zu seinem Gehalt (Die Höhe des Bareinkommens ist nicht dokumentiert.) wurde ihm seit dem 22. Juni 1904 der Ertrag der Dienstländereien der dortigen Schule mit 30 Mark angerechnet.

Im Winter 1904 fehlten an verschiedenen Tagen die Schulkinder aus Gelslingen wegen ihres schlechten Schulweges. Infolge einer Sepa­ration, wurde ein neuer Weg ausgemessen. Doch die Gemeinde weigerte sich, diesen Weg zu bauen. Aus diesem Grund gingen die Eltern der Schulkinder aus Gelslingen gegen die Strafen für versäumte Schulstunden vor. Sie wurden von der Schulstrafe freigesprochen, und die Gemeinde musste den Weg bauen. Wer über diesen Streit geurteilt hat, ist leider nicht vermerkt, doch man kann davon ausgehen, dass es die königliche Re­gierung in Arnsberg war, denn nur eine höhere Instanz konnte in diesem Fall den Streit schlich­ten.

Am 14. Februar 1906 erkrankte Wilhelm Harre und es wurde ihm ein Urlaub von 8 Wo­chen genehmigt. Sein Kollege Rehborn übernahm die Schulstelle, bis B. Hennes die dortige Stelle in Benolpe antrat. Am 1. April wurde Hennes nach Eschenbach (Kreis Siegen) versetzt. Weil der Lehrer Harre eine Verlängerung des Urlaubs bekam, verwaltete Lehrer Rehborn wieder die Schulstelle in Benolpe. Erst am 15. Juli 1906 übernahm Lehrer Harre wieder seine Schule.

Im Jahre 1907 wurde die Schule durch den Kreisschularzt untersucht. Das Ergebnis war recht zufriedenstellend:

Die 62 Kinder der einklassigen Schule hatten einen guten Gesundheitszustand. Es gab keine kurzsichtigen und keine schwerhörigen Kinder. Die Reinlichkeit des Körpers und der Kleidung war ebenfalls gut. Der als gut befundene Klas­senraum war 8,60 m lang, 6,00 m breit und 3,30 m hoch. Reinlichkeit und Belüftung des Schulsaales bezeichnete der Arzt, ebenso wie die Trinkwasserqualität und die Aborte, als gut.

Über den Unterricht des Lehrers Harre erfährt man aus dem Revisionsbericht des Jahres 1908 genaueres. Da der Bericht über die Arbeit des Lehrers sehr aufschlussreich ist, soll er hier voll­ständig zitiert werden:

"Der Lehrer Harre ist nicht zuverlässig. Der Ortschulinspektor hat ihn bereits zu größerer Pünktlichkeit angehalten; doch hat Harre diese Warnung anscheinend nicht beachtet. Am Prü­fungstage sollte der Unterricht nachmittags 1½ beginnen; als ich 1¾ Uhr bei der Schule eintraf, kommen einige Kinder aus dem nahen Walde; andere aus der Wiese, mit den übrigen hatte der Lehrer den Unterricht angeblich begonnen. Harre hat zwar schriftliche Vorbereitungen angefertigt, behält aber im Unterricht die Lehr­ziele nicht im Auge und strengt sich nicht an. Statt die Kinder beim Namen zu rufen, nickt er mit dem Kopf oder zeigt mit dem Finger. Bei Behandlung eines Lesestücks mußte der Lehrer das Buch gebrauchen und brachte doch nichts zu stande. Die Tagebücher hat er nie einge­sammelt, um die Niederschriften nachzusehen. Es fehlte in allen Fächern an gestrenger Arbeit. Die Leistungen der 4 oberen Jahrgänge genü­gen noch im allgemeinen, weil der frühere Leh­rer Dornseifer bei diesen Kindern einen guten Grund gelegt hat. Als dem Lehrer wegen seiner matten Arbeit Vorhaltungen gemacht wurden, erwiderte er: Das geht auch nicht alles so, man weiß ja überhaupt nicht, wo einem zuweilen der Kopf steht. Ich habe ihn ernstlich zurechtgewie­sen und ihm die Meldung zur II. Prüfung zu­rückgegeben."

Eine weitere Revision der Schule bei dem Lehrer Harre konnte nicht stattfinden, da der Lehrer bereits im März 1909 seine Entlassung aus dem Schuldienst eingereicht hatte. Am 1. April 1909 verließ Wilhelm Harre die Schule in Benolpe wegen Krankheit.

Für seine Stelle wurde Lehrer Schlüter ernannt, der jedoch zum Heer berufen wurde und die Stelle nicht antrat. Vom 1. bis zum 7. April 1909 blieb die Lehrerstelle in Benolpe unbesetzt.

Am 20. April trat schließlich Lehrer Reiter die Schulstelle an. Zuvor hatte er 2 Jahre die Schulstelle in Allagen (Kreis Arnsberg) verwal­tet. Doch schon am 26. April wurde er wieder zu seiner alten Schulstelle in Allagen versetzt.

Heinrich Meier, der zuvor 3 Wochen in Attendorn unterrichtet hatte, bekam nun die freie Stelle in Benolpe.
Meier wurde am 24. Dezember 1888 in Biele­feld geboren. Nachdem er 8 Jahre die dortige siebenklassige Volksschule besucht hatte, machte er die Aufnahmeprüfung für die Präparandenan­stalt in Rüthen im Jahre 1903. Im Jahre 1906 ging er zum Seminar nach Rüthen. Nach drei­jährigem Besuch des Seminars bestand er die Abgangsprüfung im Februar 1909.

Im selben Jahr wurde Heinrich Meier durch den Kreisschulinspektor geprüft. Dieser schrieb in seinen Bemerkungen über die Leistung der Klasse und des Lehrers folgende Bemerkung:

"Da die Schule von dem aus dem Amte geschie­denen Lehrer Harre vollständig vernachlässigt worden ist, konnten die Abteilungen nicht nach dem Alter der Kinder gebildet werden. Die mei­sten Kinder sind in der Unterstufe. Der Lehrer Meier hat den besten Willen, sein Können reicht aber noch nicht. Er ist auffallend hastig und aufgeregt, läßt den Kindern keine Zeit zum Überlegen und Sprechen. und hat auf keiner Stufe laut und in Sätzen sprechen lassen; er spricht selbst oft zu laut, oft zu leise und undeut­lich, wiederholt die Fragen und gestikuliert mit den Armen. In seinem Auftreten liegt keine Ruhe und Bestimmtheit. Der Lehrer ist eingehend unterwiesen. Er ist zu bedauern, daß er in einer so schwierigen Schuleinrichtung beschäftigt werden muß und sich nicht an einer mehrklassi­gen Schule in den Unterrichtsbetrieb einleben kann."

Am 26. Mai 1909 trat ein neues Lehrerbesol­dungsgesetz in Kraft. Das Grundgehalt sollte nun jährlich 1400 Mark betragen. Zudem kam noch eine freie Dienstwohnung oder eine Mietsent­schädigung. Der Schulvorstand des Gesamt­schulverbandes Drolshagen (Anmerkung: Zu Beginn des Jahrhunderts wurde der Gesamt­schulverband Drolshagen gebildet, der alle Schulen im Kirchspiel Drolshagen enthielt.) beschloss in der Sitzung vom 18. Januar 1910 die Dienstländereien auf 7 Jahre zu verpachten und die Pachtsumme dem jeweiligen Stelleninhaber der Schule zukommen zu lassen. Dieser Beschluss wurde von der Regierung jedoch nicht genehmigt, mit der Begründung, dass den auftragsweise beschäftigten Lehrern im hiesigen Amte eine Mietentschädigung von 167 Mark gewährt werde. Dienstwohnung und -ländereien übernahm das Amt und musste den Erlös der Amtskasse zukommen lassen.

In den Jahren 1911 und 1913 bezog der Leh­rer in Benolpe jedoch nur 1120 Mark zuzüglich einer Mietentschädigung von 167 Mark.

Aus den Schulrevisionsberichten der Jahre 1910 und 1911 kann man die Entwicklung des Lehrers Meier und seiner Klasse gut verfolgen.

Im Jahre 1910 schrieb der Kreisschulinspek­tor Frese:

"Die Unterstufe war gut gefördert. Auf Mittel- und Oberstufe war guter Fortschritt zu erken­nen, doch waren die Leistungen im mündlichen Ausdruck und Rechnen nicht immer genügend. Der Lehrer Meier ist fleißig und willig, denkt aber oft zu wenig bei seiner Arbeit. Die Behand­lung einer Bibelgeschichte und eines Lesestücks war verfehlt. Im Auftreten und Sprechen des Lehrers war mehr Ruhe und Bestimmtheit zu erkennen. Sein Verhalten gab nichts zu erin­nern."

Ein Jahr später schrieb Frese über die Schule Benolpe:

"Der Stand der Schule ist befriedigt. Es wird vom Lehrer und von den Kindern mit Interesse gearbeitet. Der Lehrer ist leistungsfähig und hat sich angestrengt. Er versteht die Kinder durch seinen Lehrton sowohl, als auch durch die Lehrform anzuregen."

Die Leistungssteigerung des Lehrers Meier innerhalb der drei Jahre seiner Anstellung ist deutlich zu erkennen. Er schafft es, trotz seiner Unerfahrenheit im Unterrichten, die Schulkinder auf einen befriedigenden Stand zu bringen.


Da das Schulgebäude sehr feucht war, ent­fernte man 1910 die Obstbäume an der Garten­seite der Schule. Durch diese Maßnahme erhoffte man die Feuchtigkeit etwas beseitigen zu kön­nen.

Im Oktober 1910 erkrankte Heinrich Meier. Er wurde beurlaubt, und der Lehrer Fabri aus Drolshagen übernahm seine Stelle vom 25. bis 29. Oktober 1910. Danach verwaltete Meier wieder die Schulstelle in Benolpe. Doch schon am 9. Dezember erkrankte Meier abermals, und er wurde bis zum 1. Februar beurlaubt. Lehrer Fabri verwaltete die Schulstelle bis zum 17. De­zember. Dann übernahm Lehrer Schlüter aus Neuenhaus, auf Anweisung des Kreisschul­inspektors, die Vertretung. Schlüter erkrankte jedoch selbst am 5. Januar 1911, und Lehrer Fabri wurde erneut mit der Verwaltung der Schulstelle bis zum 1. Februar betraut. Dann übernahm Lehrer Meier wieder seine Stelle.

Als der Kreisarzt im Jahre 1911 die Schule in Benolpe untersuchte, wurde ihr allgemeiner Zu­stand als gut bewertet. Lehrer Meier unterrichtete in diesem Jahre 77 Kinder.

Am 1. April 1911 wurde Heinrich Meier we­gen seines kränklichen Zustandes in eine mehrklassige Schule versetzt, da er der Belastung in einer einklassigen Schule gesundheitlich nicht gewachsen war.

An seine Stelle trat Joseph Hebler aus Witt­lich (Kreis Wittlich), geboren am 02.11.1890. Er hatte das Gymnasium zu Prüm und Münster besucht und ging, nachdem er ein Jahr am Amts­gericht zu Münster tätig war, im Herbst 1908 zum Seminar nach Coesfeld. Dort bestand er am 8. und 9. März 1911 seine Prüfung. Am 26. März erhielt Joseph Hebler dann die Berufung der königlichen Regierung nach Benolpe, wo er am 20. April offiziell in sein Amt eingeführt wurde.

 


Quellenhinweis: 
Jürgensmeier: Volksschulen 
StaD: Sammlung Schulen 112 und 113

 

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