Die Steinbruchbetriebe in der Schulgemeinde

"Benolpe - Geschichte einer Schulgemeinde" von Burkhard Lütticke

Die Steinbruchbetriebe in der Schulgemeinde

Im Stadtgebiet Drolshagen gibt es heute noch einige größere Steinbrüche. In früheren Jahren wurden aber immer wieder kleinere Brüche an­gelegt, die meist nur dem eigenen Bedarf dienten. Heute erkennt der aufmerksame Spaziergänger oft noch diese kleinen Abgrabungen, sofern sie zwischenzeitlich nicht wieder verfüllt worden sind.
Über die Steinbrüche der Schulgemeinde fin­den sich im Stadtarchiv Drolshagen nicht sehr viele Aufzeichnungen. Neben den zwei größeren Brü­chen, von denen heute noch der zwischen Stupperhof und Gipperich ge­legen Steinbruch­ in Betrieb ist, werden zwei kleine Brüche erwähnt.

Bei dem einen Steinbruch handelt es sich um einen Steinbruch bei Gipperich. Aus Anlass einer Ver­fügung des Regierungspräsidenten in Arns­berg richtete der Olper Landrat am 28. August 1891 eine Anfrage über Steinbruchbetriebe an den Amtmann in Drolshagen.
Polizeidiener Stachelscheid stellte bei seinen Ermittlungen fest, dass der Steinbruch bei Gippe­rich von Johann Joseph Feldmann aus Wegering­hausen betrieben wurde.
Diese Feststellung war wohl nicht ganz kor­rekt. Wie aus der Anmeldung des Steinbruchs vom 11.11.1891 hervorging, befand sich der Bruch bei Gipperich in der Gemarkung Bleche, Flur 10, Nr. 410 und 411. Diese Flur­stücke lagen linksseitig des Weges von Gipperich zur Station der St.-Anna-Prozession oberhalb von Feldmannshof. In der Urkarte von 1831 trägt dieser Bereich die Flurbezeichnung "Unten an der Ennert". Eigentümer der von Pfarrer Wirtz aus Belmicke, Bürgermeisterei Bergneustadt, angepachtet Grundstücksflächen waren Heinrich Feldmann und Heinrich Maiworm. Johann Joseph Feldmann war lediglich der Betriebsleiter. Weiter wurde in der Anmeldung angegeben, dass der Bruch nur "unterbrochen betrieben" werde und ein Aufbewahrungsraum für Sprengmateria­lien nicht vorhanden war. 

In einer Auflistung der Steinbrüche vom 08.06.1898 wird ein "Alterauge'sche" Bruch bei Gip­perich mit einem Arbeiter aufgeführt. Betrei­ber war der Kaufmann Rudolf Alterauge. Wei­tere Angaben, insbesondere zur Lage des Stein­bruchs sind nicht dokumentiert. Möglicherweise könnte es sich um den zuvor genannten Stein­bruch gehan­delt haben. Möglich ist aber auch, dass es sich bei die­sem Bruch um den Steinbruch zwischen Stup­perhof und Gipperich gelegen handelte, der spä­ter von der Firma Jungjohann & Siebel betrieben wurde.

Für den zweiten kleineren Steinbruch, be­antragte der Landwirt Franz Peter Willmes aus Feld­mannshof am 19.12.1895 beim Amt­mann in Drolshagen die Erlaubnis zum Betrieb. Franz Peter Willmes gab bei seiner Vorsprache an, dass er den zwischen Hützemert und Feld­mannshof gelegenen Bruch "Witten Kleff" zum Wiederaufbau seines abgebrannten Hauses be­treiben wolle. Der Bruch soll von seinem Sohn Franz Willmes geleitet werden, der mit der "Sa­che" vertraut ist. Wie aus einem weiteren Ver­merk des Amtmanns vom 05.03.1896 her­vor­geht, ist der Bruch auch angelegt worden.

Zwischen Hützemert und Feldmannshof, etwa 100 Meter rechts von der Kreisstraße nach Bel­micke gelegen, gibt es eine Flurbezeichnung "Witte Kleff". Hier existierte ein stillgelegter Stein­bruch. Der Bruch bestand zuletzt eigentlich aus zwei hinterein­ander, auf unterschiedlichen Geländehöhen liegenden Brüchen. Bei dem 1895/1896 in Betrieb genommenen Steinbruch dürfte es sich um den unteren Bruch gehandelt haben. Als dann der obere Bruch in Betrieb genommen wurde, ist das überschüssige Steingut über eine Loren­strecke in dem unteren Bruch abgekippt worden.
Wie mir mein Vater berichtete, sind in diesem Steinbruch noch die Steine für die 1960 erbaute Hützemerter Kirche gebrochen und bear­beitet worden.
Im Anschluss daran ist der obere Bruch bis Ende der 60er Jahre als Müll­kippe für die Ablagerung von Hausmüll genutzt worden. In den 1970er Jahren wurde dort immer wieder privater Müll entsorgt. Im Jahr 1983 wurde die gesamte Müllkippe mit Erdreich abgedeckt und bepflanzt. 

Nachfolgend will ich mich nun mit den beiden größeren Steinbrüchen befassen, in denen ein gewerbsmäßiger Abbau stattfand.

  • Der Benolper Steinbruch

Die Schulchronik gibt zu diesem Steinbruch nur wenige Anhaltspunkte. Nach der Schulchro­nik wurde der Steinbruch als "Ülnersche Bruch" bezeichnet.

Lageplan zum Steinbruchbetrieb Benolpe von 1899 (StaD: A 1345)
Lageplan zum Steinbruchbetrieb Benolpe
von 1899 (StaD: A 1345)

Im Stadtarchiv Drolshagen findet sich die "An­zeige über Inbetriebsetzung eines Stein­bruches (Gräberei)" vom 03.06.1899. In der Anzeige zeigte ein Richard Uellner aus Sprenklin­gen bei Waldbröl an, dass er bei Benolpe einen Stein­bruch betreiben will. Als Betriebsleiter benannte er sich selber. Zur Art und Weise wie der Betrieb geführt werden sollte, gab Richard Uellner "Hand­betrieb" an. Der Anzeige ist der nebenstehende Lageplan beigefügt.

Schon einen Monat nach der Betriebsanzeige ist einem Vermerk des Amtmanns Diekmann vom 10.07.1899 zu entnehmen, dass Richard Uellner die Leitung seines Steinbruchs dem Bruchmeister Robert Klein aus der Bürgermeisterei Wiehl übertragen hatte. Im Oktober des gleichen Jahres fand eine Überprüfung des Steinbruchs durch die Königliche Gewerbe-Inspection in Siegen statt. Dabei wurde bemängelt, dass keine Aufenthalts- und Schutzraum für die Arbeiter vorhanden war. Im Jahr 1899 beschäftigte Uellner zehn Männer.

Die nächste Aufzeichnung zu diesem Stein­bruch datiert vom Januar 1907 als Richard Uell­ner eine Anfrage des Drolshagener Amtmanns beantwortete. In seiner Antwort teilte er dem Amtmann mit, dass er im Jahr 1905 acht Mann beschäftigt hatte. Die Lohnauszahlung betrug in diesem Jahr 3.954,65 Mark. Weiter teilte er mit, dass er 1905  890 Tonnen Pflastersteine gefertigt hatte.

Richard Uellner muss den Betrieb jedoch nach einigen Jahren, spätestens aber vor dem 1. Welt­krieg eingestellt haben. Dies lässt sich daraus schließen, dass die Schulchronik im Jahr 1938 darauf hinweist, dass der Uellnersche Bruch bereits seit vor dem 1. Weltkrieg ungenutzt dalag. Der Grund für die seinerzeitige Betriebs­einstellung wird nicht genannt und ist auch nicht feststellbar.
Unter der Jahresangabe 1938 kann man in der Schulchronik weiter lesen, dass Hubert Stamm, gebürtig aus Gelslingen, 1936 auf dem Grund­stück vor dem Bruch ein Wohnhaus erbaute. Im Jahr 1938 kaufte er dann den Steinbruch und nahm ihn wieder in Betrieb. Gleichzeitig setzte er auf die Halle einen Brecher auf.
Die Halle mit dem Brecher stand auf dem Platz gegenüber dem Wohnhaus auf der ande­ren Straßenseite der heutigen Rheinlandstraße. Wie mir Dorfbewohner mitteilten, mussten die Fuhrwerke und später auch die Lastwagen den unterhalb der Halle liegenden Weg befahren. Die Beladung erfolgte durch die oberhalb liegende Brecheranlage. Das Abbruchmaterial wurde in Kippwagen über ein Gleis aus dem Bruch zur Brecheranlage geschoben.
Nach Angaben der Schulchronik wurde der Uellnersche Bruch im Jahr 1942 eingestellt. Der Besitzer, Hubert Stamm, fand Beschäftigung bei der Firma Krah in Drolshagen.

Nach dem 2. Weltkrieg ist der Steinbruch aber wieder in Betrieb genommen worden. Bis etwa 19?? wurde in dem Bruch noch gearbeitet. Dann wurde er endgültig eingestellt. Heute liegt der Bruch noch so da, wie er aufgegeben wurde. Lediglich die Halle mit der Brecher­anlage wurde abgebrochen. (Anmerkung: Hier fehlt mir das Jahr, bis zu dem noch im Bruch gearbeitet wurde. Ebenfalls wäre es gut zu wissen, wann die Halle mit der Brecheranlage abgebrochen wurde. Vielleicht hat hier jemand noch Erinnerungen, Fotos oder Dokumente.) 

 

  • Der Steinbruch bei Stupperhof

Eine Anzeige über die Inbetriebnahme des Steinbruchs ist im Stadtarchiv nicht zu finden. Betreiber des Steinbruchs war die Firma Jung­johann & Siebel aus Siegen. Seit wann diese Firma den Steinbruch betrieben hat, ist nicht feststellbar. Vermutlich wird der Steinbruch aber ab etwa 1900, möglicherweise aber auch schon weit früher von der Firma betrieben wor­den sein. Hierzu verweise ich auf meine Ausführungen am Anfang dieses Abschnitts.
Das erste Mal taucht der Name Jungjohann & Siebel im Jahr 1908 auf, als diese Firma bean­tragte, eine Privatbahn von ihrem Stein­bruch bei Stupperhof bis zum Bahnhof in Drolshagen zu bauen. Dem "Stupperbähnchen", wie diese Schmalspurbahn im Volks­mund allgemein genannt wurde, habe ich einen eigenen Abschnitt gewidmet, der sich diesem Abschnitt anschließt. Die Schmalspurbahn wurde Ende 1909 in Betrieb genommen.
Im Jahr 1910 stellte der Steinbruchbetreiber ein Baugesuch auf Errichtung einer neuen massi­ven Schmiedewerkstätte für den Stein­bruch. Der Bauschein für die Schmiedewerk­stätte wurde am 12.09.1910 erteilt.

Lageplan zum Bau der Schmiedewerkstätte (StaD: A 2617) Ansicht zum Bau der Schmiedewerkstätte (StaD: A 2617) Querschnitt zum Bau der Schmiedewerkstätte (StaD: A 2617)
Lageplan, Ansicht und Querschnitt zum Bau der Schmiedewerkstätte (StaD: A 2617)

Der Steinbruch bei Stupperhof bestand eigentlich aus zwei Brüchen. Der eine Bruch lag auf der linken Seite der Straße von Stupperhof nach Gipperich, der andere auf der rechten Seite jenseits des Gipperbaches.
Vermutlich erfolgten die Abgrabungen zunächst nur an dem links liegenden Steinbruch. Die Firma Jungjohann & Siebel muss aber schon recht bald auch den noch heute in Betrieb befind­lichen Bruch auf der rechten Seite in Betrieb genommen haben. Dies lässt sich daraus schlie­ßen, dass die Firma im Jahr 1914 einen Antrag auf Neubau einer Brücke über den Gipperbach zum Zwecke der Verbindung der links und rechts gelegenen Steinbrüche stellte. Dem Antrag wurde mit Bauschein vom 24.08.1914 entspro­chen. Die Brücke diente dem Zweck eine Anbin­dung der Schmalspurbahn an den rechts liegen­den Steinbruch zu schaffen.

Bruecke-Gipperbach-Lagplan
Lageplan zum Bau der Brücke über den Gipperbach (StaD: A 2617)

Wie bereits in dem Abschnitt zur Elektrizi­tätsversorgung der Schulgemeinde Benolpe berichtet, wurde Ende des Jahres 1925 die elek­trische Anlage des Elektrizitätsvereins Benolpe in Betrieb genommen.

Ansicht des Transformatorenhauses bei Stupperhof (StaD: A 2614)
Ansicht des Transformatorenhauses
bei Stupperhof (StaD: A 2614)

Auch die Firma Jungjohann & Siebel hatte ebenfalls Bedarf an elektrischer Energie für ihren Steinbruch. Im September 1925 stellte sie des­halb einen Antrag auf Errichtung eines Transformatorenhauses für Ihren Steinbruch. Der Bau­schein wurde am 23. September 1925 ausgestellt. Das Transformatorenhaus wurde später von den Lister- und Lennekraftwerken, Olpe, betrieben. Im Jahr 19??  wurde das Transformatorenhaus abgebrochen und durch ein Fertigbauteil ersetzt.

Der Steinbruch auf der linken Seite der Straße von Stupperhof nach Gipperich wurde 19?? aufgegeben und die direkt an der Straße liegende Brecheranlage einige Jahre später abgerissen. Der Steinbruchbetrieb wurde dann nur noch auf der rechten Seite fortgeführt. Der ehemalige Steinbruch auf der linken Seite steht seit September 1989 unter Natur­schutz. Das Naturschutzgebiet "Grauwacke­steinbruch Stupperhof" hat eine Größe von ca. 4,1 ha und umfasst das Flurstück 27 der Gemar­kung Bleche, Flur 24.

(Anmerkung: Die nachfolgenden Textteile habe ich noch finden können. Aufgrund der neueren Geschichte sind im Stadtarchiv Drolshagen hierzu keine weiteren Angaben zu finden. Um diesen Abschnitt zu komplettieren fehlen mir noch viele Angaben. Vielleicht ist jemand in der Lage hier nähere Informationen zu geben. Fotos oder Dokumente wären auch sehr hilfreich.)

Noch 1928 wird der Steinbruchbetrieb durch die Firma Jungjohann & Siebel, ebenso wie das Stupperbähnchen betrieben.

Der Steinbruch wurde gegen Ende der 1930er Jahre von Emil Engels und seinem Neffen Aloys Engels gekauft. Später wurde der Steinbruch von den Vettern Aloys und Siegfried Engels betrieben.

Gewerbeanmeldungen
Engels, Emil
Steinbruchbetrieb, Steinbruchpächter
01.05.1931–01.01.1938
StaD: A 2053

Engels, Emil + Aloys, Gipperich
Steinbruchbetriebsunternehmen
01.01.1938
StaD: A 2055

Haaser, Harry, Stupperhof
Leitung Gesamtunternehmen Immecke, Oberb. Kreis (Othetal?)
01.05.1939
StaD: A 2055

Engels, Alois + Siegfried, Gipperrich
Grauwackesteinbruchbetrieb
01.04.1949
StaD: A 2055

1964 wird eine Steinbruchunternehmer Albert Sieler aus Gerlingen (alter Steinbruch), Stupperhof genannt
StaD: B 24, B 25 

Firma Jung aus Olpe betreibt den Steinbruch seit ???? bis heute. Wurde der Steinbruch gekauft oder von den Vettern Engels gepachtet.



Quellenhinweis: 
StaD: A 1345, A 2614, A 2616, A 2617
StaD: Sammlung Schulen 112

 

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