Die "Truchseß’schen Wirren"

"Benolpe - Geschichte einer Schulgemeinde" von Burkhard Lütticke

Die "Truchseß’schen Wirren"

Gebhard I. von WaldenburgGebhard, Truchseß von Waldburg, geboren am 10.11.1547 in Heiligenberg bei Überlingen, wurde 1577 im Alter von 30 Jahren Kurfürst und Erzbischof von Köln und damit auch zum Herzog von Westfalen. Er legte den Eid auf das tridentinische Bekenntnis ab und bekannte sich damit eindeutig zur katholischen Lehre.

Doch schon recht schnell erwies er sich als leichtlebiger Mann, der das Leben in vollen Zügen genoss. Als er sich in die Gerresheimer Nonne Agnes von Mansfeld verliebte, konvertierte er zur reformierten Lehre und heiratete sie 1579. Er versuchte das Erzstift Köln zu säkularisieren um weiter in Amt und Würden bleiben zu können. Doch die Freie Reichsstadt Köln und das Domkapitel lehnten sich gegen Gebhard auf. Im Kölnischen Krieg unterlag Gebhard und wurde vertrieben.

Nach seiner Absetzung im Jahr 1583 wurde Herzog Ernst von Bayern zu seinen Nachfolger gewählt.

Gebhard Truchseß von Waldburg glaubte im Herzogtum Westfalen Unterstützung finden zu können. Doch die meisten Städte, darunter auch Attendorn, Olpe und Drolshagen, stellten sich gegen ihn. Sein ärgster Gegenspieler war der Droste Caspar von Fürstenberg auf der Burg Bilstein.

Truchseß tobte sich zunächst in der Soester Börde und im Raum Arnsberg aus. Im Juni/Juli 1583 verlagerte er seine Kämpfe aber ins Südsauerland. Er eroberte die Burg Bilstein und startete von hier seine Raubzüge auch in das Olper und Drolshagener Land.

Bei diesen Raubzügen tat sich Truchseß’s Helfer, der Rittmeister Schenk von Nideggen besonders hervor. Er wurde von dem Bauernvolk besonders gefürchtet. Schenk’s Landsknechte verschleppten den Bauern Peter von Dirkingen bis nach Bonn und ließen ihn dort elendig zugrunde gehen.


1586 lieferten sich die Truppen des Truchseß und die treugebliebenen sauerländischen Bauern in der Nähe von Bremen bei Werl eine blutige Schlacht. 19 Bauern des Drolshagener Kirchspiels verloren dabei ihre Leben, darunter auch Kerst Naflecken zu Gelßlöe (Gelslingen) und der Slotter zu Benoilpe (Benolpe). Die Schlacht wurde verloren.

Gebhard von Truchseß verbreitete noch ein weiteres Jahr Angst und Schrecken. Schließlich musste er doch vor den kölnischen Truppen weichen und floh nach Straßburg. Er starb dort am 31.05.1601 als evangelischer Domdechant.

 


Quellenhinweis: 
Scheele: Opfer der Freibeuter. In: HBO. Jg. 13(1936). S. 28
Hesse: Geschichte. S. 140

 

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