Ein alter Hochzeitsbrauch in Benolpe und Umgebung bis etwa zum Jahr 1880

"Benolpe - Geschichte einer Schulgemeinde" von Burkhard Lütticke

Ein alter Hochzeitsbrauch in Benolpe und Umgebung bis etwa zum Jahr 1880

Auf Wunsch des Lehrers Wibbeke hat Rektor Wilhelm Dornseifer aus Fröndenberg am 12.09.1934 als Nachtrag zur Schulchronik eine Beschreibung der Ortschaft Benolpe um etwa 1875 gegeben. Gleichzeitig berichtet er über diesen alten Hochzeitsbrauch. (Wilhelm Dornsei­fer wurde am 28.05.1868 in Benolpe als Sohn des Benolper Lehrers Johannes Dornseifer gebo­ren. Er war von 1889 bis 1904 Lehrer in Benolpe.)

Hinweis: An den Stellen, wo ich ein Fragezeichen eingefügt habe war das Wort oder der Text nur sehr schwer zu entziffern.

Wilhelm Dornseifer schreibt:

"Die Hochzeitsgäste wurden 14 Tage vor der Hochzeit durch 2 Junggesellen, gewöhnlich waren es die späteren Brautführer, feierlich eingeladen. Die Mützen mit bunten Kunstblu­men (Lüftiner? genannt) und herabhängenden roten und blauen Bändern geschmückt, zogen sie zu den Einzuladenden. Vor dem Hause des­selben gab jeder 2 Schüsse ab, traten dann in die Wohnung und luden sie mit den Worten: ‘Gruß von Brud un Brudigam, sei ? auk tau der Hochtid einlahn, dei zumm (Donnerstag, den 16. Juni - so und sovielten) sinn soll. Dat Brud­amt fänget in Drauzen ümme 8 Uhr an.’ Dann wurden die beiden Einladenden mit Kaffee oder Schnaps und belegten Butterbroten bewirtet. Als Geschenk für das Brautpaar erhielten sie ein lebendes Huhn oder einen Geldbetrag von 1 bis 3 Mark. Beim Abschied feuerte jeder Einlader wieder 2 Pistolenschüsse ab. Den geschenkten Hühnern wurden die Beine mit bunten Bändern zusammengebunden und dann an einer Stange von den Einladern von Haus zu Haus der gela­denen Hochzeitsgäste bis zur Wohnung der Braut getragen.

Am Hochzeitstage selbst versammelten sich die Hochzeitsgäste am Hause der Braut zum feier­lichen Kirchgang. Jeder Junggeselle war wieder mit durch bunte Bänder geschmückte Pistolen ausgerüstet. Nach der Brautmesse wurden sämt­liche Hochzeitsgäste in einer Wirtschaft mit Kaffee bewirtet. Nach dem Kaffeetrinken kauf­ten die Brautführerinnen für die Brautführer, die Jungfrauen für die Junggesellen bunte Kunstblumen (Lüftirer ?) mit bunten Schleifen und schmückten damit die Mützen, jede Jung­frau durfte sich aus der Zahl der Jungesellen denjenigen wählen, dem sie den Schmuck anhef­ten wollte. Die verheirateten Männer erhielten von den Jungfrauen eine Schleife aus blauem Band, die auf der linken Brust angeheftet wurde. Wenn alles geregelt war, ging der Brautzug zum Hochzeitsort zurück, einige Liter Kognak und Schnaps wurden zur Stärkung auf dem Wege mitgenommen, unterwegs häufig Freuden­schüsse abgegeben. Die Ankunft am Brauthofe wurde möglichst so verzögert, daß man kurz vor Mittag eintraf. An der Haustür wurde das Brautpaar, von einer festlich gekleideten Jung­frau, die einen Festtrunk mit 2 Gläsern ? mit folgendem Spruch empfangen:

Als ich heut morgen früh erwacht
hört ich ein Glöcklein läuten,
da hab ich in meinem Sinn gedacht:
Was mag das nun wohl bedeuten.
Jetzt fiel mirs ein, das heut sei der Ehren­tag
An dem man Jungfer Braut u. ihren Bräuti­gam empfangen mag.
(Die Fortsetzung des Spruches kannte Leh­rer Dornseifer nicht mehr.) 

Am Sonntag nach der Hochzeit wurden die an der Hochzeit teilgenommenen Jungfrauen von den Junggesellen in ein Wirtschaftslokal eingela­den, um sie durch Getränke für ihre Auslagen zu entschädigen.

Am 1. Sonntag nach der Hochzeit wurde die junge Frau von den Dorffrauen beim ‘guten Kaffee’ in die Dorfgemeinschaft aufgenom­men.“

 


Quellenhinweis: 
StaD: Sammlung Schulen 112

 

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