Ortskanalisation Benolpe/Wormberg

"Benolpe - Geschichte einer Schulgemeinde" von Burkhard Lütticke

Ortskanalisation Benolpe/Wormberg 

Ab etwa Mitte der siebziger bis Mitte der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurden viele Ortsteile des Drolshagener Stadtgebiets mit einem Millionenaufwand an die städtische Kanalisation angeschlossen.
Über den ökologischen Nutzen, den Sinn oder Unsinn auch kleine Ortschaften an eine städtische Zentralkanalisation anzuschließen wurde viel diskutiert. Jedoch konnte die Stadt Drolshagen sich nicht über die landesgesetz­geberischen Vorgaben hinwegsetzten.
Mitte der neunziger Jahre waren mit Aus­nahme kleinster Ortschaften, für die ein Anschluss an die zentrale Kanalisation nicht in Frage kam, lediglich die Ortschaften Benolpe und Wormberg mit etwa 350 Einwohnern noch nicht an die städtische Kanalisation angeschlos­sen.
Die Abwasserbeseitigung erfolgte zu dieser Zeit über Hauskläranlagen bzw. Sickergruben der einzelnen Wohnhäuser. Die Überläufe dieser Anlagen wurden teilweise in den durch Benolpe führenden Bach geleitet. In Höhe des Kinderspielplatzes von Benolpe aber auch in Wormberg gingen immer wieder starke Geruchsbelästigungen von dem Bach aus. Teilweise bildete sich sogar Seifenschaum auf dem Bach. Die Kinder von Benolpe hatten für diesen Bach eine treffende Bezeichnung. Sie nannten ihn den "Stinke­bach".
Dieses Problem lag darin begründet, dass bis auf wenige Hauskläranlagen neuerer Wohn­häuser die meisten dieser Anlagen nicht mehr den Regeln der Technik entsprachen. Die Untere Wasserbehörde des Kreises Olpe drängte immer mehr auf eine umfassende Sanie­rung dieser Anlagen. Damit stand für viele Grundstückseigentümer in Benolpe und Worm­berg eine kostenträchtige Sanierung ihrer Haus­kläranlagen bevor.
Nach dem Abwasserbeseitigungskonzept der Stadt Drolshagen war ein Kanalbau für die Ortschaften Benolpe und Wormberg erst ab dem Jahr 2003 vorgesehen. Aufgrund der immer stärkeren finanziellen Belastungen der Stadt Drolshagen konnte der Kanalbau auch nicht vorgezogen werden.
So entstand die Überlegung, ähnlich wie im Ortsteil Dumicke, den Kanalbau über eine Kostenbeteiligung der Grundstückseigentümer vorzuziehen und dadurch eine kostenträchtige Sanierung der Dreikammerkläranlagen mit Verrieselung und Tropfkörper für die Hauseigentümer zu umgehen.
In vielen Einzelgesprächen, mehreren Bürgerversammlungen und Ortsterminen entschieden sich alle Grundstückseigentümer im März 1996 für ein solches Modell und gründe­ten eine "Interessengemeinschaft Kanalanlage Benolpe". Danach erklärten sie sich bereit von den rund 1,5 Millionen DM Baukosten neben den nach der Beitrags- und Gebührensatzung zur Entwässerungssatzung der Stadt Drolsha­gen ohnehin zu zahlenden Kanalanschlussbeiträge in Höhe von ca. 570.000 DM einen weiteren Betrag von ca. 434.000 DM als zinslosen Kredit an die Stadt zu zahlen. Dieser Betrag sollte dann zum Zeitpunkt der nach dem Abwasserbeseitigungskonzept der Stadt Drolshagen vorgesehenen Zeitpunkt, also im Jahr 2003 von der Stadt an die Grundstückseigentümer in Benolpe und Wormberg zurückgezahlt werden. Den Restbetrag für den Bau des Hauptsammlers (Kanalleitung) von Drolshagen durch das Wiesental nach Benolpe übernahm die Stadt Drolshagen.

Die Bauausführung und Bauleitung wurde der Ruhr-Wasser-Wirtschaftsgesellschaft (RWG) - eine Tochtergesellschaft des Ruhr­verbandes übertragen. Die Tiefbauarbeiten wurden an das Schmallenberger Tiefbauunter­nehmen Anton Feldhaus vergeben.
Bereits im Mai 1996 erfolgte der erste Spatenstich. Zunächst wurde der 2,2 km lange Hauptsammler vom Stadtpark Drolshagen entlang der Ortschaft Wormberg nach Benolpe verlegt. Innerhalb der Ortschaft Benolpe wurden nochmals 2,5 km Kanalleitungen verlegt.
Gleichzeitig mit der Kanalleitung wurden von der seinerzeitigen Westfälischen Ferngas AG, Dortmund, die beiden Ortsteile an die Gasversorgung ange­schlossen. Darüber hinaus bauten die Lister- und Lennekraftwerke, Olpe, die noch bestehen­den Freileitungen ab und ersetzten diese durch Erdkabel.
Nach sieben Monaten Bauzeit war die Kanalbaumaßnahme im Dezember 1996 soweit abgeschossen, dass bereits alle Grundstücke die Möglichkeit zum Anschluss an das städtische Kanalnetz hatten.
Im Frühjahr 1997 erfolgten noch abschlie­ßende Arbeiten zur Deckenherstellung der Rheinlandstraße in Benolpe.

Die Maßnahme hat sicherlich von vielen Eigentümern enorme finanzielle Belastungen gefordert. Neben den Kanalanschlussbeiträgen und dem vorfinanzierten Anteil der Stadt waren auch noch die Kanalanschlusskosten für den Hausanschluss von der Kanalleitung in der Straße bis auf das Hausgrundstück und die auf den jeweiligen Grundstücken erforderlichen Anschlussarbeiten ebenfalls noch zu finanzieren.
Insgesamt betrachtet mussten dieser Maß­nahme aber auch einige positive Seiten zuge­rechnet werden. Zunächst einmal war kein Hauseigentümer genötigt, die Kosten für eine Neuerrichtung, zumindest aber eine aufwändige Sanierung seiner Hauskläranlage zu tragen, die zudem nur etwa 10 Jahre bis zum ohnehin nach dem Abwasserbeseitigungskonzept vorgesehenen Kanalanschluss der Ortschaften Bestand gehabt hätte. Kostensteigerungen innerhalb dieser Zeit, insbesondere ein unausweichliche Steigerung der an die Stadt Drolshagen satzungsgemäß zu zahlenden Kanalanschlussbeiträgen konnten so vermieden werden.
Zudem erschien es rückblickend mehr als fraglich, ob die Westfälische Ferngas AG zu einem späteren Zeitpunkt noch einen Versorgung der Ortschaften mit Gas erwogen hätte.
Darüber hinaus konnten im Zuge der Bau­maßnahme alle Straßen in der Ortschaft Benolpe mit einer neuen Asphaltdecke versehen werden. Die Rheinland­straße, die immer zu schnell befahren wurde, konnte zudem durch Ausbuchtungen etwas verkehrsberuhigt gestaltet werden.
Nicht zu unterschätzen war sicherlich auch die künftige Entwicklung der Orte bezüglich der Ausweisung von neuen Wohnbauflächen.
Bericht in der Westfalenpost vom 28.06.2003Im Jahr 2003 erhielten alle Grundstückseigentümer, wie vereinbart, von der Stadt Drolshagen ihren 1996 geleisteten Vorfinanzierungsanteil erstattet. Allerdings wurde die Summe nach der zum 01.01.2002 erfolgten Währungsumstellung auf den Euro nicht mehr in Deutsche Mark erstattet. 


Quellenhinweis: 
StD: Verwaltungsbericht 1993-98

 

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