Straßen und Wege in der Schulge­meinde

"Benolpe - Geschichte einer Schulgemeinde" von Burkhard Lütticke

Straßen und Wege in der Schulge­meinde

Heute leben wir in einer von Mobilität geprägten Gesellschaft. Reisen, ob beruflich oder privat geht auf den ausgebauten und meist in sehr gutem Zustand befindlichen Straßen schnell und recht angenehm vonstatten. Diese Mobilität hat aber auch seinen Preis. Verkehrsstaus, Unfälle, zu schnelles Fahren, Abgas- und Lärmbelästigungen, Umweltschä­den u.v.a.m. werden inzwischen allerorten beklagt.

Betrachtet man heute die Straßen und Wege in der Schulgemeinde, so kommt kaum jemand auf den Gedanken wie beschwerlich es früher war, nur eine Wegstrecke beispielsweise von Feldmannshof nach Drolshagen oder auch nur von Benolpe nach Gelslingen zurückzulegen. Dabei gibt es die heutigen Straßenverhältnisse noch gar nicht so lange.

Reiseschilderungen aus der "guten alten Zeit" vermitteln leicht einen romantischen Eindruck. Man übersieht dabei schnell die Unbequemlich­keiten und Entbehrungen, die die Reisenden zu ertragen hatten.

Gebaute Straßen (Steinbahnen) im heutigen Sinne waren unbekannt. Die Wege waren in schlechtem Zustand und hierzulande oft sehr steil angelegt. Im Winter machten Schneefall und Schneeverwehungen den Verkehr oft ganz unmöglich.
Im Allgemeinen waren die Talzüge nicht wie heute die natürlichen Wegelinien. Unsere Vorfah­ren hielten daran fest, dass der gerade Weg auch der schnellere sei. Das mag durchaus für die Ebene gelten, aber nicht für das Gebirge. Man fuhr also mitten über den Berg, anstatt um diesen herum der Talsohle zu folgen. Diese Wegeführung gestaltete sich für die Zugtiere zu einer wahren Quälerei. In der Regel waren die Wege nur eine Wagenspur breit, so dass das Gespann immer wieder gezwungen war, dasselbe Fahrgleis zu benutzen. Hierdurch wurden die Fahrspuren derart tief eingefahren, dass die Wagen nicht auf den Radkränzen, sondern auf den Naben gingen. Oftmals wurde dann parallel zu dem alten Wagengleis eine neue Fahrspur angelegt. Bei Regenwetter waren die eingefahrenen Gleise stets Rinnsale für Wasser, Erd- und Geröllmassen, die den Weg im Lauf der Zeit tief aushöhlten.

Hohlwegbündel bei Germinghausen -Bodendenkmal- (Quelle: Stadt Drolshagen)
Hohlwegbündel bei Germinghausen -Bodendenkmal-
(Quelle: Stadt Drolshagen)
mehr zu dem Bodendenkmal auf
der Website der Stadt Drolshagen

So entstanden selbst auf Bergrücken Hohlwege, die zum Teil heute noch die Wegeführung des dama­ligen Reise- und Handelsverkehrs erkennen lassen. Ein Ausweichen war in den Hohlwegen nicht möglich. Die Fuhrleute verständigten sich deshalb beim Einfahren in einen solchen Weg durch Peitschenknallen. Eine Begegnung im Hohlweg hatte zur Folge, dass die Zugtiere umge­spannt und die Wagen bis zur nächsten Aus­weichstelle rückwärts gefahren werden mussten.

Den Wegeverhältnissen entsprach die Art der Wagen. Hier im Gebirge war die zweirädrige breitspurige Karre das gebräuchlichste Fuhr­werk, das von zwei voreinander gespannten Pfer­den gezogen wurde.
Erst durch das kurkölnische Wegeedikt vom 14.01.1769 wurden verbesserte Wegeverhältnisse geschaffen. Mit diesem Edikt befahl der Kurfürst und Erzbischof Maximilian Friedrich, "daß alle Weege in unserem Herzogthum Westphalen in solchen Stand gestellet werden sollen, damit sie bey aller Jahreszeit bebrauchet, denen Reisen­den die Passage erleichtert und das Commer­cium ohngehindert getrieben werden könne" usw.

Eine wesentliche Besserung erfuhr der Reise­verkehr erst nach Einführung der Post. Trotz allem dürfte zu dieser Zeit eine Reise im Gebirge nicht zu den Annehmlichkeiten des Lebens gehört haben.

Straßen von überregionaler Bedeutung, wie beispielsweise der Römerweg durchzogen das Gebiet der Schulgemeinde Benolpe nicht.

Die Ortsverbindungswege in etwa der Form wie sie heute existieren gibt es erst seit der Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts, teilweise erst seit 1925 bzw. noch später. Der zunehmende Automobilverkehr machte darüber hinaus Straßenverbreiterungen und -ausbauten und die Aufbringung von Asphaltdecken erforderlich.

Im Jahr 1877 wurde ein Situations- und Nivellements-Plan über den Bau eines Commu­nal-Weges von der Grenze der Gemeinde Drolshagen bis Benolpe erstellt. Der Plan sah den Bau bis zur Ortsmitte (Einmündung der heu­tigen Straße "Im Hofgarten") vor.  

Situations- und Nivellementsplan über den Bau eines Communal-Weges von der Grenze der Gemeinde Drolshagen bis Benolpe (von August 1877); StaD: Karten und Pläne 42Situations- und Nivellementsplan über den Bau eines Communal-Weges von der Grenze der Gemeinde Drolshagen bis Benolpe (von August 1877)
Quellenhinweis: StaD: Karten und Pläne 42 

Wann letztend­lich mit dem Bau dieses Weges begonnen wurde ist nicht festzustellen. Die Kaufverträge mit den Grundstückseigentümern zum Wegebau Drols­hagen - Benolpe wurden von der Gemeindeverord­netenversammlung am 22.03.1893 und Stadtver­ordnetenversammlung am 27.03.1893 genehmigt. Insgesamt 52 Eigentümer mussten seinerzeit Grundstücke verkaufen, damit die Straße be­gradigt gebaut werden konnte. Es ist davon aus­zugehen, dass mit dem Wegebau zeitgleich oder kurze Zeit später begonnen wurde.

Da der Straßenbau von Drolshagen nach Benolpe mitten im Ort endete, war die Dorfstraße (heutige Rheinlandstraße) in Benolpe vermutlich nie ausgebaut und befestigt worden. Sie befand sich deshalb in einem sehr schlechten Zustand. Im Jahr 1932 wurde die Straße durch Arbeitslose mit einem Steinpflaster versehen. Die Arbeiten setzte man im Jahr 1933 fort. In der Schulchro­nik ist zu lesen, dass die Herstellung der Straße bis an die rheinländische Grenze geplant war und es wurde die Hoffnung geäußert, dass dieser Plan auch umgesetzt würde. Der Zustand der Dorf­straße muss derart schlecht gewesen sein, dass Wagen und Autos oftmals bei Regen im Dreck stecken geblieben sind. Nach Angaben der Chro­nik zeigte der Arbeiter Hubert Schmidt großes Interesse an den Arbeiten und leitete diese auch. Aus eigenem Antrieb schlug er Pflastersteine, damit die Stra­ßenrinnen gepflastert werden konnten. 

In der Zeit vom 26.02.1934 bis zum 17.01.1935 wurde die Straße von Drolshagen nach Benolpe von Notstandsarbeitern mit einer neuen Kleinschlagdecke versehen. Die Steine wurden von einheimischen Notstandsarbeitern und von Notstandsarbeitern aus Dortmund geschlagen. Untergebracht waren die Dortmun­der Notstandsarbeiter zum Teil im Lager in Stupperhof (Stahls Saal). Eine Aufstellung im Stadtarchiv Drolshagen weist für das Lager in Stupperhof eine Belegungsziffer von 36 Personen auf. Nach den Archivunterlagen waren für den Straßenbau 4.200 Tagewerke angesetzt. Die Arbeitszeit der Notstandsarbeiter betrug damals 7 Stunden täglich bei 6 Tagen in der Woche. Die Materialkosten sind mit 4.200 RM angegeben. Auch die Benolper Ortsbewohner zeigten großes Interesse an der Instandsetzung der Straße und brachten durch eine Sammlung 155 RM für Verbindungsmaterial (Steinmehl) auf.

Im Jahr 1957 erhielt die Straße von Benolpe nach Drolshagen einen Teerüberzug. (Frage: War das die erste Teerdecke? Vielleicht hat hier jemand noch Erinnerungen, Fotos oder Dokumente.)

1958 wurde die Straße von Benolpe nach Belmicke über das so genannte "Köppchen" von der Dorfmitte aus von Grund auf neuhergerichtet. Sie erhielt auch eine neue Teerdecke. Von der Gemeindegrenze bis nach Belmicke wird die Straße ebenfalls hergestellt. Die Bauarbeiten führte die Firma Theile aus Pernze aus.

In den Jahren 1966/67 wurde die Dorfstraße bis zum Haus Günter Engels (heute Rheinlandstraße 44) vollständig neu ausgebaut und auf eine Breite von etwa 9 m erweitert. Diese Stra­ßenverbreiterung machte in einigen Bereichen starke Stützmauern erforderlich, so auch vor der Schule und dem Lehrerwohnhaus. Durch diese Mauer erhielten die Schule und das Lehrerwohn­haus neue Auffahrten, die im gleichen Zuge geteert wurden.

(Anmerkung: Wann erfolgte der heutige Ausbau der Straße ab Dorfmitte Richtung Benolpe mit dem Straßeneinschnitt am Kopf. Durch den Einschnitt konnte die zu überwindende Höhe reduziert werden. Vielleicht hat hier jemand noch Erinnerungen, Fotos oder Dokumente.) 


Der alte Weg von Gelslingen nach Benolpe (Anmerkung: Es muss sich um einen Weg durch die Feld- und Waldflur gehandelt haben, der in der heutigen Straße "Im Hofgarten" und damit in der Dorfmitte endete. Siehe hierzu auch den obigen Plan.) war im Rahmen der Separation Benolpe/Gelslingen 1905 (in der Schulchronik wird als Jahreszahl 1904 angegeben) eingezogen und die Flächen neuen Besitzern zugewiesen worden. Dieser alte Weg wurde als Schulweg von den Gelslinger Kindern zur Schule in Benolpe benutzt.
Die neuen Besitzer der alten Wegeflächen untersagten den Gelslinger Kindern den Weg weiterhin zu benutzen und wiesen sie an, den neuen Weg zu benutzen. Der durch die Separa­tion vorgesehene neue Verbindungsweg von Gelslingen nach Benolpe war zwar eingemessen worden, aber noch nicht hergestellt. Hierüber führten Gelslinger "Eingesessene" am 19.03.1905 bei Amtmann Diekmann Klage und machten deutlich, dass dieser neue Weg für ihre Kinder nicht passierbar sei und sie deshalb nicht zur Schule geschickt werden könnten. Sie forder­ten deshalb den sofortigen Ausbau des Weges. (Anmerkung: Bei diesem Weg handelt es sich vermutlich um das Verbindungsstück von der heutigen Rheinlandstraße bis an den Weg nach Gelslingen, der seinerzeit in Höhe des ersten Wohnhausen am Ortseingang von Benolpe aus Richtung Drolshagen kommend abzweigte. Siehe hierzu auch den obigen Plan.)
Amtmann Diekmann informierte in seinem Schreiben vom 30.08.1905 den Landrat in Olpe darüber, dass die Gemeindevertretung inzwischen den Ausbau des Weges von Gelslingen nach Benolpe unter der Voraussetzung beschlossen habe, dass die erbetenen Beihilfen bewilligt wür­den. Mit der Bewilligung der Beihilfe dauerte es aber noch einige Monate. Ende Dezember wurde eine Beihilfe von 2.500 Mark bewilligt. Am 26.01.1906 wurde der Vertrag mit dem Unter­nehmer Wilhelm Weuste, Gelslingen, über den Ausbau des Weges abgeschlossen. Der Wege­ausbau wurde im Jahr 1906 fertig gestellt. Die Kosten beliefen sich auf 4.509 Mark.

Auch an diesem Weg wurde im Rahmen von Notstandsarbeiten im Jahr 1934 Wegebauarbei­ten vorgenommen.

Im Jahr 1957 erhielt die Straße von Benolpe nach Gelslingen erstmals eine Teerdecke. Der heutige Ausbauzustand erfolgte vermutlich in den 1970er Jahren. (Anmerkung: Vielleicht hat hier jemand noch Erinnerungen, Fotos oder Dokumente.)


Der Weg von Stupperhof über Gipperich nach Feldmannshof wurde erst im Jahr 1926 her­gestellt. Wegen der großen Arbeitslosigkeit in den zwanziger Jahren hatte Amtmann Diekmann den Wegebau für diesen Verbindungsweg als Notstandsarbeiten beantragt. Mit Schreiben vom 03.03.1926 teilte er dem Landrat in Olpe mit, dass der Weg in einem sehr schlechten Zustand sei und kaum befahren werden kann. Der Weg muss wirklich in einem äußerst schlechten Zustand gewesen sein. Er schrieb nämlich weiter:
" ... In letzter Zeit ist es noch vorgekommen, daß eine Leiche nicht auf einem Wagen trans­portiert werden konnte, sondern einige hundert Meter weit getragen werden mußte. Die Ge­meindevertretung hatte deshalb beschlossen den Weg auszubauen um den Ortschaften einen besseren Verbindungsweg nach Drolshagen, dem Sitze des Amtes und der nächsten Eisen­bahnstation zu schaffen."

Mit Zustimmung des Verwaltungs­aus­schusses des öffentlichen Arbeitsnachweises für den Kreis Olpe vom 07.05.1926 wurde der Wegebau als öffentliche Notstandsarbeit geför­dert. Beschäftigt werden sollten durchschnitt­lich 50 Erwerbslose in achtstündigem Arbeits­tag rund 3.000 Arbeits­tagsschichten. Die Arbeiten wurden in der Zeit von Februar bis Juni 1926 durchgeführt.
(Anmerkung: Zu dem weiteren Ausbau in der heutigen Form konnte ich bislang keine Informationen finden. Vielleicht hat hier jemand noch Erinnerungen, Fotos oder Dokumente.)


Der Schulweg von Benolpe nach Gipperich (Anmerkung: Hier handelt es sich um die Straße "Am Windhagen", die nach Gipperich führt. Siehe hierzu auch den obigen Plan.) war lediglich ein Feld- und Waldweg gewesen. Im Sommer 1964 wurde dieser Weg ausgebaut und mit einer Teerdecke überzogen.

Neben den heute noch bekannten Wegen gab es wohl schon seit undenklichen Zeiten einen Kirchweg von Gipperich und Feldmannshof nach Drolshagen, den die Bewohner dieser Ort­schaften als Abkürzung für den sonntäglichen Kirchgang zur Pfarrkirche in Drolshagen benutzten. In alten Flurkarten ist dieser Wald- und Wiesenweg bis in die Fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts eingezeichnet und wird teilweise auch als Kirch­weg bezeichnet.

Dieser Kirchweg führte von Gipperich aus durch den heutigen Steinbruch bei Stupperhof und führte dann oberhalb des heutigen Wohnhauses Engels am Ende des Theimicker Weges in die freie Feldflur. Der Weg folgte dann in etwa der heutigen Fontanestraße in Drolshagen um anschließend unge­fähr der heutigen Humboldtstraße in weitem Bogen zu folgen. Der Weg führte dann im Bogen auf die hintere Franz-Hitze-Straße bis etwa zur Engelbertstraße. Das letzte Wegstück des Kirchweges führte diagonal zur Benolper Straße und erreichte diese etwa in Höhe der heutigen Kurkölner Straße.
Wegen der geplanten Bebauung des rechts von der Benolper Straße liegenden Gebiets (Franz-Hitze-Straße, Heinrich-Bone-Straße, Engelbert­straße) wurde 1950 ein Teil des Kirchweges von "dem Benolperweg bis zur neuangelegten Straße zur Kleinsiedlung, dem sogenannten Hohlweg, in der Gemarkung Drolshagen Stadt, bestehend aus der Parzelle Flur 2, Nr. 1342/0,80, und Teilen der Parzellen Flur 9, Nr. 140/1 und Flur 2, Nr. 1393/83" als öffentlicher Weg eingezogen.
Das eingezogene Teilstück des Kirchweges ver­lief von der Ecke der heutigen Engelbert­straße/Franz-Hitze-Straße bis zur Benolper Straße in Höhe der Kurkölner Straße.

Der größte Teil des restlichen Weges verschwand schließlich mit der Erschließung des Neubau­gebiet Herrnscheid/Stupper Anfang der Neunzi­ger Jahre des 20. Jahrhunderts.


Quellenhinweis: 
Wiemers: Eine Reise. In HBO. Jg. 17(1940). S. 53-55
StaD: A 666, A 684, A 686, B 14
StaD: Sammlung Schulen 112 und 113

 

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