Über die Kirche Belmicke

"Benolpe - Geschichte einer Schulgemeinde" von Burkhard Lütticke

Über die Kirche Belmicke 

In der Reformation war das so genannte "Bergische Land" zum Protestantismus überge­treten. Nur wenige Katholiken hatten sich gehal­ten und zwar vor allem in dem kölnischen West­falen benachbarten Dörfern und Gehöften. Im benachbarten Wiedenest beginnt die Religions­grenze, denn dort wohnen seit der Reformation die Lutheraner. Bis zur Reformation, genauer gesagt bis zum Übertritt der Pfarrei Wiedenest vom katholischen zum lutherischen Glauben gehörte auch Belmicke mit den Nachbarorten zu dieser Pfarrei. In der 1841 von Pfarrer Süß verfassten Chronik von Belmicke nennt dieser als Jahreszahl des Glaubenswechsels von Wiedenest das Jahr 1647.
Doch die auf der hohen Belmicke wohnenden Katholiken, die ja auch zur Pfarrei "der heiligen Mutter Gottes und der heiligen Apostel Petrus und Paulus" gehören, ist dies kein Anlass, eben­falls "im Glauben abtrünnig" zu werden. Sie blieben das, was sie waren - katholisch.

Nach den Pfarrarchivunterlagen ist der erste Stein zur Kirche in Belmicke am 19.03.1734 gelegt worden. Am 09.02.1736 weiht der von 1715 bis 1748 an der St. Clemens-Pfarrei Drols­hagen tätige Pfarrer Peter Mertens das Gottes­haus.
Wenn die Jahreszahl 1647 als Übertritt der Wiedenester zum lutherischen Glauben stimmt, sind die Belmicker nahezu 90 Jahre ohne eigenes Gotteshaus und Seelsorger geblieben. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Belmicker Gemeinde von der Pfarrei Drolshagen mitversorgt wurde. Es war wohl auch Pastor Mertens, der den Anstoß zum Bau einer Kapelle oder Kirche im jetzigen Kirchspiel Belmicke gab. Nur so ist ein akten­kundiges Schriftstück des Pastors vom 08.06.1733 zu verstehen, in dem er den Bau unterstützt.
Nachdem die Belmicker sich der Unterstüt­zung der Geistlichkeit von Drolshagen und vor allen Dingen der bischöflichen Behörde in Köln sicher waren, gingen als "Bürgen" einige Bewohner von Belmicke zum Gericht nach Gummersbach und erklärten am 23.11.1733 urkundlich, dass sie eine Kirche auf kölnischen Gebiet errichten und sie in Dach und Fach halten wollen.

Die erste Belmicker Kirche soll etwa da ge­standen haben, wo heute die erste Station der St.-Anna-Prozession ist, an der Ecke Anna-Straße / Peter-Butz-Straße.
Pfarrer Peter Mertens schrieb im alten Lager­buch der Pfarrkirche Drolshagen, dass die erste Belmicker Kirche ursprünglich auf dem Schwartzenbergischen Grund und Boden bei Broiken (vermutliche Brüchen) erstellt werden sollte. Durch den Protest der Bewohner des Kirchspiels Wiedenest wurde den Belmickern dieser Platz jedoch verwehrt. Die Kirche wurde dann auf Kölnischen Grund bei Belmicke, hart an der Grenze, auf Drolshagener Gebiet errichtet. (Anmerkung: Schwartzenbergischer Grund oder die Schwartzenbergischen kommt von dem Lan­desherrn, Fürst von Schwartzenberg.)

Erster Pfarrer von Belmicke war Johann Adolf Liese. Wann dieser Pfarrer kam, konnte nicht festgestellt werden. Wahrscheinlich aber erst kurz vor der Errichtung der Kirche oder während der Bauzeit. Bekannt ist nur, dass er 1745 im 33. Priesterjahr in Belmicke verstarb. Sein Nachfolger war bis zum 10.04.1766 Franz Anton Reuter, der ebenfalls in Belmicke verstarb.
Seit 1767 war der aus Maiwormshammer, Pfarrei Attendorn, gebürtige Heinrich Hundt, Pfarrer in Belmicke. Er wirkte dort bis zu seinem Tode im Jahr 1814. Sein Nachfolger bis zum Jahre 1822 wurde Johann Baptist Dreyer. Danach war die Pfarrstelle verwaist (bis 1839) und wird auch wieder von Drolshagen aus durch Pfarrer Ludwig Mambau und seine Vikare ver­waltet.

1781 wird als Patron der Kirche zu Belmicke eine Familie de Berghes zu Wipperfürth von dem Missionaris oder Pastor benannt. 

In Belmicke entstand schon bald nach der Fertigstellung der Kirche ein Seelsorge-Beneficium, um dessen Errichtung sich besonders die Pfarrei Olpe mit ihrem Pastor Roberti alle Mühe gab. Als Collator für dieses neue Beneficium wurde bei der Gründung im Jahr 1737 der Pastor von Olpe seitens Köln bestimmt. In Anbetracht dessen stand dem Pfarrer von Olpe das Vorschlagsrecht für den Seelsorger in Bel­micke zu; bei diesem Recht ist es geblieben bis ca. 1860, da der Pfarrer von Olpe auf jenes Recht verzichtete. Wiederholt sind auch Olper Söhne Vikare in Belmicke gewesen, z.B. aus der Familie Loeser.
Gemäß der Stiftungsurkunde stand dem Pfarrer von Olpe das Recht zu, Einsicht in die Kirchenbücher und "Litteralien" in Belmicke zu nehmen. Da nun Belmicker Pfarrangehörige dem Pfarrer Hundt von Olpe im Jahre 1819 anzeigten, dass der Pfarrer von Belmicke Kapitalien abnehme, Vieh dafür einhandele und das Vieh an arme Leute gegen Zinsen abgebe, dass er ferner in seinen Predigten oft "anzüglich" werde, so begab sich Pfarrer Hundt zur Untersuchung der Sache nach Belmicke.
Er konnte dem Protonotar Schmitz zu Köln mitteilen, dass die Anklagen nicht auf Wahrheit beruhten. Pfarrer Hundt empfahl aber, dem Geistlichen in Belmicke aufzutragen, "dass er sich durch fleißiges Studieren und Lesen der hl. Schrift bestrebe, solche Vorträge und kirchlichen Unterricht zu halten, welche die Zuhörer besser­ten und dass alle Nebendinge ausgeschlossen würden". Dementsprechend wurde auch am 05.01.1820 nach Belmicke verfügt.
Wiederum musste sich Pfarrer Hundt von Olpe im Juni 1820 im Auftrage des Kölner General-Vikariates nach Belmicke begeben zur Untersu­chung der obigen Angelegenheit. Er fand an der Verwaltung des Kirchenvermögens nichts auszu­setzen, aber Kirche und Pfarrhaus seien in so elendem baulichen Zustande, dass sie dem Ein­sturz nahe seien.
Zum Neubau der Kirche und des Pfarrhauses, die nunmehr aber auf "Bergischem" und nicht mehr auf "Kölnischem" Grund und Boden ste­hen, ist es aber erst im Wechsel des 19. zum 20 Jahrhundert gekommen.
Heute erhebt sich auf den Belmicker Höhen ein prächtiges Gotteshaus, das am St. Annen-Tag Ziel vieler frommer Beter ist.


Quellenhinweis: 
Alterauge: Die St. Anna Prozession. In: Rundblick der Stadt Drolshagen. Juli 1983
Hirschmann: Über Belmicke. In HBO. Jg. 7(1930). S. 142
Hirschmann/Menke: Geschichte... Olpe, S. 202
Stockhausen: Verfassung. In: HBO. Jg. 7(1930). S. 98 ff.

 

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