Die Wasserversorgung der Schulge­meinde

"Benolpe - Geschichte einer Schulgemeinde" von Burkhard Lütticke

Die Wasserversorgung der Schulge­meinde

Benolpe/Wormberg

Die Ortschaft Wormberg hatte bis zur Inbe­triebnahme der gemeinschaftlichen Wasserlei­tung durch die Genossenschaft im Jahre 1962 eine Interessentenwasserleitung. Wann diese Wasser­leitung gebaut wurde ist nicht fest­stell­bar. In alten Flurkarten (von 1927) ist die Was­serleitung aber bereits eingezeichnet. Die Quelle, mit der diese Wasserleitung gespeist wurde lag in einem Waldstück auf der linken Seite des Weges zur "Bremicke". Die Flur­bezeichnung dieses Be­reiches heißt "In den Buchen". Von dort führten zwei Wasserlei­tungsstränge zur Ortschaft, die die Ortschaft mit Wasser versorgten.
Auf Veranlassung des Landrates in Olpe hatte Amtmann Diekmann dem Kreisarzt über Wasseranlagen zu berichten, die in gesundheit­licher Hinsicht bedenklich waren. Amtmann Diekmann beantwortete diese Anfrage mit Schreiben vom 03.10.1904. Mit Schreiben vom 26.10.1904 berichtete er nochmals. Beiden Schreiben fügte er jeweils eine Aufstellung der im Amt bestehenden Privatwasserleitungen bei. Aus diesen Verzeichnissen geht hervor, dass Anton Valperz aus Wormberg eine private Was­serleitung hatte. Weitere Angaben über dieser Wasserleitung waren nicht zu ermitteln.

Wie es zur ersten Wasserleitung für die Ort­schaft Benolpe kam ist im Gegensatz zu den anderen Ortschaften recht genau dokumentiert. Am 16.04.1899 fand in Benolpe eine Versamm­lung der Dorfbewohner statt, die sich mit der Anlage einer Wasserleitung befasste. Nach Bera­tung waren alle Versamm­lungsteilnehmer mit Ausnahme des Theodor Frohne, für die Anlage einer Wasserleitung als Eigentum der Ortsge­meinde Benolpe. Der Unternehmer Adam Wacker aus Drolshagen wurde mit der Ausarbeitung eines Planes und einer Kosten­ermittlung beauftragt.
In einer erneuten Versammlung am Anfang Juni 1899 wurde über die von Adam Wacker ermittelten Kosten informiert. Die Ortseingeses­senen waren sämtlich der Ansicht, dass die Ein­richtung einer kommunalen Wasserleitung für die Ortschaft Benolpe, abgesehen von der Bequemlichkeit im gesundheitlichen Interesse von größter Wichtigkeit war. Die Eingesessenen waren gerne bereit, soweit dies in ihren Kräften lag, die notwendigen Mittel zu bewilligen. Es wurde jedoch festgestellt, dass die Dorfbewoh­ner die erforderlichen Mittel ohne Unter­stüt­zung aus öffentlichen Mitteln nicht aufbringen konnten. Deshalb sollte die Amtsgemeinde gebeten werden, eine möglichst hohe Unterstüt­zung zu bewilligen.
Dies ist dann wohl auch geschehen. In einem Schreiben des Drolshagener Amtmannes vom 20.08.1899 (vermutlich an die nächsthöhere Behörde gerichtet) wies dieser auf den in Benolpe schon seit vier Jahren bestehenden Mangel an gutem Trinkwasser hin. Da die Ortseingesesse­nen nicht im Stande waren die Wasserleitung anzulegen, und die Gemeinde Drolshagen auf­grund ihrer finanziellen Lage keine Zuschüsse leisten konnten, bat der Amt­mann in diesem Schreiben um finanzielle Zuschüsse. Wegen der ausbleibenden Zuschüsse wurde aus dieser Wasserleitung jedoch zunächst nichts.

Im Jahr 1900 übernahm Lehrers Wilhelm Dornseifer die Initiative. Nach Aussagen der Schulchronik war die Wasserleitung zunächst als Ortsanlage geplant, die aber schließlich nicht verwirklicht wurde. Lehrer Dornseifer schrieb in der Schulchronik:  

"Da aber Verhandlungen zwischen den Behörden und den Ortseingesessenen infolge der Hartnäckigkeit einiger Hausbesitzer zu keinem Resultat führten, vereinigten sich die vernünftigen Hausväter und legten eine gemein­schaftliche Privatwasserleitung an."

Im März 1902 wurde mit der Anlage der Wasserleitung begonnen. Anschlüsse erhielten:

  • Heinrich Willmes, Maurer
  • Heinrich Engel, Lehrer a.D.
  • (Anmerkung: Lehrer Engel war 31 Jahre Lehrer im benachbarten Belmicke gewe­sen. Er starb am 10.07.1910.)
  • Albert Engels, Maurer
  • Heinrich Stamm, Ackerer
  • Heinrich Hesse, Maurer
  • Adam Stamm, Gastwirt
  • Heinrich Quiter, Ackerer
  • Karl Engel, Ackerer
  • Adam Neuhaus, Maurer
  • Heinrich Rahrbach, Tagelöhner
  • Schulhaus Benolpe

Damit hatten Teile der Benolper Ortschaft bereits vor den Bewohnern von Drolshagen eine Wasserleitung. Die erste Wasserleitung in Drolshagen wurde im Jahr 1905 gebaut.  

Wie schon weiter oben ausgeführt hatte Amt­mann Diekmann dem Kreisarzt über Was­seran­lagen zu berichten, die in gesundheitlicher Hin­sicht bedenklich waren. Amtmann Diek­mann beantwortete diese Anfrage mit Schreiben vom 03.10.1904. In dem Brief teilte Amtmann Diekmann mit, dass bis auf Benolpe die Anlagen mit wenig Kosten und Mühe angelegt wurden und gutes Wasser lieferte. In Benolpe sollte der Bau der Wasserleitung seinerzeit von der Ge­meinde erfolgen. Dies dauerte den Interes­senten aber zu lange, so dass sie sich kurzer Hand ent­schlossen privat zu bauen. Leider hatten sich seinerzeit einige Hauseigentümer ausgeschlos­sen, was sie auf Grund des trocke­nen Sommers bitter bereuten. Denn die Leitung gab reichlich und gutes Wasser.  

Im Laufe der Jahre war die aus Gussrohren verlegte Wasserleitung derart zugerostet, dass eigentlich bereits im Jahr 1922 eine neue Was­serleitung notwendig gewesen wäre. Doch waren diese Kosten den Betreibern der Anlage zu hoch und man beschloss die Gussrohre im Backofen zu erhitzen und dann den Rost auszu­stoßen.
Schon im Jahr 1923 bewahrheiteten sich die Bedenken einiger Anschlussnehmer, dass diese Maßnahme nicht von dauerhaftem Erfolg sei. Die Rohre waren wieder derart zugerostet, dass nur noch einige Wasserkräne Wasser spende­ten. So planten die Bewohner eine neue Wasserleitung anzulegen. Im Herbst 1924 wurden die Arbeiten schließlich ausgeführt. Verlegt wurden Man­nesman-Rohre mit einem Durchmesser von 80 mm. Gleichzeitig wurden an drei Stellen im Dorf (Oben, Unten und in der Mitte) Anschluss-Stücke für Hydranten vorge­sehen.
An der alten Wasserleitung waren nur 11 Haushaltungen beteiligt. Da allgemein die An­sicht bestand, dass die Quelle im alten Bruch (Taleinschnitt im Bereich des Wohnhauses Hein­rich Schmidt - damals wie heute das letzte Haus auf der linken Seite der Rheinlandstraße in Rich­tung Belmicke) Wasser für alle liefern könnte, wurde auf Antrag des Lehrers Wibbeke auch den anderen Dorfinsassen die Genehmi­gung zum Anschluss an die Wasserleitung erteilt. Die neuen Interessenten mussten jedoch von der neuen Hauptleitung 20 % mehr tragen als die alten Anschlussnehmer.
Die neue Leitung wurde vom Schmied Voll­mer aus Wegeringhausen gelegt. Außer den Hand- und Spanndiensten der Dorfbewohner beliefen sich die Kosten nur für die Haupt­leitung auf 1.498 Mark. Diese Wasserleitung blieb bis Anfang der 60er Jahre bestehen.
In der Nähe des Wohnhauses Heinrich Schmidt befand sich auch der Hochbehälter für diese Wasserleitung. Ob dieser Hochbehälter schon beim Bau der ersten bzw. zweiten Was­serleitung errichtet wurde oder ob er erst in spä­teren Jahren erbaut wurde, ist nicht mehr fest­stellbar. Er hat jedoch bis zum Bau der Wasser­leitung Benolpe-Wormberg Anfang der 60er Jahr dort gestanden.
Im Jahr 1951 stellte man fest, dass die pri­vate Wasserversorgungsanlage in Benolpe für die gestiegene Einwohnerzahl nicht mehr aus­reichte. Auf Einladung der Amtsverwaltung Drolshagen fand am 04.12.1952 in der Gast­wirtschaft Stamm, Benolpe, eine Besprechung in dieser Angelegenheit statt. Die Versammlung sprach sich dafür aus, dass Maßnahmen für eine neue Wasserversorgung bzw. deren Instand­setzung durchgeführt werden müssten.
In der Folgezeit wurden auf Veranlassung der Behörden durch Ortsbewohner Messungen zur Ergiebigkeit der Quellen und der offenen Was­serläufe durchgeführt. Ungenaue und zweifel­hafte Messergebnisse verzögerten die Planungen immer wieder. Dann wurden Erfolg versprechende Messungen "Im großen Hagen" durchgeführt. Schließlich ergaben diese Mes­sungen, dass die Wassermengen in diesem Bereich mehr als aus­reichend waren, so dass die anderen Quellen nicht mehr in Betracht kamen.
Die Wasserversorgung der Ortschaften Benolpe wurde durch die zunehmende Wohnbe­bauung und den steigenden Wasserverbrauch zu einem immer dringlicheren Problem. Wasser­mangel in den Sommermonaten war schon zur Regel geworden. Auch in der Schulchronik wird über Wassermangel in Benolpe berichtet. Es heißt dort, dass im Jahr 1959 ein außergewöhn­lich trockener Sommer herrschte. In Benolpe wirkte sich dies, wie auch in anderen Orten, auf die Wasserversorgung des Ortes aus. Während der ganzen Sommer- und Herbstmonate konnte jeweils nur eine Ortshälfte stundenweise mit Wasser beliefert werden. Viele Dorfbewohner, besonders die Höhergele­genen, hatten den ganzen Sommer über Wasser schleppen müssen. Erst mit dem 2. Weih­nachtstag war wieder für das ganze Dorf ganz­tägig Wasser vorhanden.

Dies war sicherlich neben der mangelnden hygienischen Qualität des Wassers der aus­schlaggebende Grund dafür, dass Ende 1959 mit den ersten Schürfungen (Einfassung der Quel­len durch Anlegung so genannter Schürfgräben) begonnen wurde.
Im Januar 1960 bat Josef Quast aus Worm­berg darum, die Wasserleitung um ca. 600 m bis Wormberg zu verlängern. Das Interesse der Hauseigentümer in Wormberg war zunächst nicht sehr groß. In einer Ortsversammlung am 19. März 1962 wurde nochmals über die Kosten der neuen Wasseranlage gesprochen. Festgelegt wurden, dass die Hausanschlüsse aus Kosten­gründen in Eigenleistung erfolgen soll­ten. Im Protokoll dieser Versammlung ist nach­zulesen, dass sich auch die Wormberger Haus­eigentümer nun mit dem Anschluss an die Wasserleitung einverstanden erklärten. 

Übersichtsplan aus dem Beihilfeantrag von 1961 (StaD: B 24)
Übersichtsplan aus dem Beihilfeantrag von 1961 (StaD: B 24)

Bereits seit dem Jahr 1959 waren die Bauar­beiten für ein Pumpwerk (Pumpenhaus), die Filteranlage mit Hochbehälter sowie die Wasser­leitung im Gange. Von den zwei Quel­len, die seinerzeit 60 Wasser in 24 Stunden lieferten und unterirdisch in einer Tiefe von 3 m eingefasst wurden, wurde das Wasser aus einem Sam­melbrunnen zum Pumpenhaus geleitet. Vom Pumpenhaus wurde das Wasser durch Krei­sel­pumpen zur Filteranlage und Hochbehälter (Fassungsvermögen 80 ) befördert. Hier wurde das Wasser gereinigt und bevorratet. Durch natürliches Gefälle wurde dann das Was­ser durch die Wasserleitungen zu den Ort­schaften Benolpe und Wormberg geführt. Ins­gesamt 3 Kilometer lang war die seinerzeit verlegte Wasserleitung. Die Gesamtbaukosten beliefen sich auf 180.000 DM.

Am 26. Oktober 1962 wurde die neue Orts­was­serleitung Benolpe/Wormberg in Betrieb genommen.
Auf besonderen Wunsch der Dorf­bewohner wurde dieser Tag festlich begangen. Um 16.00 Uhr fand die kirchliche Einweihung der Bauwerke am Pumpen­haus durch Pastor Alois Becker aus Drolshagen statt. In verschie­denen Ansprachen würdigte man die schnelle und tatkräftige Hilfe der Bevölkerung. Amts­direktor Zimmermann würdigte die Mitarbeit der Bevöl­kerung als ein Werk und ein Beweis der echten Dorfgemeinschaft und überreichte den Schlüssel für die Filteranlage an den Orts­wart Josef Kamp. Abends um 20.00 Uhr traf sich dann die Dorf­gemeinschaft und die Bau­handwerker im Gast­hof Quast zum gemüt­lichen Beisammensein. Am Samstagmorgen um 8.00 Uhr wurde ein feierli­ches Dankhochamt für die Schulgemeinde Benolpe in der Kapelle gehalten.

Einladung zur Inbetriebnahme der neuen Ortswasserleitung am 26.10.1962 (StaD: Sammlung Schulen 113) wasser_einweihung_1962WP
Einladung zur Inbetriebnahme der neuen Ortswasserleitung
am 26.10.1962 (StaD: Sammlung Schulen 113)
Zeitungsbericht der Westfalenpost vom 30.10.1962, Nr. 253
(StaD: Sammlung Schulen 113) 

1964 bestand in der Amtsverwaltung kurz­zei­tig die Überlegung die Ortschaft Stupperhof und später auch die Ortschaften Gipperich und Feld­mannshof an die Wasserversorgungsan­lage Benolpe-Wormberg anzuschließen. Ferner zog man in Erwägung die Ortschaft Gelslingen eben­falls anzuschließen. Das Kulturbauamt des Krei­ses Olpe wurde um Prüfung gebeten. Anfang 1965 wurde der Amtsverwaltung mit­geteilt, dass das Wasservorkommen der Was­serleitung Benolpe-Wormberg nicht für alle Ortschaften ausreiche. Das Kulturbauamt hielt einen Anschluss der Ortschaften Stupperhof und Gip­perich für möglich. Der Anschluss von Feld­mannshof wurde wegen der vorliegenden Was­serkapazität in Zweifel gezogen. Ein Anschluss der Ortschaft Gelslingen wurde aus­geschlossen.
Weitere Angaben sind in den Archivakten nicht zu ermitteln. Da diese Ortschaften heute ander­weitig mit Trinkwasser versorgt werden, ist davon auszugehen, dass dieser Plan nicht weiter verfolgt wurde.

Durch die zunehmende Bebauung in den höhergelegenen Ortslagen ließ der Wasserdruck im Leitungsnetz stark nach, was zur Folge hatte, dass diese Häuser nur spärlich mit Wasser ver­sorgt wurden. Die Versorgung der höher­gelege­nen Wohnhäuser machte deshalb im Jahr 1974 den Einbau einer Druckerhöhungsanlage notwen­dig. Diese Anlage wurde im damaligen Wohnhaus Gerhard Voßhagen (Rheinlandstraße 44) eingebaut.
Die bis zum Jahr 1985 ungewöhnlich hohe Zunahme der Einwohnerzahl in Benolpe um 20 % führte dazu, dass bei dem geringen Fassungs­vermögen des Hochbehälters dieser in den Som­mermonaten wiederholt von der Freiwilligen Feuerwehr Drolshagen aufgefüllt werden musste. Um auch in Trockenzeiten eine ausrei­chende Wasserbevorratung und damit eine aus­reichende Wasserversorgung der Benolper und Wormber­ger Einwohner zu jeder Jahreszeit sicherzustellen zu können, wurde der Hochbe­hälter durch das Wasserwerk der Stadt Drols­hagen im Jahr 1986/1987 von 80  auf 200  zu erweitern. Der Kosten­aufwand für diese Maßnahme betrug seinerzeit 150.000 DM.

In den Folgejahren, insbesondere zu Beginn der 90er Jahre kam es bei lang anhaltenden Trockenperioden trotzdem immer wieder zu Wasserknappheit. Die Bewässerung von Rasen­flächen und das Waschen der Autos wurden vom Wasserwerk der Stadt Drols­hagen untersagt. Trotz dieser Beschränkung musste die Feuer­wehr wieder Fremdwasser zum Hoch­behälter fahren. Diese Maßnahme konnte jedoch nicht über Wochen aufrechterhalten werden. So wurde vom städtischen Wassernetz in Feld­mannshof eine Notleitung nach Benolpe gelegt und Stadt(Bigge)wasser in das Benolper Wasserlei­tungsnetz eingespeist.
Nachdem der Sommer 1994 wieder zu einer lang anhaltenden Trockenheit und einer damit verbundenen Wasserknappheit für die Orte Benolpe und Wormberg geführt hatte, wurde im Wege einer Dringlichkeitsentscheidung beim Pumpenhaus Benolpe eine erfolgreiche Tiefen­bohrung auf 50 m Tiefe vorgenommen. Bei Bedarf konnten so täglich zusätzlich 48  Wasser gefördert werden. Gleichzeitig wurden die Schürfgräben (Quellgräben) gespült und damit von Schmutzablagerungen befreit. Damit war das Problem der mangelnden Wasserver­sor­gung in den Sommermonaten behoben. Die Kosten dieser Maßnahme beliefen sich insge­samt auf rd. 26.900,00 DM. Die Wasserquali­tät wurde vom Institut für Umweltanalytik und Qualitäts­sicherung untersucht und für Trink­wasser als voll befriedigend anerkannt.

Die Wasserleitung von 1902 wurde durch eine Interessengemeinschaft betrieben, die sich mit dem Bau der zweiten Wasserleitung im Jahr 1924 auf das gesamte Dorf ausdehnte. Später muss es sich dann um eine Wasserleitungsgenos­senschaft gehandelt haben. Ob diese Genossen­schaft erst mit dem Bau der Wasserleitung Benolpe-Wormberg ins Leben gerufen wurde konnte nicht festgestellt werden. Die Genossen­schaft löste sich im Jahr (Datum konnte ich nicht ermitteln) auf. Das Vermö­gen der Genossenschaft ging an das Wasser­werk der Stadt Drolshagen, die seit dem die Wasserver­sorgung für diese beiden Ortschaf­ten betreibt.

Die zuvor beschriebenen Maßnahmen Mitte der 90er Jahr brachten jedoch nur noch 10 Jahre Erfolg. Mit den vorhandenen Anlagen konnten die hohen hygienischen Anforderungen an eine öffentliche Trinkwasserversorgung nicht mehr eingehalten werden. Die zusätzlich für Trockenzeiten errichtete Tiefenbohrung war allein nicht leistungsstark genug, um die oberflächennahe Gewinnung zu ersetzen. Ein Neubau der gesamten Gewinnungsanlage wäre somit unausweichlich geworden. Aus wirtschaftlichen Überlegungen wurde daher ein Anschluss an das Fernleitungsnetz der Kreiswasserwerke Olpe bei Stupperhof vorgenommen.
Öffnung des Verbindungsschieber am 02.09.2005 -von links: Berthold Lütticke, Ortsvorsteher Ludger Engels, Bürgermeister Theo Hilchenbach, Berthold Lütticke, Betriebsleiter Gerhard Feldmann- (Quelle: Stadt Drolshagen)Die Umstellung der Versorgung wurde am Freitag, 2. September 2005, 10.00 Uhr, an der Anschlussstelle "Im Brauck/Rheinlandstraße" durch Bürgermeister Theo Hilchenbach, den Betriebsausschussvorsitzenden des städtischen Wasserwerks Berthold Lütticke, den Betriebsleiter des Wasserwerks Gerhard Feldmann und dem Ortsvorsteher Ludger Engels durch gemeinsames Öffnen des Verbindungsschiebers vorgenommen.
Die 1,6 km lange Verbindungsleitung besteht aus einem Kunststoffrohr mit einem Durchmesser von 13 cm, das "querfeldein" in den Boden gefräst wurde. Die Materialkosten einschließlich Druckminderer zur Reduzierung des Wasserdrucks, neuem Übergabezähler usw. betrugen rund 51.000 . Die Tiefbauarbeiten kosteten einschließlich Installation des Druckminderers rund 124.000 . Die Stadt Drolshagen hat von den Gesamtbaukosten aus Mitteln der Sicherstellung der Löschwasserversorgung rd. 58.000 übernommen.

Die Eigengewinnungsanlage und der Hochbehälter wurden stillgelegt, die Druckerhöhungsanlage demontiert. Das Pumpenhäuschen ist an den Sauerländer Gebirgsverein, Abteilung Drolshagen, verpachtet, der das Gebäude umbaute und seit Juni 2008 als SGV-Hütte nutzt.

 

Gelslingen

Nach einem Vermerk des Amtmanns Diek­mann vom 06.12.1904 waren die Landwirte Wilhelm Weuste und Franz Anton Kamp aus Gelslingen in Drolshagen erschienen. Die bei­den Personen teilten seinerzeit Amtmann Diek­mann mit, dass man bislang ohne Brunnen ausgekom­men sei. Das Trinkwasser wurde von ihnen schon seit Jahren aus dem in der Nähe ihrer Häuser vorbeifließenden Wasserlauf entnommen. Dieser Wasserlauf führte aber nur bei feuchtem Wetter Wasser. Im Sommer war dieser Graben bei Trockenheit leer, so dass sie das Wasser einen Großteil des Jahres in weiter Entfernung holen mussten. Hinzu kam, dass das Wasser durch den Einsatz von Kunstdünger zunehmend verunrei­nigt und damit unver­wendbar wurde. Aus diesem Grunde beabsich­tigten die Antragsteller einen gemeinsamen Brunnen anlegen, der einen Ko­stenaufwand von 500 Mark erforderte. Wilhelm Weuste und Franz Anton Kamp waren aufgrund ihrer finan­ziellen Verhältnisse jedoch nicht in der Lage diese Kosten aufzubringen und wollten die Brunnenanlage mit Unterstützung aus gemeind­lichen Mitteln verwirklichen.
Amtmann Diekmann schilderte umgehend mit Schreiben vom 06.12.1904 dem Landrat in Olpe diese Angelegenheit und führte die schlechten finanziellen Verhältnisse der Antrag­steller näher aus. Gleichzeitig bat er um eine finanzielle Förderung.

Die nächste Information findet sich unter dem Datum 14.02.1906. Auf eine Randverfü­gung des Landrates vom 07.02.1906 schreibt Amtmann Diekmann zur Brunnenanlage Weu­ste und Kamp:

"Gelslingen eignet sich für eine gemein­same Wasserleitung ebensowenig wie der Ort Essinghausen, denn die einzelnen Höfe liegen sehr weit auseinander und es fehlt an Gefälle. Auch ist die von Weuste und Kamp benutzte Quelle für den ganzen Ort zu wasserarm."

Weiter Dokumente zur Wasserversorgung sind nach diesem Datum in Stadtarchiv ebenso wenig vorhanden wie Aufzeichnungen zur Was­serversorgung der übrigen Wohnhäuser. Es ist aber davon auszugehen, dass auch die anderen Ortsbewohner die Wasserläufe für die Ent­nahme von Trinkwasser nutzten und später eigene oder Gemeinschaftsbrunnenanlagen errichteten.

Wie lange die Gelslinger eine eigene Wasserversorgung hatten, konnte ich aus den Archivunterlagen nicht ermitteln. Zu einem Zeitpunkt muss jedoch diese Eigenversorgung eingestellt worden sein und Gelslingen an das städtische Wasserversorgungsnetz angeschlossen worden sein.  

 

Feldmannshof, Gipperich, Stupperhof

Dem bereits zitierten Verzeichnis über die Pri­vatwasserleitungen des Amtes Drolshagen aus dem Jahre 1904 ist für Stupperhof zu ent­nehmen, dass Heinrich Häner eine private Was­serleitung besaß. Weitere Angaben zu dieser Wasserleitung sind nicht festzustellen. Wie die Wasserversor­gung des Wohn­hauses Stahl erfolgte war eben­falls nicht zu ermit­teln.


Zur Ortschaft Gipperich ist zu berichten, dass am 09.09.1913 der Landwirt Anton Schneider aus Gipperich beim Amt in Drolsha­gen vor­sprach. Anton Schneider erklärte, dass die Trink­wasserverhältnisse in Gipperich sehr schlecht seien und bat die Amtsverwaltung darauf zu dringen, dass eine gemeinschaftliche Wasserlei­tung angelegt werde. Auf seinen Vorschlag sollte eine Versammlung in Gippe­rich stattfinden, bei laut Anton Schneider sicher mehr als die Hälfte der Eingesessenen für die Anlage der Wasser­leitung sei.
Nachdem Amtmann Diekmann diesen Vor­gang mehrmals zur Wiedervorlage weiterdatiert hatte, schließt dieses Schriftstück unter dem Datum des 15.07.1915 mit dem Vermerk "Mit Rücksicht auf die Kriegszeit - Z.d.A. (zu den Akten)." ab.

Danach scheint aus der Ortschaft Gipperich kein erneuter Vorstoß in dieser Angelegenheit erfolgt zu sein.


Zur Ortschaft Feldmannshof fanden sich keine Aufzeichnungen im Archiv der Stadt Drolshagen. Nach Berichten von Ortsbewoh­nern erfolgte die Wasserversorgung vor dem Anschluss an das städtische Wasserversor­gungsnetz durch eine Gemeinschaftsanlage der Dorfbewohner. Die Anlage wurde durch eine Quelle gespeist. Seit wann diese Anlage bestan­den hat ist nicht festzustellen.


Die Ortschaften Feldmannshof, Gipperich und Stupperhof wurden in den Jahren 1980/81 an das Wasserversorgungsnetz des Wasser­werks der Stadt Drolshagen angeschlossen. Hierzu war eine Leitungslänge von 2.641 m erforderlich.

 

Belmicke

Dem weiter oben schon zitierten Verzeichnis der Privatwasserleitungen des Amtes Drolsha­gen (Anlage zum Schreiben des Amtmanns Diekmann vom 03.10.1904) ist zu entnehmen, dass die Häuser Bieker und Berg in Belmicke eine private Wasserversorgung aus einer Quelle besa­ßen.
Die nächsten Aufzeichnungen datieren aus dem Jahr 1914. Auf die Randverfügung des Landrates in Olpe vom 23.02.1914 hatte der Amtmann Diekmann den Polizeisergant Reuter mit Feststellungen zur Wasserversorgung in Belmicke beauftragt. Es ging wohl dabei um die Feststellung ob in Belmicke eine neue Was­serleitung angelegt wurde. Das Ergebnis der Feststellungen des Polizeiserganten fasste Amt­mann Diekmann wie folgt zusammen:

"Es handelt sich nicht um eine Neuanlage, sondern die bereits in den 90er Jahren gebaute Wasserleitung, an der 2 Eingesessene der hiesigen, und 24 der rheinischen Ortschaft Belmicke angeschlossen sind, soll instand gesetzt werden. ...“

Die Quelle, der Hochbehälter und das Hauptzuleitungsrohr zu dieser Wasserleitung lagen auf Drolshagener Gebiet.
Da diese Wasserleitung aus den 1890er Jah­ren stammt, ist zu vermuten, dass die eingangs zitierte Wasserversorgung der Häuser Berg und Bieker bereits durch diese Wasserleitung erfolgte.

Aus den Archivakten war weiter zu ermit­teln, dass sich im Jahr 1914 in Belmicke eine Genos­senschaft zur Anlage einer Wasserlei­tung gebil­det hatte. Dieser Genossenschaft, die beim Amts­gericht Gummersbach gerichtlich eingetragen war, gehörten 23 eingetragene Genossen an. Davon wohnten 21 Genossen in den rheinischen Orten Belmicke und Brüchen, zwei Genossen wohnten im Drolshagener Teil des Ortes Bel­micke. Im Auftrag des Vorstan­des hatte der Landwirt Anton Berg am 24.03.1914 beim Amtmann in Drolshagen vorgesprochen, weil die Ortspolizeibehörde in Lieberhausen die Genos­senschaft aufgefordert hatte, dort wegen der lan­despolizeilichen Genehmigung nachzusuchen. Da aber die Was­sergewinnungsstelle, der Hochbe­hälter und fast die ganze Zuleitung im Amte Drolshagen lag, war der Vorstand der Meinung, dass diese Genehmigung von der königlichen Regierung in Arnsberg zu erteilen ist. Der Amtmann wurde gebeten, hierzu Erkundigungen einzuholen und die Entscheidung der Regierung in Arnsberg herbeizuführen.

 


Quellenhinweis:
StaD: A 699, A 715, A 719, A 1263, B 24, B 25
StaD: Sammlung Schulen 112 und 113 
Westfalenpost: Jg. 1962, Nr. 253 vom 30.10.1962
StD: Verwaltungsberichte 1973 - 83, 1984 - 88, 1993 - 98 und 2004 - 08

 

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